Ungerechtfertigt

Nach fristloser Entlassung: Beni Huggel holt seinen letzten Sieg als Trainer vor Bundesgericht

Benjamin Huggels Entlassung als Trainer beim FC Black Stars war ungerechtfertigt. Das urteilt das Bundesgericht.

Benjamin Huggels Entlassung als Trainer beim FC Black Stars war ungerechtfertigt. Das urteilt das Bundesgericht.

Die fristlose Kündigung von Benjamin Huggel als Trainer des FC Black Stars Basel im Februar 2016 war ungerechtfertigt. Der TV-Experte erhält deshalb eine Entschädigung von drei Monatslöhnen. Dies hat das Bundesgericht entschieden.

Als Fussballer hat Benjamin Huggel Grosses erreicht: Sieben Mal Schweizer Meister, fünf Mal Cupsieger. Dazu die unvergesslichen Abende in der Champions League und 41 Einsätze in der Schweizer Nationalmannschaft. Als Trainer war dem heute 40-jährigen Münchensteiner jedoch keine grosse Karriere beschieden.

Nach seinem Rücktritt 2012 war Huggel im Nachwuchs des FC Basel tätig. Danach wechselte er mit Alex Frei zum FC Luzern und war dort für die Juniorenabteilung verantwortlich. Im Sommer 2015 schliesslich übernahm Huggel beim Basler Erstligisten FC Black Stars erstmals eine Mannschaft. Der Club gilt als Schleudersitz für Trainer.

Engagiert war Benjamin Huggel bei seinem Einstand als Trainer.

Engagiert war Benjamin Huggel bei seinem Einstand als Trainer.

Auch bei Huggel ging es nicht lange gut. Vor allem mit dem Sportchef Peter Faé kam es offenbar zu Reibereien. Im Frühjahr 2016 eskalierte die Situation. Huggel forderte per SMS mehrfach ein klärendes Gespräch. Sportchef Faé vertröstete ihn. Schliesslich teilte er Huggel mit, er habe keine Zeit und keine Lust mehr auf eine Sitzung mit ihm und forderte ihn auf, sich schriftlich zu melden, wenn er ihm etwas mitteilen wolle.

Huggel schrieb zurück: «Das nehme ich zur Kenntnis. Dann teile ich dir mit, dass ich bis zu unserer Sitzung keine Trainings mehr leisten werde.» Wenige Stunden später antwortete Faé – wieder per Mail – das Training der Mannschaft werde ab sofort von jemand anderem geleitet. Tatsächlich zauberte der Sportchef bereits am gleichen Tag einen Nachfolger für Huggel aus dem Hut.

Beschwerde abgewiesen

Gegenüber den Medien begründete Faé die fristlose Entlassung mit «Arbeitsverweigerung». Huggel zog sich aus dem Fussballgeschäft zurück. Er ist zwar noch als Experte am Fernsehen zu sehen, aber mit seiner Trainerkarriere hat er abgeschlossen. Daneben baut er ein selbstständiges Unternehmen auf: Huggel bietet sich an für Coachings, Referate oder die Begleitung von Kundenanlässen.

Benjamin Huggel als Co-Kommentator beim SRF.

Benjamin Huggel als Co-Kommentator beim SRF.

Doch sein Engagement beim FC Black Stars hatte noch ein Nachspiel: Huggel klagte seinen Ex-Verein ein. Er forderte rund 43'500 Franken, die er vom Fussballclub noch zugute habe. Ein Schlichtungsverfahren blieb erfolglos.

An der Hauptverhandlung vor dem Zivilgericht vom Februar 2015 tauchte jedoch niemand vom Club auf. Sportchef Faé stellte sich – ohne anwaltliche Vertretung – auf den Standpunkt, dass für die Beurteilung dieser Frage die Kontroll- und Disziplinarkommission des Schweizerischen Fussballverbunds (SFV) und zweitinstanzlich der Internationale Sportgerichtshof in Lausanne zuständig sei. Tatsächlich enthielt der Arbeitsvertrag eine entsprechende Klausel. Und Huggel war parallel auch beim SFV vorstellig geworden.

Das Basler Gericht entschied allerdings, dass für die von Huggel eingeklagten Ansprüche diese Schiedsklausel keine Gültigkeit habe. Auch sonst erhielt der geschasste Trainer vollumfänglich recht. Allerdings reduzierte das Gericht seine Forderungen: Rund 25'000 Franken Schadenersatz plus eine Entschädigung von 12'000 Franken – umgerechnet drei Monatslöhne – sprach das Gericht Huggel zu.

Faé legte Beschwerde ein. Er bestritt weiterhin, dass das Zivilgericht zuständig für die Beurteilung war. Das Bundesgericht schmetterte seine Einwände jedoch vollumfänglich ab, wie aus einem am Freitag publizierten Urteil hervorgeht. Die fristlose Kündigung von Huggel sei ungerechtfertigt gewesen.

Sein Mail könne nicht als Arbeitsverweigerung interpretiert werden. Zumal er ja entlassen wurde, bevor überhaupt ein Training ausgefallen ist. «Dem Arbeitgeber hätten mildere Massnahmen zur Verfügung gestanden», so das Bundesgericht. «Er hätte in erster Linie das Gespräch suchen müssen.» Faé und sein Anwalt wollten am Freitag das Urteil nicht kommentieren. Huggel meinte nur: «Das ist selbsterklärend.»

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