Rückblende. Es ist der 16. Mai 2010, die Young Boys empfangen den FC Basel zur Finalissima. Scott Chipperfield und Valentin Stocker sorgen mit ihren Treffern für den 2:0-Endstand, den Basler Meistertitel und einen der schwärzesten Tage der jüngeren YB-Geschichte. 13 Punkte betrug der Vorsprung der Berner auf den FCB früher in dieser Saison, die Hoffnungen auf den ersten Meistertitel seit 1986 waren immens.

Sie lasteten fast ausschliesslich auf den Schultern von Seydou Doumbia. Der Ivorer führte YB mit 30 Saisontreffern praktisch im Alleingang an die Tabellenspitze. 30 Tore – eine Marke, die seither in der Super League unerreicht blieb, nicht einmal Alex Frei konnte Doumbia diesbezüglich das Wasser reichen.

Keine Chance gegen Shaqiri: Seydou Doumbia in der Finalissima 2010.

  

Und doch vermochte Doumbia in seiner letzten Super-League-Partie nicht, den Unterschied auszumachen. Der zum Aussenverteidiger umfunktionierte Xherdan Shaqiri nahm YBs Topskorer komplett aus dem Spiel. Doumbias Abgang zum ZSKA Moskau hätte so viel pompöser ausfallen können.

Globetrotter als Embolo-Ersatz

Heute, gut sechs Jahre später, kehrt Doumbia zurück in die Schweiz – keinesfalls pompöser, als er sie verliess. Lange hielten sich die Gerüchte um einen Doumbia-Transfer von der AS Roma zum FCB, doch Genaueres wusste nur die «Gazzetta dello Sport»: Sie kündete den Vollzug auf Montag an. Nichts war zu hören aus Basel. Erst am Dienstagabend bestätigte der Klub: Der Embolo-Ersatz ist in der Person von Seydou Doumbia gefunden.

Seydou Doumbia spielte fünfeinhalb Saisons in Moskau.

Seydou Doumbia spielte fünfeinhalb Saisons in Moskau.



Heimlich fliegt er nach München. Fast schon schüchtern stellt er sich am Buffet im Trainingslager am Tegernsee der FCB-Mannschaft und dem Staff vor. Er, der Goalgetter, dessen Weg ihn von der Heimat Elfenbeinküste über Japan und die Schweiz nach Russland, Italien und England führte und der dabei die Schweiz immer im Herz behielt, soll dem FCB nun zu Erfolgen verhelfen und den zu Schalke 04 abgewanderten Breel Embolo ersetzen.

Angeblich lässt sich der FCB die einjährige Leihe mit Kaufoption stolze zwei Millionen Euro kosten – nun ruhen also die Basler Hoffnungen auf den Schultern des Ivorers. Mit 50 Treffern in zwei Super-League-Saisons, 66 Ligatoren in fünfeinhalb Spielzeiten in Russland und 13 Torerfolgen in der Champions League hat er seine Visitenkarte abgegeben.

Auf Rekordjagd

Die Champions League: der Basler Saisonhöhepunkt schlechthin. Auch sie dürfte für beide Seiten ein wichtiges Argument gewesen sein, den Deal einzugehen. Basel kann auf den erfahrenen Goalgetter bauen, Doumbia im besten Klubwettbewerb Europas spielen. Mit der AS Roma hätte er dies wohl nicht getan. Einerseits, weil die Römer zunächst die Qualifikation überstehen müssen. Andererseits, weil Doumbia beim Klub aus der Ewigen Stadt aufs Abstellgleis geriet.

Bei der AS Roma durfte Doumbia (2. von links) nur selten jubeln.

Bei der AS Roma durfte Doumbia (2. von links) nur selten jubeln.

Nach fünf Jahren in Moskau holte ihn die Roma für 14,5 Millionen Euro nach Italien – einen Ort, wo er nie glücklich wurde. Nur vierzehn Mal liessen ihn die Römer auflaufen, bloss zweimal traf er dabei. Nach Leihgeschäften in Moskau und Newcastle will Doumbia nun beim FCB wieder glücklich werden. Von seinem Ehrgeiz hat er jedenfalls nichts eingebüsst. Auf die Frage nach seinem Saisonziel antwortet er lächelnd: «Warum nicht meinen alten Torrekord brechen?» Wenn das mal keine Ansage ist.