Turnen

Nachwuchssorgen beim TV Hemmiken: Die Lösung lautet Geschlechter-Mix

Sechs Mädchen und sechs Knaben turnen zusammen für Hemmiken.

Hemmiken hat zu wenig Turnnachwuchs und bricht deswegen mit einer Tradition – das führt zu ungeahntem Erfolg. Jetzt geht die Reise für die Jugendlichen erstmals überhaupt an ein Eidgenössisches Turnfest.

Hemmiken hat ein Problem. Das Dorf im Baselbieter Bezirk Sissach ist mit 260 Einwohnern schlicht zu klein für zwei Turnvereine. Doch die gibt es: Einen für die Damen mit Mädchenriege, Frauenriege und Aktivriege. Und einen für die Männer, ebenfalls mir drei Riegen. In der Geschichte des Turnsports ist die Geschlechtertrennung tief verwurzelt. Auch heute noch trainieren die meisten Vereine getrennt. Mixed Wettkämpfe gibt es noch nicht lange und immer noch nur wenige.

Doch ausgerechnet das kleine Hemmiken brach nun vor rund fünf Jahren mit dieser Tradition. Weil sich im Dorf nur eine Handvoll Mädchen und Knaben für den Turnsport interessierten, hatten beide Vereine dasselbe Problem. Um an Wettkämpfen teilzunehmen, gab es weder genügend Mädchen noch genügend Knaben. Also entschloss man sich in Hemmiken im Jahr 2014, zusammen zu trainieren. Erst einmal monatlich als Versuch, dann immer regelmässiger.

Probleme sind überschaubar

Schnell wurde allen Beteiligten klar, dass die Vorteile des gemischten Trainings überwiegen. Die Leistungssprünge zwischen den 10 bis 16-Jährigen sind nicht mehr allzu gross. Die Leiter sind nicht mehr nur zu zweit sonder zu viert und haben so viel mehr Möglichkeiten. Vor allem hatte man endlich genügend Jugendliche zusammen, um an Wettkämpfen teilzunehmen. Um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Kinder gerecht zu werden, gibt es ab und zu auch noch getrennte Turnstunden. Dann können sich die Jungs beim Rugby austoben und die Mädchen einen Tanz einstudieren.

Die Probleme sind überschaubar. «Es funktioniert nicht immer, dass zwei Vereine zusammenspannen, aber bei uns klappt es ganz gut», sagt TV-Hemmiken-Jugendriegenleiter Cédric Thommen. Komisch ist eigentlich nur, dass die Jungs keinen Jahresbeitrag zahlen, die Mädchen aber schon. Das liegt daran, dass die beiden Vereine das unterschiedlich handhaben.

Seriensieger im Baselbiet

Im Mixed sind die Hemmiker durchaus erfolgreich. Seit der Umstellung konnten bereits mehrerer Jugendturnfeste gewonnen werden. Im letzten Jahr triumphierte das Mixed-Team sogar am Kantonalen. 2018 wurde die Misch-Riege mit dem Jugendförderpreis des Baselbieter Turnverbands ausgezeichnet. Jetzt geht die Reise für die Jugendlichen erstmals überhaupt an ein Eidgenössisches Turnfest.

Cédric Thommen hat bereits ausgerechnet: «Mit der gleichen Leistung wie vor einem Jahr wären wir in Biel 2013 Dritter geworden.» Trotzdem geht es für die Hemmiker in Aarau in erster Linie ums Mitmachen. «Das Eidgenössische ist immer eine ganz andere Dimension. Wir erwarten gar nichts von den Kindern», sagt Thommen. Wenns alles normal läuft, liegt für das kleine Dorf im Baselbiet aber sicher eine gute Rangierung drin. Dann hätten die Hemmiker etwas geschafft, was vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

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