Super League
Mit einer ungewollten Handschrift: Der FC Basel kassiert seine zehnte Saisonniederlage

Der FC Basel verschenkt einen Vorsprung gegen Lugano, kassiert beim 1:2 im Tessin seine zehnte Saisonniederlage und rutscht in der Tabelle ab.

Céline Feller aus Lugano
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Die Spieler mögen selber nicht mehr hinschauen: Der FC Basel verliert nach Vorsprung erneut.

Die Spieler mögen selber nicht mehr hinschauen: Der FC Basel verliert nach Vorsprung erneut.

Bild: Freshfocus

Es ist in dieser Saison schwierig, im Spiel des FC Basel eine Handschrift zu erkennen. Vom angekündigten Tempo- und Pressing-Fussball ist nur ganz selten und eher per Zufall etwas zu sehen. Stringente Spielzüge sind ebenfalls zu rar. Aber etwas, das scheint sich beim FC Basel in dieser Saison ein bisschen wie ein roter Faden durch seine Spiele zu ziehen. Oder zumindest durch die Mehrheit seiner bislang 26 absolvierten Meisterschaftspartien: Dass er keine Konstanz rein bringt. Weder von Spiel zu Spiel, noch von Halbzeit zu Halbzeit.

Nachdem die Basler am vergangenen Wochenende nach sieben sieglosen Spielen endlich wieder gewinnen konnten, folgt an diesem Samstag fast schon folgerichtig wieder eine Niederlage. Einen Lauf kriegt der FCB schlicht nicht hin. Die 1:2-Niederlage ist bereits die zehnte (!) in dieser Saison. Damit weisen die Basler gleich viele Siege wie Pleiten auf. Eine Statistik, die die Frage nach dem Trainer erneut aufwerfen muss.

Viele Fragen und der sich nähernde Showdown

Klar, die Basler gehen im Tessin in der 22. Minute in Führung. Durch den 14. Saisontreffer Arthur Cabrals nach einer Ecke von Darian Males. Es ist ein kleines Zeichen, dass man die Bestätigung des Luzern-Sieges suchen will und schaffen könnte. Man habe befreit trainiert nach diesem Vollerfolg, erzählte Trainer Ciriaco Sforza am Freitag. Und tatsächlich ist das okay, was der FCB zeigt. Auch wenn es einmal mehr die individuelle Klasse Cabrals ist, die den Unterschied macht, und auch sonst nur gute Einzelaktionen von Pajtim Kasami für weitere Gefahr sorgen. Es reicht dies jedoch für eine Pausenführung. Eine, die aber nicht lange hält.

Denn dass der FCB am Ende erneut verliert - mit 1:2 - liegt eben auch an dieser nicht vorhandenen Konstanz über 90 Minuten. Denn wie schon gegen Sion beispielsweise verliert der Gast nach der Pause die Kontrolle über das Geschehen. Das Team wirkt wie ausgewechselt. Exemplarisch dafür Kasami, der in Hälfte Eins dominant war, nach der Pause aber abtaucht.

Die taktische Umstellung der Tessiner, welche in der ersten Halbzeit schlechter, aber nicht chancenlos sind, bringt den FCB komplett aus dem Fahrplan. Die Basler finden keine Lösungen, lassen sich tief in die eigene Hälfte drängen. Der Ausgleich von Sandi Lovric ist nur verdient. Ebenso das 2:1 durch Mattia Bottani in der 76. Minute. Die Entstehung der beiden Tore, sie sind auch ein bisschen typisch FCB Ausgabe 2020/2021: aus Mangel an Konzentration hat der Gegner zu viel Raum (beim Ausgleich) oder wird gar nicht gedeckt (beim zweiten Tor), so dass auch der erneut starke Heinz Lindner nicht mehr retten kann. In den Schlusssekunden kommt Cabral zwar noch zu einem spektakulären Ausgleichsversuch. Verdient wäre dieser Punkt aber nicht gewesen. Viel mehr gehen die ersten drei Punkte in einem Heimspiel für Lugano seit Ende November (auch damals gegen den FCB) absolut in Ordnung.

Den FCB lässt dieser Auftritt einmal mehr mit Fragen zurück. Der Frage nach dem Trainer, klar. Aber auch der Frage, wieso immer wieder ein Einbruch kommt nach der Pause. Und wieso diese Mannschaft schlicht nicht auf den Platz bringt, was sie seit Wochen predigt: Dass jeder alles gibt, über 90 Minuten, sowohl puncto Leidenschaft aber auch betreffend Einsatz. Es sind Fragen, die nach dem Spiel keiner beantworten kann. Die aber dringend Antworten benötigen. Denn mit der neuerlichen Niederlage ist der FCB auf Rang 4 abgerutscht.

Die sportliche Misere hört nicht auf, ebenso wenig wie die Debatten um Valentin Stocker, der nun doch nicht im Aufgebot war. Und dann kommt in dieser jetzt beginnenden Nati-Pause auch noch der Showdown um die Besitzerverhältnisse auf den Verein zu. In diesem Chaos muss aufgearbeitet werden, was auf dem Platz schief läuft. Sonst droht dem FCB gar das Verpassen der europäischen Plätze. Aber Chaos, das gehört ja auch längst zum FC Basel.