«Das war jetzt aber katastrophal geritten», entfährt es Janika Sprunger, als sie während eines Interviews im Mediencenter auf den Monitor blickt. Der Reiter mit der Nummer 45 ist unterwegs. Es ist Janikas Vater Hansueli Sprunger, und der hatte gerade einen Abwurf zu verzeichnen. Am Ende bleibts bei den vier Fehlerpunkten. 15 Startnummern zuvor war Janika auf ihrem 10-jährigen Wallach Uptown Boy unterwegs. Es ist der erste Höhepunkt des CSI Basel: der mit 100000 Franken dotierte Grosse Preis der Stadt Basel.

Bei Janika Sprunger passiert die «Katastrophe» bereits beim ersten Hindernis. Auch bei ihr bleibt es
am Ende bei dem einen Abwurf. «Es wäre mehr möglich gewesen», schüttelt die 23-Jährige beim Ausreiten den Kopf. 17 Reiter blieben fehlerfrei und qualifizierten sich fürs Stechen. «Uptown Boy war frisch, voller Energie, aber er liess sich durch die Figuren auf dem Parcours ablenken und war unkonzentriert», erklärt sie das Malheur am ersten Hindernis.

Einen Rang vor Freund Manuel

Es war dennoch ein äusserst erfolgreicher Tag für die Reiterin aus Bubendorf. Bei der ersten internationalen Springprüfung des gestrigen Tages, dem mit 30000 Franken dotierten Preis der Garage Nepple, springt Sprunger mit Wallach Valentyn aufs Podest. Hinter dem Franzosen Philippe Rozier erreicht sie ohne Strafpunkte den zweiten Platz. Das Klassement entlockt ihr ein Strahlen. Auf dem dritten Rang liegt ihr Freund Manuel Añon. Seit einem halben Jahr sind die Baselbieterin und der Spanier ein Paar.

Janika Sprunger mit Uptown Boy beim Heimturnier CSI Basel

Janika Sprunger auf Uptown Boy am CSI Basel

Das Heimturnier ist für die Sprungers ohnehin ein ganz besonderer Anlass. Vater Hansueli ist sowohl Sportchef als auch aktiver Reiter beim CSI Basel. Ein strenges Programm. Streng hat es auch Tochter Janika. Am Eröffnungstag bestritt sie 2 Prüfungen, gestern 3, heute sind es erneut 3 und am Sonntag deren 2. «In der St. Jakobshalle kenne ich fast jeden auf der Tribüne, deshalb möchte ich einen guten Job machen. Und es ist natürlich umso schöner, wenn etwas gut gelingt», sagt Sprunger.

Sie ist mit drei Pferden angereist, verbringt während des CSI viele Stunden im Sattel. Und wenn nicht gerade ein Pferd in der Nähe ist, gilt es, das Natel zu bedienen oder Hände zu schütteln. Im letzten Jahr sei der Stress allerdings grösser gewesen, sagt Sprunger. Damals hatte sie im Vorfeld des Turniers viele Pressetermine wahrgenommen. Vielleicht zu viele. «In diesem Jahr bin ich es etwas ruhiger angegangen», sagt sie.

Fernziel EM in Madrid

Bereits als Elfjährige bekam Janika Sprunger die Springlizenz und bald einmal schaffte sie es ins Schweizer Juniorenkader. Heute hat sie acht Pferde, die Matura in der Tasche und ist Mitglied im A-Kader der Schweizer Springreiter. Momentan gilt ihre volle Konzentration dem Reitsport. In zwei Wochen startet sie beim CSI Zürich, die nächste Station ist Offenburg, wo sie vor einem Jahr im Grossen Preis den dritten Platz erreichte. Das Fernziel ist die Teilnahme bei der EM in Madrid im September, in der Heimat von Freund Manuel.