Profisportler wolle er nicht unbedingt werden, meint der 13-jährige Linus Holtorf. «Lieber möchte ich mit einem Hippie-Bus durch Kalifornien reisen und snowboarden, wo immer es geht.» Eigentlich überraschend, bedenkt man doch, dass der Basler letzte Saison bei den Alpinen der U14 Saisonsieger nach Punkten wurde. Er überlegt es sich dann doch noch einmal und meint: «Wenn es klappen würde, wäre es auch nicht schlimm.»

Er könnte ja dann miteinem Bus à la Bode Miller zu den Wettkämpfen anreisen. Wahrscheinlich geht er den Sport mit der richtigen Einstellung an.

Mehrere Schneewochenenden im Jahr

Die Voraussetzungen für Erfolg auf dem Snowboard sind als Städter ja auch nicht unbedingt die besten. Holtorf wird zwar von seinen Eltern unterstützt, welche sich aktiv im Snowboard-Team Nordwest engagieren. Dieses kann aber nicht mehr als ein wöchentliches Krafttraining und mehrere Schneewochenenden im Jahr organisieren. So zieht es den Teenager nun ins Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Am 18. Dezember verreiste er für vier Monate nach Salt Lake City in die Vereinigten Staaten.

Er kennt den Ort in den Rocky Mountains relativ gut, da die Familie vor einiger Zeit bereits ein Jahr dort lebte. Holtorf wird in Salt Lake bei der Familie seines Trainers leben und dieselbe Schule wie dessen Söhne besuchen. Er freut sich extrem auf den Aufenthalt. «Die Familie ist so cool, mein Trainer zugleich professioneller Boarder und Cowboy, das Skigebiet ist fantastisch und der Schnee in den USA viel besser als in der Schweiz. Weniger Schneeball–, sondern Pulverschnee.» Englisch spricht er bereits sehr gut, da er in die Swiss International School geht, wo zweisprachig unterrichtet wird.

Mehr Revolutionär als Streber

Für die Schule wird er sehr viel arbeiten müssen, um den verpassten Stoff nachzuholen. «Damit ich in die USA darf, muss ich das halt tun. Es ist aber kein Problem für mich, selbstständig zu arbeiten», meint der Blondschopf. Wer nach dieser Aussage meint, dass Holtorf ein Streber ist, der täuscht sich gewaltig. Er versteht sich vielmehr als Revolutionär. Deshalb hat er auch schon früh von zwei Brettern auf eines gewechselt. «Auf dem Snowboard ist die Freiheit viel grösser als beim Skifahren», sagt der Teenager. Zudem verbringt er auch nicht allzu viel Zeit auf der Piste. «Das Beste ist Tiefschneefahren im Wald. Ich weiss auch schon, wo ich das in Salt Lake tun kann.» Sein Bedürfnis nach Freiheit ist das Einzige, was in den USA wohl nicht ganz befriedigt werden kann. «Minderjährige können dort fast nichts allein unternehmen», sagt er. Das Einzige, was er aber wirklich vermissen wird, sind nicht Kinobesuche mit Freunden, sondern «das gute Brot in der Schweiz».