FC Basel

Mit der Kraft der Katharsis: Die Analyse zur FCB-Hinrunde

Viel fehlte dem FCB nicht zur perfekten Hinrunde - aber in etwa so viel, wie Arthur Cabral hier vom Ball trennt.

Viel fehlte dem FCB nicht zur perfekten Hinrunde - aber in etwa so viel, wie Arthur Cabral hier vom Ball trennt.

Die Hinrunde ist beendet. Und noch ist der FCB sowohl in Cup, Meisterschaft und Europa auf Kurs. Die bz-Analyse zur ersten Saisonhälfte 2019/20:

Es ist paradox. Da verliert der FC Basel sein letztes Hinrunden-Spiel der Saison 2019/2020, und doch ist die Stimmung gut. Nicht losgelöst vor Ferien-Vorfreude, aber auch nicht getrübt durch die Niederlage in der Dernière. Hier ist ein Lächeln beim Basler Torhüter zu sehen, da eines beim Sportchef des FCB. Und vor allem sind Worte zu vernehmen, die positiven Charakter haben. Die Hinrunde sei «sehr gut» gewesen, meint etwa Ruedi Zbinden, Jonas Omlin spricht von guten Gefühlen, mit denen man in die trainingsfreie Zeit starte.

Dass der FCB das erste Halbjahr dieser Saison mit einem Paradoxon beschliesst, ist tatsächlich sehr passend. Sinnbildlich schon fast. Als sich die Spieler zum letzten Mal in der trainingsfreien Zeit befanden, da passierte in den Büros in Basel und Pratteln nämlich so Einiges. Der Trainer hatte seine Siebensachen schon gepackt und der Sportchef dem Ersatz den Kugelschreiber zur Vertragsunterschrift in die Hand gedrückt.

Katharsis statt Chaos

Wie die Chaos-Tage zu Basel schliesslich endeten, ist allseits bekannt: Der Trainer packte seine Siebensachen wieder in den Spind im Joggeli, während der Sportchef die Reissleine zog und in die Ferien flog. Dass daraus eine solche Hinrunde resultieren würde, damit hätte wohl kaum einer gerechnet. Doch fast genau sechs Monate nach dem Ende der Sportchef-Ära von Marco Streller hat es den Anschein, als kämen die grossen Sommer-Unruhen einem Katharsis-Effekt gleich.

Der FC Basel Ausgabe 2019/2020 strahlt nämlich plötzlich wieder Ruhe aus. Etwas, was ihn in der Ära Heusler/Heitz ausmachte, er in den zwei Jahren seit Burgeners Übernahme aber schmerzlich vermissen liess. Mit dieser Ruhe und der Kraft der Katharsis aber hat sich der FCB auch auf dem Rasen wieder dem angenähert, was ihn früher ausgezeichnet hatte. Die Folge sind das Weiterkommen im Cup, das Überwintern auf europäischer Ebene und starken 13 Punkten in der Gruppenphase sowie einem zweiten Tabellenplatz in der Liga mit nur zwei Punkten Rückstand auf YB.

Es gibt noch offene Baustellen beim FCB

Diese Bilanz soll aber dennoch nicht blenden. Obschon der FCB in diesem Halbjahr vieles richtig machte, oftmals einen Lauf hatte und entsprechend in sämtlichen drei Wettbewerben auf Kurs ist: Alles ist noch nicht gut beim zwanzigfachen Schweizer Meister. Denn auch wenn wichtige Siege gegen Eindhoven oder YB geholt wurden, kassierte Rotblau auch unnötige Niederlagen gegen den LASK, Servette oder eben gestern gegen Luzern. Eine Mischung, die zeigt, dass der FCB auf dem richtigen Weg, aber eben auch auf einem langen Weg zurück zu alten Tagen ist.

Der Wechsel weg von Emotionalität hin zu Rationalität auf der zentralen Position des Sportchefs scheint auf diesem Weg eben so gut getan zu haben wie das Festhalten an Erfahrung auf der Trainerposition. Letzteres hat vor allem jene Stabilität gebracht, die es auf dem Weg zum Erfolg eben braucht. Nun muss diese Stabilität nur auch noch in den scheinbar unbedeutenderen Spielen da sein. Dann kann der FCB im zweiten Teil dieser Saison Einiges erreichen.

Die Reise kann noch weit gehen

In den wichtigen Spielen war er zuletzt immer bereit. So wird es die Basler vielleicht auch freuen, dass die Rückrunde mit dem Spitzenspiel in Bern startet. Auch wenn gleich vier Spieler (Cömert, Xhaka, Stocker, Cabral) gesperrt fehlen. Eigentlich können die Basler so gar nicht gewinnen, scheint es. Angesichts der fehlenden Achse wäre ein Sieg fast schon paradox. Aber wenn diese Hinrunde etwas gezeigt hat, dann dass der FCB mit paradoxen Dingen ganz gut umgeht.

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