Renato Steffen lässt sich nicht zweimal bitten. Als Luganos Jonathan Sabbatini im Strafraum sein linkes Bein ausfährt, nimmt Steffen die Einladung zum Penalty dankend an. Ricky van Wolfswinkel verlädt Lugano-Goalie da Costa und verwandelt auch seinen zweiten Elfer im FCB-Trikot eiskalt. 1:0. Der fünfte Treffer im fünften Spiel für den Holländer. 62 Minuten sind zu diesem Zeitpunkt gespielt. Alles scheint seinen gewohnten Lauf zu nehmen.

Auch gut zwanzig Minuten später hat der FC Basel scheinbar alles im Griff. Lugano ist seit der 1:0-Führung der Basler geschockt und kommt bis zu jener 86. Minute nicht mehr in die Nähe des FCB-Gehäuses. Doch plötzlich kombiniert sich Lugano mit schönem Direktspiel bis zur Grundlinie durch, wo Piccinocchi den Ball in den Fünfmeterraum bringt. Am zweiten Pfosten entwischt der eingewechselte Carlinhos FCB-Verteidiger Akanji und schiebt den Ball im Rutschen und mit der Schuhsohle zum 1:1 in die Maschen.

Die Lugano-Bank, inklusive Assistent Walter Samuel, springt auf und bejubelt den verdienten Ausgleich. Der Treffer von Carlinhos belohnt den Aufwand der Tessiner, die vor allem in der ersten Halbzeit einen pomadig spielenden FC Basel dominieren.

Tami strahlt, Wicky grübelt

Gleich drei gute Chancen auf die Führung lassen die Luganesi vor der Pause liegen. Einmal pariert Vaclik, einmal rettet der eingerückte Steffen in extremis vor Crnigoj und einmal scheitert Lugano-Neuzugang Gerndt an seinem eigenen Unvermögen. Basel dagegen kommt erst in der 44. Minute zur ersten guten Torgelegenheit. Doch der Chip von Ricky van Wolfswinkel wird vom zurückgeeilten Roullier auf der Linie gerade noch geklärt.

An der Pressekonferenz nach dem Spiel strahlt Lugano-Coach Pierluigi Tami im Gegensatz zu Kollege Wicky bis über beide Ohren. «Wir sind mit unserem Auftreten nicht zufrieden, aber manchmal gibt es solche Tage», sagt FCB-Trainer Wicky und liefert gleich die Begründung: «Wir konnten Lugano unser Spiel nicht aufzwingen. Das Unentschieden ist aufgrund der ersten Halbzeit verdient. Nach dem 1:0 müssen wir so ein Spiel einfach abgeklärter heimbringen.»

Wicky hat recht. Nach der Führung lässt der FC Basel eine grosse Chance auf das 2:0, die Entscheidung, liegen. Oberlin verpasst nach einem Konter das Abspiel auf den freistehenden und in der Folge fuchsteufelswilden Steffen, der nach Oberlins eigensinnigem Verstolperer zurecht die Hände verwirft.

Weil Lugano dagegen seine einzige Chance im zweiten Durchgang nutzt, lässt der FCB im dritten Heimspiel der Ära Wicky erstmals zwei Punkte liegen.

Vorfreude auf die Loskugeln

Durch das Unentschieden entführt Lugano zum ersten Mal seit dem Wiederaufstieg etwas Zählbares aus dem Joggeli und fungiert gleich in doppelter Hinsicht als Spielverderber. Zum einen, weil Basel nun doch nicht wie erwartet von der Tabellenspitze grüsst und stattdessen weiterhin punktgleich mit YB und einem Punkt hinter dem FC Zürich auf Platz 2 steht. Zum anderen, weil Lugano durch das späte Tor auch die Delgado-Abschieds-Feierlichkeiten trübt.

In der nächsten Woche wird es für die beiden Teams vor allem abseits des Platzes spannend. Denn am Donnerstag respektive Freitag wird ausgelost gegen wen Basel und Lugano in der Champions League beziehungsweise Europa League antreten dürfen.

Basel - Lugano 1:1 (0:0)

26'994 Zuschauer. - SR Jaccottet. - Tore: 62. van Wolfswinkel (Foulpenalty) 1:0. 86. Carlinhos (Piccinocchi) 1:1.

Basel: Vaclik; Akanji, Suchy, Balanta; Lang, Fransson (59. Serey Die), Zuffi, Elyounoussi, Steffen; Oberlin (71. Pululu), van Wolfswinkel.

Lugano: Da Costa; Rouiller (78. Yao), Sulmoni, Golemic, Mihajlovic; Piccinocchi; Sabbatini, Mariani, Crnigoj (89. Vécsei); Marzouk (72. Carlinhos) , Gerndt.

Bemerkungen: Basel ohne Bua (verletzt) und Xhaka (krank). Lugano ohne Culina, Guidotti, Jozinovic, Padalino (alle verletzt) und Bottani (noch nicht qualifiziert). Delgado (Basel) wird offiziell als Spieler verabschiedet. Verwarnungen: 52. Piccinocchi (Foul), 88. Mihajlovic (Foul).


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