2:2 gegen YB
Mit Wille und Leidenschaft: So macht der FCB wieder Spass

Der FC Basel zeigt beim 2:2 gegen den alten und bald auch neuen Meister YB, dass 2019 definitiv wieder mit ihm zu rechnen ist.

Jakob Weber
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Impressionen vom Spitzenkampf: Die Mannschaften laufen unter der Choreo der Muttenzerkurve ins Stadion ein.
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Kurz nach dem Anpfiff versuchen beide Mannschaften Druck aufzubauen.
Ein erfolgreiches Gewusel: Aus einer unübersichtlichen Szene vor dem Berner Tor kann Marek Suchy (2.v.r) profitieren und zum 1:0 einnicken.
Da können die Basler Fabian Frei, Eder Balanta und Marek Suchy (v.l.n.r.) noch jubeln...
...kurz vor der Pause dann nicht mehr: Torschütze Jean-Pierre Nsame (l.) und Roger Assale (r.) bejubeln den Ausgleich.
Weniger lange dauert es, bis die Berner 2:1 führen. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte macht sich Jean-Pierre Nsame zum Doppeltorschützen.
Noah Okafor rennt gegen den Rückstand an...
...und trifft zum 2:2. Die Berner bleiben enttäuscht zurück.
David von Ballmoos hält noch den einen oder anderen Ball, ebenso sein Gegenüber im Basler Tor.
YB-FCB (17.03.2019)

Impressionen vom Spitzenkampf: Die Mannschaften laufen unter der Choreo der Muttenzerkurve ins Stadion ein.

Keystone

Diese Szene ist sinnbildlich für den gestrigen Spitzenkampf. Mitte der ersten Halbzeit grätscht FCB-Innenverteidiger Eder Balanta YBs Ngamaleu an der Seitenlinie so den Ball vom Fuss, dass dieser ihn noch berührt, bevor er ins Out geht. Ein paar Meter nebenan ballt Kollege Taulant Xhaka daraufhin beide Fäuste und jubelt fast schon wie bei einem Tor, als der Linienrichter diese knifflige Szene richtig bewertet und mit seiner Fahne einen Einwurf für Basel anzeigt.

1:0 steht es zu diesem Zeitpunkt für den FC Basel, der dieses Spiel – trotz 21 Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter aus der Bundesstadt – angeht, als gäbe es einen Titel zu gewinnen. «Heute war die Tabelle nicht wichtig. Es ging um Ruhm und Ehre», erklärt Xhaka nach dem Spiel. Wie sehr diese Aussage zutrifft, beweist die Stimmung. Schon weit vor dem Anpfiff geben Muttenzerkurve und der gut gefüllte Gästesektor alles, um ihr Team nach vorne zu peitschen.

Die Highlights der Partie im Video:

Doch der Wille und die Leidenschaft auf dem Platz sind bei Xhaka und Co. zu Beginn deutlich grösser. Fast jeder Zweikampf geht an den FCB. In der 17. Minute kommt der mit 1,83 Metern im Vergleich zur YB-Verteidigung doch eher kleine Marek Suchy nach einer Ecke freistehend an den Ball. YB-Goalie von Ballmoos kann dessen Oberarm-Kopfball noch parieren, doch vom Bauch von Aebischer fällt der Ball zum umjubelten 1:0 ins Tor. Das löst in der Muttenzerkurve ein kollektives Hüpfen aus, das minutenlang anhält. Gemeinsam mit dem lautstark aufmunternden YB-Sektor zeigen beide Fanlager – nach den gruseligen Vorkommnissen beim Spiel Sion gegen GC – wie schön eine gesunde Rivalität sein kann.

Basel müsste zur Pause führen

Auch nach dem 1:0 bleibt der FCB das bessere Team. Die YB-Stürmer Assalé und Nsame sehen gegen die aggressive und notfalls gerne auch grätschende FCB-Defensive kein Land. Auf der Gegenseite verballern Silvan Widmer und Ricky van Wolfswinkel zweimal aus ähnlicher Position das mögliche 2:0. Ihr Kopfbälle landen jeweils nicht im Tor.

Dass Rotblau trotz der sehr guten Leistung konsterniert in die Pause trottet, liegt zum einen an der brutalen Effizienz der Berner und zum anderen an Stellungsfehlern und einem Standard, bei dem der FCB zweimal zu spät kommt. Nsame trägt sich in der 41. und 44. Minute als doppelter FCB-Schreck in die Skorerliste ein.

Erst hat YB Glück, dann der FCB

«Wir haben nicht gut gespielt, aber die Dinger sind trotzdem rein», bringt es YBs Christian Fassnacht auf den Punkt. «In der 2. Halbzeit haben wir das Glück aus den ersten 45 Minuten dann aber kompensiert.» Tatsächlich hätte der alte und bald wohl auch neue Meister das Spiel noch gewinnen können. Erst trifft Noah Okafor nach einer kurz ausgeführten Ecke zum hochverdienten 2:2 für den FCB. Der Youngster nimmt einen Klärungsversuch von Camara an und donnert den Ball aus 20 Metern per Vollspann in die linke untere Ecke. Doch dann erwacht YB. Gleich viermal kommen die Berner gefährlich vors FCB Tor. Erst rettet Omlin gegen Benito, dann zweimal die Latte und einmal das Unvermögen von Fassnacht.

«Wir haben ein abwechslungsreiches Spiel gesehen, in dem beide Teams einen enormen Aufwand betrieben haben. Das war Werbung für den Schweizer Fussball», bilanziert Koller. Spätestens in der kommenden Saison soll es beim nächsten YB-Gastspiel im Joggeli dann nicht mehr nur um Ruhm und Ehre, sondern auch wieder um den Platz an der Tabellenspitze gehen.

Die Noten zum Spiel:

Jonas Omlin: 4,5 Sieht beim 0:1 unglücklich aus, weil der Ball nahe vor ihm vorbeirollt. Aber was hätte er tun können? Starker Reflex nach Benitos Kopfball.
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Silvan Widmer: 4 Sehr unternehmungsfreudig, aber nicht immer reicht die Zeit, um auf seiner Position wieder konzentrierte Defensivarbeit zu verrichten.
Marek Suchy: 3,5 Mit seinem Oberarm am 1:0 beteiligt, ist bei beiden Gegentoren aber nicht ohne Schuld. Noch nicht auf seinem früheren Niveau.
Eder Balanta: 4 Ein Turm in der Brandung ist auch er nicht. Manchmal verliert er die Übersicht, wenn es beim Gegner schnell geht. Hat eine gute Chance zum 3:2.
Blas Riveros: 4 Versucht mit eifrigem Spiel nach vorne nicht ganz erfolglos seine Chance zu nützen. Ist vor dem 1:1 aber viel zu weit weg vom flankenden Assalé.
Taulant Xhaka: 5 Gewinnt die Zweikämpfe, die er gewinnen muss. Auch dank ihm kann sich der Berner Regisseur Sow nicht wunschgemäss entfalten.
Fabian Frei: 4,5 Was bedeutet es, selten im Brennpunkt zu stehen? Die Antwort: Seine Vorstellung ist mannschaftsdienlich, aber nicht sonderlich kreativ.
Noah Okafor: 5 Ohne grosse Szenen, bevor er nach der Pause dank guter Schusstechnik aus 18 Metern zum 2:2 trifft – und danach fast noch zum 3:2.
Luca Zuffi: 5 Seine ruhenden Bälle sind eine Waffe. Er ist ein kluger Ballverteiler, wirkt vor dem 1:2 von Nsame aber doch etwas desorientiert.
Valentin Stocker: 4,5 Bestätigt, 2019 ein anderer Stocker zu sein als 2018. Wieder gallig wie einst im Frühling. Doch eine entscheidende Aktion hat er nicht.
Ricky van Wolfswinkel: 3,5 Müsste seine frühe Kopfballchance verwerten. Müsste nach der Flanke vor dem 1:2 enger bei Assistgeber Camara stehen.
Samuele Campo: 4 Kommt nach 71 Minuten für Frei. Grossen Einfluss aufs Spiel nimmt er aber nicht, die erhofften Impulse bleiben somit aus.
Albian Ajeti: Note Erscheint überraschenderweise erst eine Minute vor Schluss für Okafor. Hat gleich eine Torszene, ist aber zu kurz im Spiel für eine Benotung.

Jonas Omlin: 4,5 Sieht beim 0:1 unglücklich aus, weil der Ball nahe vor ihm vorbeirollt. Aber was hätte er tun können? Starker Reflex nach Benitos Kopfball.

ho

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