Fussball
Nach Streller-Ausfall ist Fabian Frei Captain: «Man muss das Hirn einschalten»

Nach dem Ausfall von Captain und Mannschaftsvater Streller ist Fabian Frei der Aushilfs-FCB-Anführer – wenn ihm die Möglichkeit dazu gegeben wird.

Sebastian Wendel
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Ist nicht zufrieden mit seinen bisherigen Darbietungen: Basels Mittelfeldspieler Fabian Frei.

Ist nicht zufrieden mit seinen bisherigen Darbietungen: Basels Mittelfeldspieler Fabian Frei.

Meinrad Schön

Das erste Saisondrittel ist durch. Sind Sie zufrieden mit Ihren Leistungen?

Nein! Aber ...

Aber?

Es geht aufwärts. Meine Performance gegen Liverpool, Ludogorez und Wohlen war okay. Ich komme langsam, aber sicher wieder an mein gewohntes Niveau heran.

Warum erst jetzt?

Solche Phasen hat jeder Fussballer. Ich will es nicht dramatisieren, die jüngste Vergangenheit stimmt mich optimistisch.

Gemessen an Ihrer Präsenz in den Medien sind Sie neben Marco Streller der wichtigste Spieler. Wie wichtig fühlen Sie sich innerhalb der Mannschaft?

Nimmt man die Anzahl Interviews als Massstab, fühle ich mich noch wichtiger als letzte Saison. Aber ich gebe zu: In der letzten Saison fiel mir die Medienarbeit leichter, weil ich in einer stärkeren Position war. Ich habe immer und meistens auch gut gespielt, das ist in dieser Saison anders.

In den letzten drei Super-League-Partien haben Sie zwei Mal gar nicht und gegen YB nur zehn Minuten gespielt. Das verwundert.

Darüber juble ich nicht, klar. Ich würde gerne wieder einmal in der Liga spielen.

2013/14 haben Sie von 58 Spielen nur zwei verpasst.

Ich denke, ich brauche diesen Rhythmus. Das gibt mir Sicherheit in meinen Aktionen.

Und nun sind es nach vier Monaten unter Paulo Sousa bereits fünf Spiele, in denen Sie zuschauen mussten. Unter anderem entscheidet ein Gerät, das Ihren Schlaf misst, ob Sie fit genug sind für die nächste Partie.

Dann hat man das zu akzeptieren. Es gibtTage, an denen mir der Gang auf die Ersatzbank leichter fällt. An anderen nimmt es mich sehr mit.

Fürchten Sie um Ihre Leaderrolle, weil Sie unter Sousa nicht mehr unantastbar sind?

Nein. Es ist einfach so, dass sich keiner, auch nicht der Vizecaptain, sicher sein kann, dass er spielt. Es gibt Trainer, die setzen immer auf die gleichen 14, 15 Spieler. Ein anderer hat die Philosophie, viel zu wechseln. Als Spieler hat man das zu akzeptieren.

Wie intensiv ist der Austausch zwischen Ihnen und Paulo Sousa? Zu Murat Yakins Zeiten gehörten Sie zu der Gruppe, die eine gute und enge Beziehung zum Trainer pflegten.

Natürlich stand ich mit Muri sehr oft in Kontakt. Das hat sich unter dem neuen Trainer sicher verändert.

Vermissen Sie die Nähe zum Trainer?

Ich kann damit umgehen. Ich würde nie gegen den Trainer spielen oder schlechte Stimmung verbreiten. Wenn ich meine Sache im Training und in den Spielen gut mache, dann werde ich wieder mehrmals in Folge zum Einsatz kommen.

Sousa legt viel Wert darauf, den Tagesablauf der Spieler zu regeln und zu kontrollieren. Man hört, das würde vor allem die erfahrenen im Kader stören.

Die Philosophie eines Trainers geht über Taktik- und Systemfragen hinaus. Murat
Yakin war der Typ Trainer, der meist spontan und nach Bauchgefühl entschieden hat. Unter Paulo Sousa ist alles viel mehr durchgeplant. In jeder Minute denkt er an den Erfolg der Mannschaft und wie dieser am besten zu erreichen ist. Das ist der grosse Unterschied zur letzten Saison.

Sie sind weniger im Hotel als unter Yakin. Dafür müssen die Spieler eine Stunde, bevor Sousa den Inhalt der bevorstehenden Trainingseinheit erklärt, in der Kabine sein. Was ist besser?

Es ist nicht besser oder schlechter, sondern anders.

Viel tote Zeit, in der man andere Dinge tun könnte.

Eine Stunde in der Kabine kann witzig sein und schnell vorübergehen. Natürlich ist das nicht jeden Tag so.

Im Winter gibt es bestimmt Angenehmeres, als im Dunkeln zum Stadion zu fahren und dann in der fensterlosen Kabine eine Stunde warten zu müssen.

Das ist ein Punkt, den wir intern ansprechen und vielleicht eine Lösung finden werden. Aber die Stunde ist ja nicht nur zum Warten da. Einige machen Kraftübungen, andere lassen sich massieren.

Wie bewerten Sie die Entwicklung des viel zitierten «Sousa’schen Prozesses»?

Resultatmässig gab es in den vergangenen Wochen Rückschläge, spielerisch können wir uns steigern. Abgesehen vom 1:0 gegen Liverpool konnten wir in keiner Partie von Anfang bis Ende überzeugen. Das Gute ist: Wir wissen, was wir können und welch riesige Qualität wir im Kader haben.

Die Mannschaft wirkt nicht harmonisch.

Hoffentlich noch nicht. Klar sind wir nicht zufrieden mit unseren Leistungen. Doch übertreiben mit Schwarzmalerei sollte man nicht: Wir haben in der Liga gleich viele Punkte wie vor einem Jahr, wir sind im Cup weiterhin dabei und haben Chancen auf die Champions-League-Achtelfinals.

Sie haben vor kurzem mit SpanischUnterricht begonnen. Warum?

Um mich weiterzubilden. Spanisch ist eine interessante Sprache und gerade im Fussball weit verbreitet.

Apropos Fremdsprachen. In Italien, England oder Deutschland ist es unvorstellbar, dass ein Trainer nicht in der Landessprache kommuniziert. Paulo Sousa hat in der Öffentlichkeit noch kein Wort Deutsch gesprochen.

Auch vor der versammelten Mannschaft spricht er Englisch. Daran mussten wir Spieler uns erst gewöhnen. Es bedeutet, man muss im Moment, wenn man die Kabine betritt, das Hirn einschalten.

Letzte Frage. Woher kommt Ihr Spitznahme «Schlaubi»?

Schlaubi-Schlumpf – kennen Sie nicht?

Die Schlümpfe schon. Aber Schlaubi?

Das ist der mit der Brille. Der nervt die anderen Schlümpfe, weil er immer alles besser weiss. Ich habe die gleiche Macke. Wenn jemand im Ernst behauptet, Putin sei der Präsident von Amerika, kann ich das nicht stehen lassen und muss die Person korrigieren. Auf meinem Handy habe ich ein Bild von Schlaubi-Schlumpf – das zeige ich den neuen Spielern, wenn Sie meinen Spitznamen das erste Mal hören.