Motorsport
Nach seinem Wechsel hat Jeffrey Schmidt nun ein Dach über dem Kopf

Weil der Schritt in die Formel 3 finanziell zu gross war, startet der Liestal Jeffrey Schmidt neu im Porsche Carrera Cup. Langsam hat sich der 19-Jährige an den 450-PS-Boliden gewöhnt und nähert sich den Top Ten an.

Jonas Burch
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Jeffrey Schmidt (rechts) sieht zuversichtlich in die Zukunft. Foto: ZVG

Jeffrey Schmidt (rechts) sieht zuversichtlich in die Zukunft. Foto: ZVG

Jeffrey Schmidt zeigt mit seinem Finger auf ein Foto. «Über 100 000 Zuschauer erleben unsere Rennen jeweils hautnah», beschreibt er. Dann blättert der 19-Jährige in seinem Album eine Seite um, wo er nach dem Sieg am Lausitzring im letzten August den Pokal in den Händen hält.

«Der schönste Erfolg, den ich bisher erleben durfte», blickt Schmidt mit einem Hauch von Wehmut zurück. Der Liestaler lebt seinen Sport mit jeder Faser seines Körpers. Jeder Pokal, jedes Erinnerungsfoto, jeder Presseartikel findet sorgfältig seinen Platz.

Finanziell nicht möglich

Seit 2011 mischt Jeffrey Schmidt in der internationalen Rennszene mit. Nach zwei Jahren bei den ADAC Formel Masters, der vierthöchsten Stufe im Formelsport, wechselte der Baselbieter auf diese Saison hin in den Porsche Carrera Cup.

Mit dem 3. Gesamtrang verlässt er die Formel-Klasse mit einem «lachenden, aber auch weinenden Auge», wie er selbst sagt. Für den nächsten Karriereschritt in die Formel 3 hätte Schmidt mit dem doppelten finanziellen Aufwand planen müssen. Eine Sackgasse.

Denn der Sport-Gymnasiast deckt die horrenden Ausgaben selber mithilfe von Sponsoren.

«Den Wechsel nie bereut»

Also war der Wechsel in die Tourenwagen-Welt der realistischere Schritt, da man dort mit Talent und Ehrgeiz grössere Chancen auf eine Profi-Karriere als im Formelsport hat. «Aber klar», weiss Schmidt, «die Umstellung auf diese Renn-Serie ist enorm.»

Ein Dach über dem Kopf, ein grösseres Fahrerfeld, mehr Pferdestärken. «Trotzdem habe ich diesen Wechsel nie bereut. Eine Rückkehr in die Formel-Serie ist für mich mit diesem Weg ausgeschlossen.»

Bis zu 70 Grad im Cockpit

Im vergangenen Winter begann die grosse Umstellungs-Phase. Erste Testfahrten mit dem neuen Team und auf Tourenwagen zugeschnittene Fitness-Trainings – um bei den bis zu 70 Grad im Fahrer-Cockpit noch immer bei vollster Konzentration zu sein. Dafür trainiert Schmidt täglich bis zu zwei Stunden.

Kraft, Koordination, Ausdauer- und Mentaltrainings. «Rennfahrer gehören zu den fittesten Sportlern überhaupt», sagt Schmidt, der bei einem Fitnesstest in seiner Sportklasse kürzlich alle anderen hinter sich gelassen hat.

Ein anderes Beispiel ist Formel-1-Pilot Jenson Button, der 2010 am London Triathlon teilnahm und in seiner Altersklasse den 3. Platz erreichte.

Gelungener Auftakt

Nach monatelanger Aufbau-Phase galt es für Schmidt Anfang Mai in Hockenheim im ersten Saisonrennen ernst. Mit einem 10. Platz, gefolgt von einem 12. Rang (im 35-köpfigen Fahrerfeld) vor gut zwei Wochen am Nürburgring hat der Kart-Schweizer-Meister von 2004 bereits seine ersten Duftmarken gesetzt.

«Ich will mich dauerhaft in den Top Ten etablieren», gibt er sich kämpferisch. Am Wochenende hat er beim dritten der 17 Rennen, diesmal am Red-Bull-Ring im österreichischen Spielberg (Steiermark), die nächste Gelegenheit, seine Ambitionen zu unterstreichen.

Die Suche nach den Sponsoren

Trotz sportlicher Erfolge beisst Schmidt neben der Rennstrecke auf hartes Brot. In der Schweiz gilt seit 1955 ein Rundstreckenverbot, entsprechend wenig lukrativ lässt sich die Motorsport-Szene national vermarkten.

Neben den Winter-Trainings hat Schmidt die rennfreie Zeit tagtäglich damit verbracht, Sponsoren für die kostspielige Saison zu gewinnen. Über 200 Unternehmen in der Region, der Schweiz oder in Deutschland hat er persönlich angeschrieben, um die Saison-Ausgaben im tiefen sechsstelligen Bereich zu decken.

«Die Resonanz war okay», blickt Schmidt zurück, «aber ich bin es gewohnt, regelmässig Absagen zu erhalten.» Immerhin: In diesen Tagen konnte er ein Sissacher Unternehmen als neuen Hauptsponsoren gewinnen.

Ziel: Vollprofi

Schlägt man Schmidts Fotoalbum übrigens auf, sieht man ihn in seinem gelben Porsche auf der Schlussgeraden. Die Zielflagge bereits geschwenkt. «Ein Leben als Vollprofi wäre mein Traum», hofft der Baselbieter. Noch ist es nicht so weit. Aber die Richtung stimmt – und das Tempo sowieso.