Bruno Kozina schaut als Jugendlicher in seiner kroatischen Heimat Rijeka am liebsten die Handball-Spiele von Zagreb im Fernsehen. Besonders ein Spieler hat es ihm angetan. Der Rumäne Rares Jurca. «Du warst mein Vorbild. Ich habe dich beobachtet, den Ball genommen und dir dann nachgeeifert. Jurca, Jurca, habe ich dann immer gerufen», sagt Kozina heute, als wir die beiden aktuellen Handballer des RTV Basel im Rankhof treffen.

«Du konntest dir meinen Namen doch nur merken, weil der auf Kroatisch Party bedeutet», erwidert Jurca und lacht. «Nein, du warst echt der Beste. Du hast immer so coole Schlenzer gemacht. Das wollte ich auch können», sagt Kozina und Jurca nimmt lächelnd einen Schluck von seinem Kaffee.

Rares Jurca und Bruno Kozina

    

Normalerweise sprudeln die Sprüche nur so aus den beiden heraus, jetzt sucht zumindest einer kurz nach Worten. Schliesslich findet er welche: «Jetzt bin ich echt bewegt. Das hast du mir noch nie gesagt.» «Doch Rares, das habe ich schon. Einfach nicht so ausführlich. Aber es stimmt.» «Du bist der Beste, Bruno.»

Viel gemeinsam, aber nicht nur

Obwohl sie acht Jahre Altersunterschied haben, sind die beiden Handballer heute gute Freunde. Mit dem RTV treffen sie ab heute Abend im Zweitagesrhythmus in den Playoffs auf den Verein, bei dem beide in der Vergangenheit gespielt haben: die Kadetten Schaffhausen. «Dort haben wir uns zum ersten Mal persönlich getroffen. Für mich war das schon ein besonderer Moment», sagt Kozina.

Zusammen gespielt haben die beiden dort aber nie. Während Jurca zwischen 2010 und 2015 sechs Titel mit Schaffhausen gewann, spielte Kozina beim Serienmeister damals keine grosse Rolle. Er stand dort zwar unter Vertrag, wurde aber an Gossau ausgeliehen und schloss sich dann im Sommer 2015 dem RTV an. Wie es der Zufall wollte, folgte ihm auch sein Vorbild aus Kinderzeiten. Jurca konnte sich mit Schaffhausen nicht auf einen neuen Vertrag einigen und wechselte ebenfalls zum RTV.

Der Scharfschütze im Zug: RTV-Topskorer Rares Jurca pendelt fürs Training von Schaffhausen nach Basel.

Der Scharfschütze im Zug: RTV-Topskorer Rares Jurca pendelt fürs Training von Schaffhausen nach Basel.

Knapp vier Jahre ist das nun her. «Bruno war einer der Gründe, warum ich den Schritt damals gemacht habe», sagt Jurca. Während der 130-fache Nationalspieler Rumäniens auch den Gang in die NLB mitmachte, zog es Kozina nach dem Abstieg des RTV 2017 weiter. Doch lange hielt er es offenbar nicht ohne seinen Kollegen aus. Seit Dezember 2018 ist der Kroate zurück in Basel. «Als das Angebot kam, habe ich nicht lange überlegt.»

Wer mit den beiden unterwegs ist, hat immer was zu lachen. Auch die scheinbare Übermacht des Qualifikationsmeisters aus Schaffhausen nehmen sie mit Humor. «Immerhin muss ich während der Playoffs nicht mehr pendeln. Das habe ich richtig satt», sagt Jurca mit einem Augenzwinkern. Der 35-Jährige wohnt mit seiner Familie immer noch in Schaffhausen und kommt seit vier Jahren jeweils mit dem Interregio ins Training.

Rares Jurca vor sechs Jahren im Trikot der Kadetten.

Rares Jurca vor sechs Jahren im Trikot der Kadetten.

«Viele Menschen arbeiten mindestens acht Stunden am Tag. Da kann ich für das Training auch ein bisschen im Zug sitzen», sagt Jurca. Auf die mindestens drei «Heimspiele» freut sich der Linkshänder besonders: «Bei der geilen Atmosphäre in Schaffhausen und in Basel ist keine Extra-Motivation nötig.»

Auch wenn die beiden RTVler jetzt schon länger nicht mehr für Schaffhausen spielen, gibt es auf Schaffhauser Seite noch zahlreiche Kollegen aus alten Tagen. Zarko Sesum, Ivan Stevanovic, Trainer Petr Hrachovec ... Am liebsten würden Jurca und Kozina an dieser Stelle alle einzeln grüssen, doch dafür reichen die Zeilen nicht.

Keine unmögliche Sensation

Erst einmal haben Jurca und Kozina mit dem RTV gegen Schaffhausen gewonnen. Das war vor zwei Jahren. Alle anderen Duelle gingen an Schaffhausen. In dieser Saison verlor der RTV in der Liga 23:29 und im Cup 21:37. «Natürlich ist Schaffhausen klarer Favorit. Aber man weiss ja nie. Wenn wir ohne Abstiegsdruck, gelassen und voller Energie, in die Partie gehen, können wir für eine Überraschung sorgen», sagt Jurca.

«Es ist nicht unmöglich. Schaffhausen ist keine Weltmacht», sagt Kozina. In den Playoffs sind drei Siege nötig, um in den Halbfinal zu kommen. Dadurch wird eine Überraschung noch unwahrscheinlicher. Aber wenn der aktuelle RTV-Topskorer Jurca am Ende den entscheidenden Treffer machen sollte, wird Bruno Kozina sicher wie früher in Kroatien seinen Namen rufen. Nur könnte er diesmal auch gemeinsam mit ihm jubeln.