Handball
Nach RTV-Unentschieden: «Wir haben ganz klar einen Punkt verloren!»

Zum Saisonauftakt trennten sich der RTV Basel und der HC Kriens-Luzern mit einem 27:27 (15:12)-Remis. Rares Jurca ist aber überzeugt: «Da ist noch Luft nach oben!»

Georges Küng
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Der Basler Florian Goepfert erzielt ein Tor gegen die Krienser Luca Spengler (links) und Fabio Baviera.

Der Basler Florian Goepfert erzielt ein Tor gegen die Krienser Luca Spengler (links) und Fabio Baviera.

Gerogios Kefalas

«Wir haben ganz klar einen Punkt verloren». Keine 30 Sekunden nach Abpfiff beantwortete Florian Goepfert die Frage des leidenschaftlichen Match-Speakers, ob «der RTV nun einen Punkt gewonnen oder doch nicht eher einen Zähler verloren habe» in aller Deutlichkeit und Überzeugung.

Auch Klub-Präsident Alex Ebi, welcher die letzten fünf Minuten mitfiebernd hinter der Basler Spielerbank verfolgt hatte, glaubte, «dass wir diesen Match hätten gewinnen müssen. Wir führten ja zweimal mit vier Toren Vorsprung. Ich habe also ein lachendes und weinendes Auge», so der frühere Internationale. Und monierte, dass «wir die letzten zehn Minuten ja immer in Unterzahl spielen mussten».

Ja, der Gastgeber darf sich als moralischer Sieger sehen. Der Liga-Neuling ist breiter (!) aufgestellt (RTV-Trainer Silvio Wernle setzte bis zur 34. Minute alle zwölf eingeschriebenen Akteure ein), hatte ein kleineres Leistungsgefälle als der Widersacher aus der Innerschweiz – und hätte den Vergleich doch verlieren können. «Oder müssen», wie die Handvoll Gäste-Anhänger meinten.

Denn 20 Sekunden vor Abpfiff startete Kriens-Luzern seinen letzten Angriff. Rares Jares beging wenig später ein Foul und wurde für sein resolutes Zupacken mit der dritten Zwei-Minuten-Strafe (Restausschluss) bedacht. Doch die Innerschweizer konnten die Überzahl nicht ausnützen, Peter Schramm setzte seinen Wurf nach 59 Minuten und 59 Sekunden ins Aussennetz.

Ein starker Rückhalt

Nach 93 Sekunden gelang dem Schweden Dick Hylken, der jeweils zu Beginn beider Halbzeiten vom Kreis traf, das erste Nationalliga-A-Tor des Traditionsvereines. Und nach 160 Sekunen glückte RTV-Schlussmann Sebastian Ullrich die erste (von vielen folgenden) Paraden. Damit setzte der Deutsche ein starkes Zeichen – und war seiner Mannschaft ein starker Rückhalt und bewies, dass er den Vergleich mit Torhüter-Legende und RTV-Symbolfigur Pascal Stauber nicht zu scheuen braucht.

Namentlich in den ersten 30 Minuten zeigte Basel eine starke Leistung. Klub-Exponenten und langjährige Matchbesucher sprachen in der Pause vom «besten RTV der letzten zehn Jahre». Vor allem in der Abwehr überzeugte die flache 6:0-Deckung. In der Mitte gab es für die Gäste gegen die drei Zweimeter-Männer Max Dannemeyer, Henry Martinez und Rares Jurca kein Durchkommen.

Kriens-Luzern kann seine bescheidene Darbietung vielleicht mit dem Ausfall von Nationalspieler Daniel Fellmann erklären. Der Teamcaptain erlitt eine Hirnerschütterung nach acht Minuten und musste vier Minuten später («es drehte sich alles, ich war völlig orientierungslos») das Feld verlassen. Damit waren die Zentralschweizer ihres Denkers, Lenkers und Topskorers «beraubt».

Viel Luft nach oben

Wer als dritten Bankspieler einen kroatischen Auswahlspieler (Bruno Kozina) und als vierten «Ersatzmann» den ehemaligen Nationalspieler Marko Vukelic bringen kann, hat viel Potenzial. «Und Luft nach oben. Es war das erste Wettkampf-Spiel. Wir werden von Spiel zu Spiel besser», meinte und versprach der 130-fache rumänische In- ternationale Jurca. Oder anders gesagt: Der Ligaerhalt ist (zurecht) das offizielle Saisonziel. Aber dieser RTV 1879 Basel darf auch mit Rang 6, oder der Finalrunde, flirten.

RTV 1879 Basel – HC Kriens-Luzern 27:27 (15:12)

Sporthalle Rankhof. – 550 Zuschauer. – SR: Brunner/Salah. – Torfolge: 0:1, 2:2, 2:4, 4:5, 8:5 (13.), 9:7, 11:7, 13.11, 15:12; 17:13 (33.), 18:18 (40.), 22:20, 23:22 (53.), 25:23, 26:25 (59.), 27:27. – Strafen: 8mal 2-Minuten gegen den RTV Basel (darunter Restausschluss für Jurca in der 60. Minute), 4mal 2-Minuten gegen Kriens-Luzern.

RTV Basel: Ullrich (Steiner; für einen Siebenmeter); Goepfert (8), Hylken (3), Jurca (3/1), Kaiser (4), Martinez (2), Stamenov (3); Ebi, Dannmeyer (2), Kozina, Vukelic, Langhein (1), Basler (1).

Kriens-Luzern: Portmann (ab 16. Ineichen); Baviera (3), Fellmann (1), Hofstetter (5), Mühlebach (3), Spengler (4), Stojanovic; Stankovic (4/4), Baumgartner (3), Schramm (3), Blättler (1); Gwerder, Lehmann.

Bemerkungen: RTV komplett. – Kriens-Luzern ohne Ersatzhüter Schelbert sowie Vögtli und Weingartner (alle verletzt). – 12. Fellmann scheidet mit einer Hirnerschütterung aus.