Mohamed Elyounoussi und der vergangene Herbst sind keine dicken Freunde. In Erinnerung geblieben ist vor allem eine Szene aus der Champions League: Der Basler Offensivspieler kommt in zentraler Position zehn Meter vor dem Tor frei zum Schuss, scheitert aber am glänzend reagierenden Goalie. «Ich hätte der Held sein können», sagte der Norweger später zerknirscht.

Wäre ihm in jener 76. Minute in Sofia der Siegtreffer gegen Ludogorez Rasgrad gelungen, hätte er dem FC Basel das Überwintern in der Europa League beschert. Weil der Unglücksrabe den Ball jedoch nicht an Vladislav Stojanov vorbeigebracht hatte und es schliesslich beim 0:0 blieb, muss der Schweizer Meister nun nach der Winterpause für einmal am Fernsehen zuschauen, was sich in den kommenden Monaten auf der internationalen Bühne ereignet.

Matias Delgado über den Entscheid für die Vertragsverlängerung.

Matias Delgado über den Entscheid für die Vertragsverlängerung.

Und weil der 22-Jährige in seinen ersten 21 Pflichtspieleinsätzen für den FCB in Meisterschaft, Champions League und Cup trotz einem Strauss voller Torchancen nur bescheidene drei Tore zustande gebracht hatte, haftete ihm nach dem ersten halben Jahr in Rot-Blau der Makel an, kein kaltblütiger Angreifer zu sein. Gefährlich zwar, aber zu wenig abgebrüht halt.

Vielleicht hat Elyounoussi in den Weihnachtsferien irgendwo an einem Strand im fernen Süden ein Tor aufgestellt, einen Torhüter engagiert und unermüdlich den Abschluss trainiert. Möglicherweise nun aber einfach auch plötzlich jenes Glück gehabt, das ihm bisher beim FCB gefehlt hatte. Denn gleich im ersten Spiel nach der Winterpause ist Elyounoussi explodiert, ist es ihm gelungen, sein Image kräftig zu korrigieren. Auch wenn natürlich eine Schwalbe – sprich: drei erzielte Tore beim 4:0 über Lugano − noch keinen Sommer macht.

«Ich hätte in der Vorrunde einige Tore mehr schiessen müssen. Jetzt habe ich in einer einzigen Partie mein Torkonto verdoppelt. Das gibt natürlich Selbstvertrauen», sagte ein glücklicher Elyounoussi nach der Gala.

Dass er überhaupt die Möglichkeit dazu erhalten hatte, verdankt er gewiss auch dem Abgang von Birkir Bjarnason in die Championship zu Aston Villa, dessen Platz er nun einnehmen durfte. «Birkir ist ein guter Freund. Aber natürlich gibt mir sein Transfer die Chance, mehr Spielpraxis zu bekommen. Es liegt an mir, sie zu nützen und dem Trainer zu zeigen, dass ich es verdiene, aufgestellt zu werden», sagte Elyounoussi.

Matias Delgado: «In den Ferien entschied ich mich weiter zu spielen.»

Matias Delgado: «In den Ferien entschied ich mich weiter zu spielen.»

Der angesprochene Urs Fischer sagte, dass er sich unheimlich für seinen Spieler freue. «Vielleicht sind diese drei Tore genau das, was er gebraucht hat. Er ist ja auch schon vorher zu vielen Chancen gekommen, weil er konsequent jene Wege geht, die ihm diese Tormöglichkeiten überhaupt erst eröffnen», sagte Fischer. «Vielleicht hat auch geholfen, dass mein Assistent Markus Hoffmann mit ihm vor dem Spiel noch ein zusätzliches Training vor dem Tor durchgeführt hat.»

Der vierte Hattrick

Natürlich musste Elyounoussi nach seiner Triplette am späten Samstagabend noch in seinen Erinnerungen kramen. Da er schon mit 16 Jahren und neun Monaten für Sarpsborg 08 in der höchsten norwegischen Liga sein Profidebüt gegeben hatte, kommen bereits einige Karrierejahre zusammen. «Ich glaube, das war der vierte Hattrick in meiner Laufbahn», sagte Elyounoussi. «Zwei davon waren ebenfalls richtige Hattricks – also ein Tor mit links, eines mit rechts und eines mit dem Kopf.»

Möglicherweise sind dies in seiner Heimat die Kriterien dafür. In unseren Gefilden dagegen spricht man von einem «echten» Hattrick, wenn ein Spieler in einer Halbzeit drei Tore hintereinander erzielt, ohne dass ein anderer Akteur dazwischenfunkt. Und weil Elyounoussi gegen die harmlosen Luganesi nach 2, 23 und 36 Minuten traf und für die beruhigende 3:0-Pausenführung sorgte, ist er seit Samstag eben ein «echter» Hattrickschütze.

In Norwegen waren ihm zwar einst mal drei Tore innerhalb von neun Minuten geglückt, aber dies geschah in der zweiten Liga; und bei den beiden anderen Hattricks für Molde in der höchsten Spielklasse gab es eine Halbzeitpause dazwischen.

Wie dem auch sei. «Man hat heute gesehen, welch guten Teamspirit wir haben», sagte Elyounoussi. «Ich bin sehr glücklich. Zwar habe ich mein Trikot verschenkt, den heutigen Abend werde ich aber ohnehin nie vergessen.