FC Basel Pro und Kontra
Nach der 2:4-Niederlage gegen YB: Muss Sousa jetzt wieder rotieren?

Beim 2:4 gegen YB klappte beim FCB hinten und vorne nichts. Muss Trainer Paulo Sousa jetzt wieder rotieren? Oder die Mannschaft weiter einspielen lassen für das Champions-League-Rückspiel gegen Porto am 10. März?

Georges Küng und Patrick Bieli
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Soll FCB-Trainer Paulo Sousa (links) nun wieder vermehrt rotieren?

Soll FCB-Trainer Paulo Sousa (links) nun wieder vermehrt rotieren?

Keystone

Das Pro von Patrick Bieli:

Patrick Bieli

Patrick Bieli

Nordwestschweiz

Frische Kräfte haben eine Chance von Beginn weg verdient

Zieht man eine Zwischenbilanz nach den ersten vier Pflichtspielen, die der FC Basel in diesem Jahr bisher bestritten hat, dann fällt diese ziemlich durchzogen aus. Der 4:2-Rückrundenauftaktsieg gegen die Grasshoppers Zürich kam weniger aufgrund einer spielerischen Überlegenheit, sondern vor allem dank einer sehr effizienten Chancenauswertung zustande. Gegen den FC Sion agierte der FCB in der ersten Halbzeit erstaunlich schwach, erkämpfte sich in Unterzahl dann aber immerhin noch ein 1:1-Remis. Das gleiche Resultat erzielte er auch im Champions-League-Heimspiel gegen den FC Porto. Dieses ist in Anbetracht der immensen Spielstärke der Portugiesen zwar positiv zu werten. Allerdings verzeichneten die Basler – abgesehen vom Führungstreffer – keine einzige hochkarätige Torchance. Endgültig über die Bücher sollte der FC Basel aber nach der 2:4-Niederlage am letzten Sonntag gegen die Berner Young Boys. Es ist das erste nationale Spiel mit vier Gegentreffern seit der 1:4-Pleite gegen den FC Luzern im August 2010.

Ein Vergleich der Startaufstellung mit derjenigen aus dem Porto-Spiel zeigt, dass Trainer Paulo Sousa nicht mehr so stark rotieren lässt wie noch während der Vorrunde. Dass Fabian Schär, der die Champions League-Partie aufgrund einer Gelbsperre verpasste, gegen YB wieder in die Startelf rückte, lag genauso auf der Hand, wie dass Germano Vailati den gesperrten Tomas Vaclik vertrat. Die einzige nicht unumgängliche Rotation war diejenige, dass Philipp Degen in der Aussenverteidigung den in das defensive Mittelfeld vorrückende Taulant Xhaka ersetzte und Mohamed Elneny auf der Bank Platz nehmen musste. Die Offensivabteilung blieb unverändert und sehr blass. Es stellt sich die Frage, warum Sousa offensichtlich müden Spielern wie Derliz Gonzalez, Marco Streller oder Taulant Xhaka keine Pause gönnte. Insbesondere in Anbetracht der individuellen Klasse von Spielern wie Breel Embolo, Matias Delgado, Ahmed Hamoudi oder Yoichiro Kakitani, die nur eingewechselt wurden (Embolo), gar nicht zum Einsatz kamen (Delgado) oder nicht einmal im Aufgebot standen (Hamoudi und Kakitani). Sie alle hätten eine Chance von Beginn weg verdient gehabt und mit Sicherheit für frischen Wind gesorgt.

Jedenfalls ist darauf zu hoffen, dass Sousa in den verbleibenden drei Spielen bis zum Rückspiel gegen Porto den einen oder anderen seiner Stammelf schonen wird und die Spieler der starken zweiten Garde wieder vermehrt zum Einsatz gelangen werden.

Das Kontra von Georges Küng:

Georges Küng

Georges Küng

Nordwestschweiz

Kein Grund zum Rotieren – und zur Panik

Drei Wettkampf-Spiele ohne Sieg (verbunden mit der sonntäglichen Niederlage in Bern gegen die Young Boys) sind beim FC Basel unüblich und lösen bei einem Grossteil der Anhängerschaft bereits überhitzte Reaktionen aus.

FCB-Cheftrainer Paulo Sousa wurde in den ersten Monaten seiner Amtszeit heftig kritisiert, teils sogar angefeindet, weil er nach jedem Spiel die Anfangsformation gehörig durcheinander wirbelte, was man im Fachjargon „Rotationen“ nennt.

Im Spätherbst 2014 und zu Beginn dieses Jahres hat sich so etwas wie eine „Anfangself“ herauskristallisiert. Der Grund hiefür ist logisch: Im Laufe der Monate hat Sousa das übergrosse Kader bereinigt. Ein Trio (Diaz, Serey Die und Sio) wurde ins Ausland verkauft, ein anderer (Naser Aliji) an den FC Vaduz ausgeliehen.

Diese Straffung ist sowohl Bekenntnis wie auch ein Vertrauensbeweis zum aktuellen Personal, das nun klare Hierarchien aufweist. Denn Sousa weiss genau, „dass im Fussball alle Entscheidungen im Frühling, und nie zu Beginn einer Spielzeit, fallen“. Als Sousa im Spätherbst, primär in den UEFA-Champions-League-Partien gegen Liverpool sowie in den Spitzenkämpfen gegen den FC Zürich und YB, kaum wechselte und so etwas wie eine Stammformation präsentierte, wurde der Portugiese mit Lob überschüttet.

Nur ein paar Wochen später soll – wieder – alles falsch sein? Dabei hat der FCB „nur“ ein Spiel auswärts gegen den stärksten Verfolger, der zudem wegen des Kunstrasens besonders heimstark ist (Ausnahme auf europäischen Parkett…), verloren. Ärgerlich der Punktverlust gegen Sion, wobei die Walliser sich substanziell klar verbessert haben und nicht mehr jene desolate Equipe von der Vorrunde sind. Und in der Champions League verkennen viele, dass der FC Porto seit Jahrzehnten eine fixe europäische Grösse ist, so dass zumindest das Resultat als gut zu werten ist.

Erst wenn Basel die beiden nächsten, auf dem Papier leichten Heimspiele gegen Vaduz und Thun nicht gewinnt, darf das Festhalten an der Stammelf zu einem Thema werden. Vorher nicht!