Eishockey

Nando Wüthrich von den Sharks hat eine Schraube locker

Ausser Gefecht: Nando Wüthrich wird seine Sharks heute wieder unterstützen, aber nicht auf dem Eis. Uwe Zinke/sportives.ch

Ausser Gefecht: Nando Wüthrich wird seine Sharks heute wieder unterstützen, aber nicht auf dem Eis. Uwe Zinke/sportives.ch

Nando Wüthrich, der verletzte Basler Verteidiger, leidet mit seinem Team mit, wird am Dienstag operiert und bleibt eine weitere Saison in Basel. Am Sonntag hofft er auf einen Expoit seiner Mannschaftskollegen in Langenthal.

«Nein! Das darf doch nicht wahr sein.» Nando Wüthrich, der verletzte Basler Verteidiger, wirft die Hände vor den Kopf. Eben hat Langenthal das vierte Playoff-Viertelfinal gewendet – in 59 Sekunden und das keine drei Minuten vor Schluss. Unglaublich. Schon fast «unglaublich» tönt auch die Verletzungsgeschichte des 23-jährigen Emmentalers, der seine zweite Saison in Basel spielt. «Ja, ich habe eine Schraube locker, aber nicht im Kopf, im Fuss», lacht er, nachdem er sich mit seinen Krücken auf die Medientribüne unters Dach der St. Jakob-Arena emporgearbeitet hat. 2003 habe er sich als 12-Jähriger bei einem Spiel das Fussgelenk gebrochen, seitdem hielt eine Schraube das Ganze zusammen. «Man hat mir damals versichert, dass die Schraube ein ganzes Leben hält.» Hat sie nicht, denn 10 Jahre später, im ersten Playoff-Spiel in Langenthal knickte Wüthrich zwei Minuten vor Schluss um, spielte die Partie trotz «höllischen Schmerzen» zu Ende und versuchte es auch in der zweiten Partie, mithilfe einer Spritze. Doch schon beim zweiten Einsatz kam das Aus, die Schraube hatte sich gelöst, «jetzt ist sie sogar ganz draussen», am Dienstag wird er in Bern operiert.

Der kleine, aber feine Unterschied

Wüthrich sitzt auf der Medientribüne erstaunlich still, doch er befindet sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt, er leidet mit seinem Team, seine sorgenvollen «Aaaah’s» und «Ooooh’s» wechseln mit beschwörenden «Yes, gut gemacht» in schneller Folge – so wie das Spiel hin und her wogt, mit Chancen auf beiden Seiten und dem bitteren Ende für die Sharks. Der Emmentaler analysiert kritisch, lobt aber auch die Checks, die guten Pässe. Er ist voll dabei, so als ob er selber auf dem Eis stehen würde. «Es ist einfach von hier oben zu kritisieren», sagt er, aber seine Bemerkungen treffen zu. Drei defensive Stellungsfehler hätten schliesslich den Unterschied ausgemacht, hält er fest. Recht hat er.

Ein geiles Team

Äusserst kritisch ist er auch mit sich selber: «Ich bin kein Blender, kein Techniker und ich muss noch tausend Sachen lernen.» Umso glücklicher ist er, dass er seine Karriere in Basel fortsetzen kann. «Ja, wir haben uns auf einen Ein-Jahresvertrag geeinigt», sagt er. Es mache Spass, in Basel Eishockey zu spielen. «Wir sind ein geiles Team, in dem die älteren den jüngeren Spielern helfen», sagt er und seine Augen leuchten. Er fühle sich bereit, einen weiteren Schritt zu machen. Trainer Din Stecher bezeichnet ihn als «dankbaren Spieler, als Chrampfer und Vorbild, der immer alles und noch mehr gibt». Wüthrich meint, er sei in gewisser Weise «noch ein Rookie», denn in seiner ersten Saison in Ajoie habe er höchst selten gespielt und auch letztes Jahr in Basel kam er erst gegen Schluss der Meisterschaft mehr zum Einsatz. «Es ist für einen guten Elite-Junior nicht einfach, einen NLB-Vertrag zu erhalten. Ich konnte damals in Langnau nicht auswählen – entweder Ajoie oder 1. Liga.»

Mehr «chrampfen»

Nach nur einem Jahr war Schluss. «Ich nahm die Sache selber in die Hand und habe dem damaligen Basel-Trainer Dany Gelinas telefoniert. Er gab mir eine Chance.» Und die hat er – nach einem weiteren Lehrjahr – in dieser Saison genutzt. Es entspricht seinem Naturell, wenn er sagt, die Serie sei keineswegs zu Ende: «Wir müssen in Langenthal einfach wieder ein wenig mehr chrampfen, Nadelstiche setzen und die Konzentration hochhalten, dann können wir auch ein zweites Spiel gewinnen.»

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