Nämlich den Frust gar nicht zulassen. Am Tag nach der ersten Enttäuschung als FCB-Trainer sitzt der Portugiese vor den Journalisten und versprüht wie eh und je Optimismus. Er spricht von Entscheidungen, die manchmal richtig, manchmal falsch seien. Vom Prozess, der immer noch in der Anfangsphase sei und in dem Rückschläge normal seien.

Davon, dass St. Gallen sehr gut verteidigt und dass es seiner Mannschaft an Genauigkeit und Tempo gemangelt habe. Und dass der Fokus nun voll auf dem Spiel am Sonntag in Sion liege. Kurz: Detailliertere Erkenntnisse als die Analyse kurz nach dem Schlusspfiff gibt Sousa auch am Tag danach nicht preis.

27 Spieler sind kein Problem

Interessanter wird es erst, als die Runde auf das grosse Gedränge im Kader zu sprechen kommt. Es sei kein Problem, so Sousa, 27 Spieler zu führen und bei Laune zu halten. Knallhart sagt er: «Die Spieler sind Profis, sie müssen Entscheidungen akzeptieren. Wer nicht mehr zufrieden ist, kann mit uns reden. Wir finden für jeden eine passende Lösung.»

Und weiter: «Es ist wie in jedem anderen Job auch: Wenn dir ein anderer vor der Nase steht, musst du kämpfen und zeigen, dass du besser bist. Sonst bist du raus!» Wer spiele, entscheide sich in den Trainings. «Wenn ich bei einem den Hunger nicht spüre, dann ist er nicht auf der Liste.»

Als Psychologe gefragt

Noch ist die Ära Sousa jung, noch ziehen die Spieler im Training voll mit. Doch auf Dauer wird bei den wenig Berücksichtigten oder bei denen, die sich falsch aufgestellt fühlen, Unzufriedenheit aufkommen. Und Paulo Sousa als einfühlsamer Psychologe gefragt sein. Matias Delgado sagt: «Es ist nicht einfach, klar. Wer im Training nicht 100 Prozent gibt, wird von der Liste gestrichen. Aber so haben wir ein hohes Niveau im Training.»

Das einzig Gute an der Niederlage gegen St. Gallen: Sousa und sein Team können schon morgen im Wallis beweisen, dass das 0:2 nur Blechschaden und keinen Motorschaden verursachte. Der gegen die Ostschweizer schmerzlich vermisste Marco Streller kehrt zurück. Zudem dürften Shkelzen Gashi, Marcelo Diaz und Philipp Degen wieder in der Startformation stehen.

Was ist mit Walter Samuel?

Ein Rätsel bleibt der Zustand von Walter Samuel: Woche für Woche sagt Sousa, der Argentinier habe voll trainiert und habe wie alle anderen Chancen auf einen Einsatz. Dass der 36-jährige Innenverteidiger aber bisher noch nie im Aufgebot stand, deutet auf einen grösseren Fitnessrückstand als erwartet hin.

Sousa kann es egal sein: Alternativen stehen ihm genügend zur Verfügung. Und solange Samuel nicht fit ist, muss er einen Spieler weniger bei Laune halten.