Mit hängenden Köpfen schleppen sich die FCB-Stars angeführt von Vize-Captain Michael Lang zu den Fans im Gästesektor. Wie eine Gruppe von Schulbuben, die antraben, um sich von ihrem Lehrer den Kopf waschen zu lassen, weil sie etwas verbockt haben. In Erwartung einer Standpauke. Was auch immer für Worte fallen, lange dauert der Austausch nicht, dann feuern die Fans ihr Team wieder an. Lautstark.

Die FCL-Fans reagieren mit Pfiffen auf die Basler Anfeuerungsrufe. Derweil trotten Lang & Co. Richtung Katakomben. Es scheint, als hingen die Köpfe noch tiefer, als wäre die Schwerkraft heute stärker, als hätten sie die frenetischen Fans gar nicht gehört, als helfe in diesem Augenblick nichts mehr.

Sie tun es nicht. 0:1 verliert der FCB in Luzern. Es ist die dritte Niederlage im vierten Meisterschaftsspiel 2018. Zeitgleich gewinnt YB zu Hause gegen GC souverän mit 3:1. Der Vorsprung der Berner wächst auf 17 Punkte an, was noch immer deren 11 entspräche, wenn der FC Basel seine zwei Nachtragsspiele gegen Lausanne und den FC Zürich (sofern nicht völlig überraschend auf 3:0-Forfait für den FCZ entschieden würde) gewinnen sollte.

Als wäre Manchester ein Traum

Fabian Frei sagt: «Der Rückstand auf YB spielt momentan keine Rolle. Nach drei Niederlagen wäre es vermessen, irgendwelche Ansprüche zu stellen. YB hat dieses Jahr sieben Spiele gemacht und siebenmal gewonnen. Das zeigt, dass dieses Team sehr viel Qualität hat und zu Recht dort oben steht.» Oder Michael Lang: «Wenn wir solche Spiele nicht gewinnen, werden wir nicht Meister. So einfach und so bitter ist es leider.» Entwaffnend ehrliche Worte. Das wars! – das schwingt in diesen Worten mit. Dabei betrug der Rückstand noch vor sechs Wochen deren zwei Punkte.

Die Krise in der Liga setzt sich fort, als hätte es diese Sternennacht in Manchester nur in den Träumen gegeben. Dieser Exploit der Basler Sonderklasse, dieser 2:1-Sieg im Etihad Stadium, wo City zuvor während 36 Spielen unbezwungen war. Man hoffte, den Schwung aus dem Triumph gegen Pep Guardiolas Übermannschaft mitnehmen zu können in die Meisterschaft.

«Die Voraussetzungen waren ganz anders. Gegen City hatten wir vielleicht 25 Prozent Ballbesitz, heute 70. Letztlich ist es einfacher, zu verteidigen, als anzugreifen. Und der Platz hat das schnelle Kombinieren nicht gerade erleichtert», sagt Trainer Raphael Wicky.

«Gut verteidigen, ist einfacher, als gut anzugreifen»

«Gut verteidigen, ist einfacher, als gut anzugreifen»

Trainer Raphael Wicky nach der FCL-Niederlage.

Er will das nicht als Ausrede verstanden wissen. Vielmehr ist es ein Erklärungsversuch für das eigentlich Unerklärliche. Oder wie es Lang sagt, als er nach den Gründen der Niederlage gefragt wird: «Es will einfach nicht sein. Wir sind zu wenig zwingend. Es ist wirklich sehr schwer zu erklären.»

Der tiefe Boden spielte dem FCB mit Sicherheit nicht in die Karten. Das anerkannte sogar Gerardo Seoane, seit sechs Spielen FCL-Trainer und noch unbezwungen (holte gegen den FCB den vierten Sieg!): «Das schwere Terrain ist unserer Taktik sicher entgegengekommen.» Und dann fügt er an: «Aber wir sind derzeit auch einfach unglaublich effizient.»

Michael Lang nach dem 0:1 in Luzern

Michael Lang nach dem 0:1 in Luzern

«Bei der Rückrunde darf man nicht vom Meistertitel sprechen»

Ganz im Gegensatz zum FCB. Vor Jonas Omlin wird es nur zweimal wirklich gefährlich, aber erst haut Ricky van Wolfswinkel aus kürzester Distanz drüber («Der war nicht so einfach», sind sich Wicky und Lang einig) und dann kann Lang einen Abpraller des FCL-Goalies nicht ausnutzen.

Und dann wird Captain Marek Suchy in der Nachspielzeit auch noch mit Gelb-Rot des Feldes verwiesen. Ein weiteres Sinnbild für dieses Spiel, ja, diese Meisterschaft. Das wars. Der Titel ist weg. Jetzt muss man das Beste daraus machen. Nach vorne schauen. Auch wenns schwer ist.