Als Mirko Salvi vor einem Jahr vom FC Basel an den FC Lugano ausgeliehen wurde, brauchte er etwas Geduld. Der italienische Trainer Zdenek Zeman schenkte vorerst weiter seinem Landsmann Alex Valentini das Vertrauen.

Nachdem die Tessiner dann allerdings am 9. April im Stade de Suisse gegen YB mit 0:7 eingegangen waren, schlug – ausgerechnet gegen den FCB − die Stunde des Neuen. Und obwohl Salvi im Cornaredo vier Tore kassierte und als 1:4-Verlierer vom Feld ging, behielt er seinen Platz zwischen den Pfosten.

Ja, er hat seither in der Super League keine einzige Minute mehr verpasst. «Zeman hat bis zum Ende der Saison auf mich gezählt. Und als dann im Sommer Andrea Manzi Trainer wurde, blieb ich die Nummer 1», sagt Salvi. 29 Spiele in der Super League stehen inzwischen auf seinem Konto, das dreissigste folgt am Samstag im St. Jakob-Park.

Denn auch Paulo Tramezzani, der dritte Italiener, der innerhalb eines Jahres auf der Trainerbank der Luganesi sitzt, scheint an Salvi festzuhalten. «Ich habe eine gute Vorrunde gespielt, aber ganz zufrieden mit mir bin ich nie», sagt Salvi. Generell fühle ich mich jedoch in Lugano ausgesprochen wohl. Meine Mutter kommt aus Bergamo und die lateinische Mentalität behagt mir.»

Was kommt im St. Jakob-Park im Spiel gegen Basel auf Mirko Salvi (links, im Duell mit Basels Michael Lang) zu?

Was kommt im St. Jakob-Park im Spiel gegen Basel auf Mirko Salvi (links, im Duell mit Basels Michael Lang) zu?

Schon als 15-Jähriger war er aus dem Nachwuchs von Yverdon-Sport zum FC Basel gestossen, hatte hier die Nachwuchsstufen durchlaufen und war 2014 für eine Saison an Biel in die Challenge League ausgeliehen worden.

«Ich gehöre jetzt schon so lange dem FC Basel an, dass es mein grösser Wunsch wäre, bei diesem Verein einmal die Nummer 1 zu werden», sagt der 22-Jährige, dessen Vertrag mit dem FCB im Sommer zwar ausläuft, jedoch eine Option auf eine Verlängerung beinhaltet. Wie realistisch aber sind seine Chancen?

Die unbestrittene Nummer 1 bei Rot-Blau ist derzeit Tomas Vaclik. Weil der Tscheche (Vertrag bis 2021) aber mit konstant guten Leistungen aufwartet, ist es denkbar, dass der 27-jährige Vaclik bald in eine grosse Liga wechselt. Sein aktueller Stellvertreter Germano Vailati wird Mitte dieses Jahres 37 Jahre alt und fällt damit als Nachfolger im FCB-Tor ausser Betracht.

Wie auch Djordje Nikolic (siehe Interview in der rechten Spalte). Die Nummer 3 in der Basler Goaliehierarchie ist zwar 17 Jahre jünger als Vailati, verfügt jedoch nur marginal über Spielpraxis. Dies, weil der Serbe als Spieler aus einem Drittstaat nicht in der zweiten Mannschaft (1. Liga Promotion) eingesetzt werden kann. Zumindest so lange nicht, bis die Swiss Football League zusammen mit dem Staatssekretariat für Migration eine Lösung
gefunden hat.

Um auszuloten, ob Salvis Hoffnungen auf eine Rückkehr zum FCB berechtigt sind, ist Sportdirektor Georg Heitz der richtige Ansprechpartner. «Wir beobachten Mirko natürlich genau. Seine Fortschritte sind sehr erfreulich», sagt Heitz.

«Mirko hat gewiss eine Chance − in welcher Form auch immer. Sein Vertrag wird sich automatisch verlängern. Wir werden dann zusammen mit dem Goalietrainer genau anschauen, was am sinnvollsten ist», sagt Heitz. «Ob vielleicht ein Modell wie einst bei Yann Sommer zum Zuge kommt, der eine Saison lang die Nummer 2 war, ehe er Stammgoalie wurde.»

Mehr allerdings kann und will Heitz zum Thema FCB-Torhüter 2017/18 nicht sagen. «Dafür ist es ganz einfach zu früh. Und auf der Goalieposition spielt mehr als auf jeder anderen der Dominoeffekt eine Rolle», sagt Heitz. Will heissen: Erst wenn Vaclik geht, kommt Bewegung ins Spiel.

FCB-Sportdirektor Georg Heitz: «Auf der Goalieposition spielt mehr als auf jeder anderen der Dominoeffekt eine Rolle.»

FCB-Sportdirektor Georg Heitz: «Auf der Goalieposition spielt mehr als auf jeder anderen der Dominoeffekt eine Rolle.»

Salvi selbst will sich über solche Gedankenspiele nicht den Kopf zerbrechen, sondern ganz auf den Rückrundenauftakt mit dem FC Lugano konzentrieren. Aber natürlich ist ihm bewusst, dass er im St. Jakob-Park schon mal gute Werbung in eigener Sache machen kann. «Wir haben keinerlei Druck in Basel», sagt Salvi, «versuchen aber mit allen Mitteln, drei Punkte zu holen.»

Der Romand ist angetan von der intensiven Vorbereitung unter dem neuen Trainer Tramezzani. «Wir haben in Spanien sehr gut trainiert, die Stimmung in der Mannschaft ist ausgezeichnet und alle ziehen mit.» Obwohl sie den entlassenen Trainer Andrea Manzi geschätzt hätten, sei mit Tramezzani nun ein neuer Schwung in die Mannschaft gekommen.

Zuletzt hatte der Italiener als Assistenztrainer für die albanische Nationalmannschaft gearbeitet. «Er ist zwar zum ersten Mal Cheftrainer, doch er hat an vielen Orten Erfahrung gesammelt und schon viel von der Welt gesehen», sagt Salvi.

Der Tessiner Goalie erwartet einen harten Abstiegskampf. «Niemand darf sich sicher fühlen. Das hat das Beispiel des FC Zürich im letzten Jahr gezeigt», sagt Salvi. «Für uns ist es ein Vorteil zu wissen, wie es am Tabellenende zugeht. Und mit Sadiku, Carlinhos und Pepin haben wir uns klar verstärkt.»