Ortskundig muss man auf den grossflächigen Sportanlagen Heerenschürli in Schwamendingen in dieser Woche nicht sein. Einmal angekommen, folgt man einfach den unzähligen Baseball-Cap-Träger, die zu den B-EM-Länderspielen pilgern. Am Eröffnungstag wollten 934 Zuschauer das Auftaktspiel der Schweizer gegen Grossbritannien sehen, «die Arena war sogar überausverkauft», sagen die Organisatoren augenzwinkernd. Was fehlte, war einzig das Happy-End – die Schweiz unterlag dem Turnierfavoriten nach einem ausgeglichenen Spiel in der Schlussphase (zu) deutlich mit 4:15.

Der kleinen, aber feinen Baseball-Euphorie im Lande tat dies keinen Abbruch. Auch am Folgetag zog es rund 802 Besucher ins Heerenschürli. «Die ganze Atmosphäre ist schlicht der Wahnsinn», freut sich Nationalspieler und Therwil-Flyers-Präsident Sebastian Zwyer.

Gegen die Ukraine brauchte die Schweiz aber bereits einen Sieg, um mindestens den 2. Platz in der 6er-Gruppe aus eigener Kraft erreichen zu können. «Gegen die Osteuropäer zu spielen ist immer schwer, aber mit unseren Fans im Rücken sind wir der Favorit», gibt sich Zwyer vor dem Spiel selbstbewusst.

Rückstand, Regen, Sieg

Doch die Schweiz – mit zehn Akteuren der Flyers in den Reihen – startete verhalten. 0:1-Rückstand nach dem ersten Inning. Dann kam der Regen, und mit dem Regen die Wende. «Hopp Schwiiz», dröhnte es gefühlte hundert Mal von der eigens für die EM aufgestellten Tribüne. Der Funken sprang auf die Mannschaft über. Mit einem Paukenschlag im zweiten Inning drehten die Schweizer die Schlüsselpartie dieser EM-Kampagne - 4:2 stand es dann bereits in der Anfangsphase. «Danach war es zwar kein besonders attraktives Spiel mehr, aber die Zuschauer schienen trotzdem ihren Spass zu haben», sagt Zwyer nach Spielschluss. Mit dem Erfolg liegt die Mannschaft von Andy Fleischacker wieder voll im Soll. Mit Polen, Bulgarien und Slowenien warten auf dem Weg ins Endspiel noch drei Gegner auf die Schweiz - sie alle liegen absolut in Reichweite. «Trotzdem gibt es noch einiges zu verbessern. Besonders in der Defensive müssen wir versuchen, die kleinen, aber spielentscheidenden Mängel auszumerzen», weiss Zwyer.

Präsentiert sich der Gastgeber aber weiter so wie gegen die Ukraine, darf vom Endspiel mehr als nur geträumt werden. «Wir wollen hier Geschichte schreiben. Keiner von uns hat überhaupt schon einmal einen solchen Grossanlass vor heimischem Publikum erlebt», sagt Zwyer.

Mit einer Laola-Welle verabschiedeten die Fans die Nationalmannschaft nach Spielschluss – eine sinnbildliche Szene. Denn die Baseball-Euphorie schwappt langsam aber sicher auf die Bevölkerung über. Ein Grossaufmarsch der Baseball-Cap-Träger ist jedenfalls für den Rest der Woche garantiert.