Wasserfahren

Mit Stachel und Ruder in der Strömung

© Martin Toengi

Zwei Birsfelder wollen auf dem Rhein bei Schweizerhalle Schweizer Meister werden.

Die Schweizer Meisterschaften im Paarfahren, die der Wasserfahrverein (WFV) Muttenz am Wochenende auf dem Rhein organisiert, könnte man auch als Baselbieter und Basler Meisterschaften mit ausserkantonaler Beteiligung sehen. Die Hälfte der 30 teilnehmenden Vereine stammt nämlich aus der Region: Neben dem Veranstalter stellt Basel neun, Birsfelden und das Fricktal je zwei Vereine. Insgesamt starten 250 Paare.

Die Nordwestschweiz ist eine Hochburg der Wasserfahrer. «In früheren Jahrhunderten wurden Weidlinge in der Fischerei und als Transportmittel auf vielen Flüssen Europas verwendet, das Wasserfahren ist also der Ursprung der heutigen Rheinschifffahrt», weiss Adrian Lüthi, Vorstandsmitglied des WFV Muttenz und im OK zuständig für die Medien. Diese Tradition hat sich in Basel und Umgebung gehalten. Eine bedeutende Rolle spiele auch der Rhein, erzählt der 30-Jährige weiter, «mit seiner gemächlichen Strömung ist er geeignet zum Wasserfahren».

«Keineswegs am Aussterben»

Der WFV Muttenz, 1995 mit dem Baselbieter Sportpreis ausgezeichnet, hat in der Vergangenheit schon nationale Titelkämpfe im Paarfahren durchgeführt. Alle drei Jahre findet sein Nationales Paarwettfahren statt, jährlich das traditionelle Fischessen, das laut Lüthi stets eine grosse regionale Stammkundschaft anzieht, die morgen und am Sonntag für eine ansehnliche Zuschauerkulisse sorgen soll.

Obwohl der Muttenzer Verein bloss 15 Jungfahrer hat und nach neuem Nachwuchs sucht, ist er gut aufgestellt. 550 Mitglieder zählt er, davon 75 Aktive samt Kampfrichter. «Das Wasserfahren ist zwar nicht sehr verbreitet, aber keineswegs am Aussterben», klärt Adrian Lüthi auf, der am Wochenende auch als Aktiver im Einsatz stehen wird.

Zu den Topfavoriten bei den Aktiven gehören die Brüder Pius und Daniel Forster vom AWS Birsfelden. Die beiden sind routiniert, bis vor kurzem jedoch mit anderen Partnern gestartet. Für die Forsters sind diese Meisterschaften erst der zweite gemeinsame Wettkampf. Dennoch streben sie den Titel an. «Wir wollen die Goldmedaille», meint der 23-jährige Vorderfahrer Pius Forster. Sein 29-jähriger Bruder Daniel, der Steuermann, doppelt nach: «Wir sind ambitioniert und müssen uns dieses hohe Ziel setzen.»

Die zwei Birsfelder haben fast ein Heimspiel. Dort trainieren sie stets auf dem Rhein, wo ähnliche Verhältnisse herrschen wie beim Wettkampfgelände flussaufwärts bei der Schweizerhalle. Die Forster-Brüder, die am Sonntagvormittag starten, hoffen auf gute äussere Bedingungen.

Am Wochenende ermitteln auch die Senioren, Veteranen, Frauen sowie der Nachwuchs in drei Alterskategorien ihre Meister. Der anspruchsvolle Parcours der Aktiven ist so ausgelegt, dass Spitzenpaare dafür rund vier Minuten benötigen. Er besteht aus einer Stachelstrecke dem Ufer entlang und einer Ruderstrecke, bei der die Duos Bojen möglichst schnell und fehlerfrei – ansonsten es Zeitzuschläge gibt – umfahren müssen. Die Paare werden in ihren Weidlingen in Intervallen von zwei Minuten in den Wettkampf geschickt.

«Sie sind naturverbunden, bei jedem Wetter draussen, haben handwerkliches und technisches Flair, sind athletisch und können das Wasser lesen», fasst Adrian Lüthi die Eigenschaften zusammen, die ein Wasserfahrer auszeichnet. Deren grosse Familie hat einen ausgeprägten gesellschaftlichen Zusammenhalt, sodass auch das Gesellige nach dem Wettkampf nicht zu kurz kommt.

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