Die Erleichterung war unendlich gross. Lange Zeit sahen die Handballerinnen von Basel Regio wie der Absteiger aus, im letzten Spiel konnte der Klassenerhalt aber gerade noch realisiert werden. Es war ein versöhnliches Ende einer verkorksten SPL-Saison. «Das Verhältnis zu meinem Vorgänger war nicht das Beste, was zum Abgang wichtiger Spielerinnen führte», erklärt der SG ATV/KV Basel-Trainer Alexander Ernst. Der Deutsche löste Ende März Thomas Mathys als Übungsleiter bei den Baslerinnen ab und schaffte mit dem Verbleib in der höchsten Schweizer Liga «das Unmögliche möglich zu machen.»

Wunschkandidat

Dass sich Ernst mitten in der turbulenten Phase für Basel entschieden hat, hatte mehrere Gründe: «Die Stadt Basel bietet schon aufgrund der geografischen Lage gute Perspektiven. Zudem stimmt das personelle Umfeld, das sind alles Leute, die etwas aufbauen können», sagt der Trainer. Für Sportchef Thomas Waldis war Ernst der Wunschkandidat: «Wir halten schon länger den Kontakt, diesen haben wir dann konkretisiert. Aufgrund seiner Einstellung und dem Fachverständnis ist er der ideale Mann für das Team.» Ernst selber beschreibt sich als offenen Trainer, der die Spielerinnen mit einbezieht. «Die Mädels müssen Freude haben am Handball. Sobald sie die Lust verlieren, hast du als Trainer verloren», so der 38-Jährige.

Neu ist nicht nur das Trainerduo (Maja Sommerlund fungiert als Spieler-Assistenztrainerin), sondern auch der Name SG ATV/KV Basel. «Basel Regio war eine Art Brand-Name. Nun haben wir uns entschlossen, zu den Wurzeln zurück zu kehren», begründet Waldis diesen Entscheid.

Ruhige Saison als Ziel

Mit der bisherigen Vorbereitung ist Ernst den Umständen entsprechend zufrieden. «Wir mussten eine komplett neue Mannschaft aufbauen, das braucht natürlich Zeit. Bis die Automatismen greifen, brauchen wir sicher noch ein paar Wochen. Die Mädels haben aber gut gearbeitet und zeigen grossen Einsatz», so Ernst. Die Abgänge seien gut kompensiert worden, beispielsweise von den Rückkehrerinnen Monika Peika, Kimberly Carmine, Christina Schulz und Simone Schoeffel. Auch von der norwegischen Junioreninternationalen Karoline Voss (20) verspricht sich Ernst viel. «Der Vorstand macht uns keinen Druck, aber die Mannschaft will so schnell wie möglich Platz 6 erreichen – damit hätten wir nichts mit dem Abstieg zu tun», formuliert er das Saisonziel und ergänzt: «Natürlich wollen wir auch ein paar Überraschungen schaffen und die Grossen ärgern. Primär ist aber eine ruhige Saison das Ziel.» Mit der guten Mischung aus jungen und erfahrenen Spielerinnen ist der Cheftrainer zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen.

Der Topfavorit zum Saisonauftakt

Eine erste Überraschung streben die Baslerinnen bereits heute im Startspiel an. Der LC Brühl gilt als absoluter Topfavorit und hat die zwei Punkte gegen Basel fest eingeplant. «Wenn wir aus unserer soliden Abwehr heraus die Angriffe konzentriert fertig spielen und die Chancen eiskalt nutzen, können wir vielleicht die erste Sensation schaffen», zeigt sich Ernst bereits so, wie man ihn in Basel kennt: Ehrgeizig und mit Kampfgeist.