Seitenwagen-Motocross hat in der Schweiz eine ruhmreiche Vergangenheit. Duos wie Grogg/Hüsser, Bächtold/Fuss oder Bollhalder/Büsser haben nebst anderen für WM-Titel respektive Siege und Pokale gesorgt. Einen besonders hohen Stellenwert geniesst der Sport in den Benelux- Staaten. Da gibt es etwa ein Rentner-Quintett aus Holland und Belgien, das an sämtlichen WM-Läufen mit von der Partie ist. Zuletzt waren die «Brumm-Brumm»-infizierten Senioren auch in Roggenburg am Campen. OK-Präsident Hans Jacquemai trifft man während der Veranstaltung guter Dinge: «Seit wir wieder WM-Läufe der Gespanne austragen, ist der Anlass wieder rentabel geworden.» Bis 2011 fanden «nur» Läufe zur Schweizer Meisterschaft statt. Entsprechend stattlich ist der Publikumsaufmarsch an diesem Renntag im Baselbiet.

«Passagiere gefordert wie nie»

Vorab, die Plampis – die Beifahrer also – sind auf der anspruchsvollen Strecke von Roggenburg gefordert. Robbie Bax, Co-Pilot des zehnfachen Weltmeisters Daniel Willelmsen, sagt: «Hier sind die Passagiere gefordert wie nirgends sonst auf der Welt.» Grund: Die Piste in Roggenburg ist schnell, hart und es gibt wenig Anlieger in den Kurven. Der Passagier muss sich während des 30-minütigen Laufs mächtig ins Zeug legen, um eine optimale Traktion zu schaffen.

Autogrammwünsche erfüllt

Bax selbst kam in Roggenburg nicht zum Einsatz. Dies, da sich sein holländischer Pilot am Ostermontag beim WM-Lauf in Frauenfeld verletzt hatte. Willelmsen brach sich fünf Rippen insgesamt zwölf Mal und sein Schlüsselbein hatte nach der Bauchlandung auch schon bessere Tage gesehen. Dennoch war der Star der Szene in der Hügellandschaft des nördlichen Juras mit von der Partie und verteilte Autogramme.

Andy Bürgler souverän

Seitenwagen-Motocross vereint Mut und Athletik sowie Attacke und Feingefühl. Am besten und erfolgreichsten hierzulande driften und springen derzeit die Innerschweizer Andy Bürgler und sein Assistent im Seitenwagen der KTM, Martin Betschart, über die Motocross-Strecken. Das Duo aus dem schwyzerischen Illgau klassierte sich am Heim-GP auf den Rängen 6 und 7. «Mit diesem Resultat dürfen wir zufrieden sein», sagt der 35-jährige Bürgler.

Keine Zeit für andere Hobbys

Umso mehr, als dass die Piste in Roggenburg für Linksausleger-Gepanne, also jene, die den Seitenwagen links mitführen, suboptimal ist. In rechtsabfallenden, gewässerten Kurven ohne Auflieger, wie in Roggenburg gegeben, muss sich der Plampi ganz schön festkrallen, um nicht aus dem Gefährt zu rutschen. Kommt hinzu, dass der WM-Siebte und sein Partner voll berufstätig sind. Bürgler arbeitet als Bauführer und investiert selbstredend seine ganze Freizeit in sein Hobby. Vom Sport leben können nur die Topleute aus Belgien, Holland und inzwischen auch Lettland, welche in Roggenburg standesgemäss obsiegten.

Der Traum vom Sieg

2007 waren Bürgler/Betschart WM-Vierte. Der grösste Erfolg des Duos bislang. Danach zog der Pilot berufsbedingt eine Pause ein, ehe er vor nunmehr vier Jahren wieder auf die staubigen und bisweilen pflotschigen Circuits zurückkehrte. Zu einem WM-Titel, welchen die früheren Schweizer Spitzen-Gespanne auch schon gewannen, wird es Andy Bürgler wohl kaum jemals reichen. Dafür hat sich die Szene zu sehr entwickelt.

Aber: «Einmal einen WM-Lauf zu gewinnen, da würde ich nicht Nein sagen.» Zu einem zweiten Rang hatte es 2007 einst gereicht. Warum nicht nächstes Jahr in Roggenburg ganz zuoberst auf dem Podest stehen?