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Neuzugang Davide Callà: «Der rot-blaue Zug hält nur einmal im Leben»

Davide Callà, der Neue beim FCB. K

Davide Callà, der Neue beim FCB. K

Der 29-Jährige Offensiv-Spieler hatte seinen ersten Arbeitstag beim FC Basel – richtig fassen konnte es der ex-Topskorer des FC Aarau aber noch nicht.

Er macht den Anschein, als könne er selber noch nicht glauben, wie ihm geschieht. Vor 18 Monaten, sagt Davide Callà, stand er vor dem Nichts. Obwohl er nach vier Knieoperationen auf dem Weg zurück zu alter Stärke war, verlängerten die Grasshoppers den Vertrag mit Callà nicht. «Ich hätte damals genauso auf der Strasse landen können», sagt er. Dass er nun am Dienstag beim FC Basel einen Vertrag bis 2016 unterschreiben durfte, ist der bisherige Höhepunkt eines kleinen Fussballmärchens. Oder wie er sagt: «Hätten Sie mir das vor 18 Monaten prophezeit, hätte ich sie ausgelacht.»

Dem Aufsteiger viel zu verdanken

Dass er nicht auf der Strasse landete, verdankt Callà dem FC Aarau. Damals noch in der Challenge League und auf der Suche nach einem preiswerten Offensivspieler, luden die Aargauer den arbeitslosen Callà zum Probetraining ein und gaben ihm kurz darauf einen stark leistungsbezogenen Vertrag. Auch wenn er schon lukrativere Arbeitspapiere unterschrieben hatte, Callà ist dem FCA sehr dankbar für die Hilfe. «Ich möchte nicht daran denken, was passiert wäre, hätten sie mich nicht genommen.»

Es folgte die «beste Saison meiner Karriere». Callà schoss den FC Aarau mit 19 Toren fast im Alleingang zurück in die Super League und erlebte eine Aufstiegsfeier, «die ich nie vergessen werde, der absolute Höhepunkt meiner Laufbahn». Er war schnell der Schlüsselspieler der Mannschaft von René Weiler und hatte auch im vergangenen halben Jahr dank seiner individuellen Klasse grossen Anteil daran, dass die Aargauer kaum mehr Abstiegssorgen mehr plagen.

Geteilte Herzen in Aarau

Dass ein Davide Callà, in jungen Jahren als kommender Nationalspieler gehandelt, zu mehr fähig ist als zu einem Stammplatz beim FC Aarau, das war schon immer klar. Doch welcher Klub will schon einen mittlerweile 29-Jährigen verpflichten, der sein rechtes Knie viermal operieren lassen musste und vor wenigen Jahren kurz vor dem Karriereende stand? Der FC Basel! Bereits vor einigen Wochen, kurz nach dem Jahreswechsel, fühlte Rot-Blau ein erstes Mal bei Callà vor. «Sie wollten wissen, ob ich grundsätzlich an einem Wechsel interessiert bin», erzählt er. «Noch nie fiel mir eine Antwort so leicht.»

Alles ging schnell

Es dauerte dann doch bis zum vergangenen Freitag, als Callàs Handy erneut klingelte. Dann ging es sehr schnell. So schnell, dass er sich noch nicht von den Kollegen in Aarau verabschieden konnte. «Ich habe ein paar SMS verschickt, werde aber auf jeden Fall nochmals persönlich vorbeischauen.»

So ganz schien er der Sache bis zuletzt nicht zu trauen. «René Weiler (FCA-Trainer; d. Red.) wollte am Montag die Mannschaft informieren, doch ich habe ihn davon abgehalten, weil ich nicht sicher war, obs klappt.» Als der Spielertausch – im Gegenzug wechselt Stephan Andrist vom FCB nach Aarau – im Verlauf des Dienstags publik wurde, gab es laut Callà hauptsächlich positive Reaktionen. «Die Herzen der Aarauer sind geteilt. Einerseits finden sie es schade, dass ich gehe. Andererseits wissen sie, dass ich diese Chance unbedingt packen muss.» Oder wie er sagt: «Der rot-blaue Zug hält nur einmal im Leben eines Fussballers.» Der FCB sei das Beste, was der Schweizer Fussball zu bieten habe. Hier habe er im Spätsommer der Karriere endlich die Chance auf den Meistertitel und auf regelmässige Einsätze im Europacup. Letzteres jedoch erst in der kommenden Saison, da Callà für die bevorstehende K.-o.-Phase der Europa League keine Spielberechtigung mehr erhält.

Vorfreude auf den St. Jakob-Park

In Aarau war Callà Führungs- und unumstrittener Stammspieler, beim FCB ist er zumindest zu Beginn einer von vielen. «Klar», sagt er, «ich komme in eine gefestigte Mannschaft und muss mir meinen Platz erkämpfen.» Aber mit 29 Jahren und der Erfahrung von über 200 Super-League-Spielen sei das etwas anderes, als wenn er frisch aus einer Jugendabteilung zum Profiteam stosse. Callà vertraut auf seine Empathie: «Mein Charakter erlaubt mir, mich schnell in einer neuen Umgebung zurechtzufinden.»

Am Samstag könnte er im Heimspiel gegen Sion bereits sein Debüt im FCB-Dress feiern, die Spielberechtigung sollte rechtzeitig eintreffen. Den Einmarsch in den St. Jakob-Park kann Callà jedenfalls kaum erwarten: «Es gibt nichts Geileres im Schweizer Fussball.»

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