Die letzte Dragster-Rennsaison hat sich der Hersberger sicherlich anders vorgestellt. In einem Rennen ist Noah Stutz dreimal der Motor explodiert. Danach war das Jahresbudget des 19-Jährigen aufgebraucht. Umso mehr brennt Stutz auf die anstehende Saison, welche am 28. Mai in Santa Pod England startet. «Der Winter war extrem lang, es kribbelt schon langsam», sagt Stutz, welcher derzeit am Vorbereitungsrennen, welches ebenfalls in Santa Pod stattfindet, sein neues Material testet.

Podestplatz im Visier

Trotz des vorjährigen Dämpfers lässt sich der Senkrechtstarter im Dragster-Business nicht aus der Ruhe bringen. Dementsprechend frech formuliert Stutz seine Zielsetzung für die anstehende Europameisterschaft, die in sechs Rennen aufgeteilt ist: «Am Saisonende möchte ich auf dem EM-Podest stehen. Dafür muss dieses Jahr natürlich alles zusammenpassen.» Pluspunkte gegenüber seiner Konkurrenz hat der junge Baselbieter in der Reaktion, aber auch in der Motivation des gesamten Teams. «Bei uns arbeitet die Crew aus Freude. Sie verdienen keinen Rappen und müssen sogar noch Ferien beziehen, um an die Rennen zu kommen. Diese Leidenschaft ist ein grosser Vorteil», sagt Stutz - nicht ohne Ehrfurcht vor dieser Opferbereitschaft.

Der Traum von der USA

Stutz selber schliesst diesen Sommer seine KV-Lehre ab. Danach konzentriert sich das Dragster-Talent auf die Verwirklichung seines Traumes: einer grossen USA-Karriere. «In den Staaten ist nicht nur alles zwei Zehntel schneller, die ganze Strahlkraft von Dragster ist unglaublich. Alleine am Fernsehen schauen bis zu 14 Millionen Zuschauer zu, dort ist Beachtung ist wesentlich grösser als diejenige der Formel 1», weiss Stutz.

Noch fehlen 25000 Franken

Um ein Teil dieses Spektakels zu werden, warten auf Stutz jedoch noch einige Hürden. Einerseits fehlen dem 19-Jährigen noch rund 25 000 Franken, andererseits muss Stutz die Lizenzprüfung bestehen. Dafür reist der Hersberger, sofern das fehlende Kleingeld organisiert werden kann, im Oktober nach Las Vegas. «Damit ich die Lizenz bekomme, muss ich die 330 Meter lange Strecke in 4,3 Sekunden hinter mich bringen», so Stutz. Mit seiner sympathischen Unbekümmertheit schiebt Stutz gleich hinterher: «Danach werde ich auch im Oktober in Vegas das letzte Rennen der US-Dragstersaison bestreiten, sofern ich die Lizenz bestehe.»

Spitze ist eng beisammen

Bis es soweit ist, muss sich Stutz zuerst in Europa beweisen. Die Spitze ist sehr nah zusammen, doch der KV-Lernende ist sich sicher, dass in den sechs EM-Rennen alles möglich ist. Wertvolle Tipps erhält Stutz von seinem Teamkollegen und Idol, dem 52-jährigen Dragster-Übervater und sechsfachen Europameister Urs Erbacher. Obwohl die beiden Schweizer nun Konkurrenten sind, würde sich auch Erbacher über eine grosse Karriere seines «Ziehsohnes» sehr freuen. Vielleicht erlebt Erbacher bereits dieses Jahr die Geburt des nächsten Dragster-Superstars.