Existenzsorgen

Neuer Tiefpunkt bei den Old Boys: Juniorentrainer und Ex-Vorstand werden freigestellt

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Die OB-Junioren gehören zu den besten der Region. Aber wie lange noch?

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Der Basler Traditionsverein kommt nicht zur Ruhe. Zwei Freistellungen verhärten die internen Fronten, zudem fehlt weiterhin Geld. Nicht nur die Zukunft der 320 Junioren, die des gesamten Vereins steht auf dem Spiel.

Etwa 320 Junioren spielen aktuell beim BSC Old Boys. Sie sind mit dem Klub emotional stark verbunden. Die Kinder freuen sich auf das Training. Die Spiele am Wochenende sind für viele der jungen Nachwuchskicker das Highlight der Woche. Sieg oder Niederlage und die daraus entstehenden Emotionen haben direkten Einfluss auf die Laune der betroffenen Familien. Die grössten Talente hoffen gar auf den Sprung zum Partnerverein FC Basel und auf eine Profikarriere als Fussballer.

Doch ob OB auch in Zukunft diese wichtige Rolle in der Basler Gesellschaft einnehmen kann, ist äusserst fraglich. Der neuste Höhepunkt der internen Grabenkämpfe auf dem Weg zum OB-Untergang ist die Freistellung von Beat Fläcklin und Urs Hipp. Die interimistische Geschäftsleitung in Person von Christian Schmid und Niggi Kägi hat die beiden ehemaligen OB-Vorstandsmitglieder per sofort von all ihren Ämtern freigestellt. Das bedeutet in erster Konsequenz, dass einige der Junioren auf ihre aktuellen Trainer verzichten müssen. Die Eltern der betroffenen Kinder wurden per E-Mail informiert. Sie verstehen den Entscheid nicht.

Um das ganze Drama zumindest im Ansatz zu verstehen, reisen wir drei Jahre zurück. Schon damals fehlt Geld, um den Spielbetrieb in der Promotion League aufrecht zu erhalten. An einer Sitzung wird ernsthaft der Vorschlag diskutiert, die 1. Mannschaft in der Winterpause zurückzuziehen und den Verein von Grund auf zu modernisieren. 12 von 13 Anwesenden stimmen dem Vorschlag zu. Nur Sportchef Rafet Öztürk ist dagegen. Der sucht daraufhin das Gespräch mit Mäzen Paul Suter und versichert, dass er auch mit etwas weniger Geld eine gute Mannschaft zusammenstellen kann. Suter lässt sich überreden und sichert mit einer Finanzspritze den Spielbetrieb der 1. Mannschaft. Doch Öztürk kann weder das geringere Budget noch die sportlichen Ziele einhalten. 2019 ist OB nach zwei Abstiegen ‑ einem freiwilligen und einem sportlichen ‑ trotzdem im Amateurfussball angekommen.

Trauriger Höhepunkt der Saison 18/19 ist der Besuch der Staatsanwaltschaft auf der Schützenmatte. Weil das Budget der 1. Mannschaft und das vom Rest des Vereins immer wieder vermischt wurde, haben mittlerweile selbst die Verantwortlichen keine Übersicht mehr. Insgesamt sind rund 70'000 Franken ungekennzeichnet irgendwo versickert. Knapp 14'000 Franken wurden gar direkt aus der Vereinskasse gestohlen. Die alte OB-Führung reicht daraufhin bei der Polizei Anzeige gegen Unbekannt ein. Der Kreis der Verdächtigen für diesen Diebstahl ist eigentlich klein. Doch genau an dem Tag, als die Staatsanwaltschaft auf der Schützenmatte zu Besuch ist, vergisst einer der Abwarte, die Tür zu verriegeln. Jetzt sieht es so aus, als könnte jeder Zugriff zur Kasse gehabt haben. Die Staatsanwaltschaft stellt die Ermittlungen ein. Bei OB rechnet keiner damit, dass das Geld jemals wieder auftaucht.

Bei den Old Boys läuft etwas Grundlegendes falsch

Dass sich bei OB grundlegend etwas ändern muss, ist allen Beteiligten mittlerweile klar. Doch über die Umsetzung gibt es intern grossen Meinungsverschiedenheiten. Im Mai 2019 soll an der GV eigentlich eine neue Führung gewählt werden. Eine Gruppe um Stefan Koller hat ein Konzept für ein moderneres OB erarbeitet. Es gibt konkrete Pläne, wie das Finanzloch von rund 200000 Franken gestopft werden soll. Doch an der GV intrigiert die Gegenseite um Alteingesessene, Spieler aus der 1. Mannschaft und Öztürk, der im neuen Konzept keinen Platz mehr gehabt hätte, erfolgreich gegen die Pläne von Koller und Co. Mit der Nicht-Wahl von Tobias Meier, dem Vizepräsident in spe, tritt Koller 30 Minuten nach seiner Wahl wieder zurück.

Wer ist Schuld am Chaos? Natürlich die anderen

Damit OB nicht völlig ohne Kopf auf den Abgrund zusteuert, wird spontan eine interimistische Geschäftsleitung gewählt. Ihr Auftrag: Den Tagesbetrieb aufrechterhalten und bis Ende Jahr einen neuen Vorstand präsentieren. Schmid und Kägi nehmen sich dieser Herkulesaufgabe an. Die grösste Schwierigkeit besteht darin, Geld aufzutreiben. Geld, das OB dringend benötigt. Das Budget der 1. Mannschaft wird um einen sechsstelligen Betrag gekürzt. Doch das allein reicht nicht.

Immer wieder gerät die Interimsführung mit der alten Führung aneinander. Die Schuld für Verfehlungen der Vergangenheit wie zum Beispiel die unsauberere Buchhaltung wird dem Gegenüber zugeschoben. Statt sich gemeinsam an einen Tisch zu setzen, versenden Schmid und Kägi am 1. November eine E-Mail voller Vorwürfe an alle OB-Mitglieder. Unter anderem fordern sie Fläcklin und Hipp auf, den Juniorenförderverein aufzulösen, da dieser ein «Verein im Verein» und nicht rechtens sei. Da dieser Verein zweckgebunden nur den Junioren dient, generiert er OB aber auch Fördergelder. Aktuell stecken 20'000 Franken in diesem Verein. Aus Angst, dass die interimistische Geschäftsführung mit diesem Geld Löcher im Stammverein stopfen könnte, stellen sich Fläcklin und Hipp quer. Für sie steht die geforderte Auflösung des Juniorenfördervereins nicht zur Debatte.

Am vergangenen Dienstag berichtet die bz, dass sich beide Parteien zusammen setzen wollen. Doch Hipp und Fläcklin sagen das von Schmid und Kägi eingeforderte Treffen am 5. November ab. Sie wollen lieber am 12. November mit dem gesamten alten Vorstand erscheinen und zusammen Lösungen für die vielen OB-Probleme finden. Doch für Schmid und Kägi ist das ein neuerlicher Affront. Sie reagieren mit der Freistellung. Öffentlich wollen sich beide Seiten aktuell nicht mehr äussern. Fläcklin und Hipp sind enttäuscht, aber auch irgendwie befreit, vom sinkenden Schiff geworfen worden zu sein. Schmid und Kägi sind zuversichtlich, dass die Probleme jetzt - ohne interne Widersacher - besser angegangen werden können.

Doch durch die Freistellung von Fläcklin und Hipp hat die interimistische Vereinsführung in den Augen vieler Mitglieder eine Linie überschritten. «Das Aussenbild von OB ist eine Katastrophe», sagt Stefan Koller. Er glaubt nicht, dass die Interimsführung das sinkende Schiff retten kann. Koller ist der Meinung, dass ein neuer OB-Vorstand nur Erfolg hat, wenn die alte Führung ein für alle Mal das Feld räumt. Doch das wird nicht passieren. Denn die Alteingesessenen wollen OB selber wieder in ruhige Fahrwasser führen. Und überall in der Region gibt es Junioren, die davon abhängig sind, dass ihnen das gelingt.

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