Behindertensport

Mit den Tipps von Viktor Röthlin

Wie an den Paralympics 2012 in London will Tobias Fankhauser aus Hölstein auch an der Heim-WM in Nottwil jubeln.

Wie an den Paralympics 2012 in London will Tobias Fankhauser aus Hölstein auch an der Heim-WM in Nottwil jubeln.

Handbiker Tobias Fankhauser aus Hölstein strebt an der Heim-WM eine Medaille an. Vor der WM bekam er Besuch von Antidoping Schweiz und Tipps vom Marathon-Europameister.

Als vor gut einer Woche um zehn Uhr nachts die Dopingkontrolleure von Antidoping Schweiz vor der Türe standen, war das für Tobias Fankhauser ein untrügliches Zeichen: Die WM steht unmittelbar bevor. «Es ist schon länger her, seit ich das letzte Mal kontrolliert wurde», sagt der Hölsteiner, der an den Paralympics in London überraschend die Silbermedaille gewonnen hatte. Dass auch er kontrolliert wird, findet Fankhauser eine gute Sache. Schliesslich geht es auch im Paracycling um Spitzensport und Spitzenleistungen. Deshalb hat Fankhauser auch gleich nach der Kontrolle in die Welt hinaus getwittert, dass ihm Antidoping Schweiz einen Besuch abgestattet hat. Nach dem Motto: seht her, auch wir werden kontrolliert.

An der Heim-WM in Nottwil strebt der 25-jährige Handbiker eine Medaille an. Dazu bieten sich ihm drei Gelegenheiten. Bereits heute steht die Staffel auf dem Programm, am Freitag folgt das Zeitfahren und am Sonntag das Strassenrennen. Die grössten Chancen rechnet sich Fankhauser in seinem letzten Einsatz aus. Bereits 2013 und 2014 hat er im Strassenrennen WM-Bronze gewonnen, dazu kam 2012 Olympia-Silber. In der laufenden Saison konnte Fankhauser in Yverdon seinen ersten Weltcup-Sieg feiern – ebenfalls im Strassenrennen.

Weltcupsieg fürs Selbstvertrauen

«Dieser Sieg verleiht mir viel Selbstvertrauen», sagt der Betriebsökonomie-Student. Seine Saison verlief mit Siegen im Europa- und Weltcup bisher äusserst erfolgreich. «Ich habe in diesem Jahr, mit der Heim-WM vor Augen, einen grossen Schritt nach vorne gemacht», sagt Fankhauser. Dennoch fügt er an: «Das Abschneiden an der WM wird über meine Saisonbilanz entscheiden. Nottwil ist der Gradmesser.» Nicht in allen bisherigen Rennen waren die Besten mit am Start, häufig fehlten etwa die starken Athleten aus Nordamerika. In Nottwil werden sie alle dabei sein.

Vielleicht hilft es Fankhauser, dass er vor drei Wochen Viktor Röthlin begegnet ist. Der Marathon-Europameister war Ehrengast am jährlichen Treffen des Baselbieter Olympia-Teams, zu dem auch Fankhauser zählt. «Viktor Röthlin ist viermal an Olympischen Spielen gestartet», sagt Fankhauser, «er weiss, wie man sich auf wichtige Anlässe vorbereitet.» Für den Baselbieter war es spannend, Röthlins Sicht zu hören und mit seiner eigenen Vorgehensweise zu vergleichen. Für Fankhauser ist nun klar: Röthlin ist ein Meister der gezielten Vorbereitung, «davon kann ich mir eine Scheibe abschneiden, vor allem, was das Studium der Strecke betrifft». Das gilt besonders mit Blick auf Fankhausers nächstes grosses Ziel: die Paralympics 2016 in Rio.

Die Vorbereitung für Nottwil war dagegen das reinste Heimspiel. Fankhauser und seine Schweizer Kollegen konnten jederzeit auf der WM-Strecke trainieren. Dieser Umstand und das Profil des sieben Kilometer langen Rundkurses kommen dem Leichtgewicht und guten Taktiker entgegen. «Es ist eine anspruchsvolle Strecke mit vielen Höhenmetern. Die Bergfahrer werden die Medaillen unter sich ausmachen», sagt Fankhauser. «Wir Schweizer sind Spezialisten am Berg.»

Doch auch im Zeitfahren darf Fankhauser mit einem Spitzenplatz rechnen. Nicht zuletzt, weil er im Winter regelmässig auf der Bahn im Velodrome in Grenchen trainieren konnte. «In diesem Jahr bin ich in den Zeitfahren regelmässig in die Top 5 gefahren. Früher waren solche Resultate illusorisch.»

Zum WM-Ort Nottwil hat Fankhauser einen ganz besonderen Bezug. Nach seinem Velounfall im Alter von 14 Jahren hat er dort sechs Monate in der Erstrehabilitation verbracht. «Es war wie ein zweites Zuhause», sagt der Student der Fachhochschule Nordwestschweiz, der seit diesem Unfall querschnittgelähmt ist. Noch heute trainiert er zwei- bis dreimal pro Woche in Nottwil. Auch seinen heutigen Trainer Paul Odermatt hat er während der Erstrehabilitation im Paraplegiker-Zentrum kennen gelernt. Odermatt war es, der Fankhauser zum Handbike brachte und damit den Teenager aus dem Loch holte. Nun wartet auf den 25-Jährigen die WM vor heimischem Publikum.

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