Nicht wenige verfielen ins grosse Gähnen, als das Los dem FC Basel erneut zwei Duelle mit Ludogorets Rasgrad bescherte. Der bulgarische Serienmeister ist nicht gerade die Mannschaft, die beim Fussball-Feinschmecker den Appetit weckt. Mag sein, dass auch am Mittwochabend im Levski-Stadion in Sofia Fussball nicht gespielt, sondern gearbeitet wird.

Doch das fehlende Spektakel wird kompensiert durch die Ausgangslage: Für beide Teams geht es um alles oder nichts. Wer verliert, fliegt aus dem Europacup. Wer gewinnt, spielt im Februar in der Europa League weiter. Logisch, dass im Umfeld die Worte «Spiel des Jahres» fallen. Was auffällt: Rasgrad gegen Basel hat nicht zum ersten Mal kapitalen Charakter. Tatsächlich besteht die noch junge Geschichte des bulgarisch-schweizerischen Duells nur aus Spielen, in denen es um Sein oder Nichtsein geht. Ein Rückblick.

Saison 2013/14, Champions-League-Playoffs:

Nach dem Raser-Skandal um Raul Bobadilla und dem Abgang von Abwehrchef Aleksandar Dragovic (zu Dynamo Kiew) war beim FCB schon früh in der Saison mächtig Feuer im Dach. In dem ganzen Trubel musste die Mannschaft dafür sorgen, eine weitere Saison ohne Champions League zu verpassen: 2012/13 scheiterte man überraschend an Cluj. Ein Jahr später war die Königsklasse fast schon ein Muss, um nicht die finanziellen Reserven anzapfen zu müssen. Playoff-Gegner war das damals noch unbekannte Ludogorets Rasgrad.

Jubel bei den Basler Spielern nach dem Einzug in die Champions League.

Jubel bei den Basler Spielern nach dem Einzug in die Champions League.

Um die Bulgaren persönlich vor Ort beobachten zu können, liess sich Cheftrainer Murat Yakin für das Cup-Derby gegen Old Boys von Assistent Marco Walker vertreten. Eine ungewöhnliche Massnahme, die fruchtete: Yakin fütterte vor dem Hinspiel in Bulgarien seine Spieler mit jenen Informationen, die es brauchte, um 4:2 zu gewinnen. Und dies nach einem 1:2-Rückstand. Das klare Resultat zog Ludogorets den Zahn, im Rückspiel eine Woche später in Basel leisteten sie kaum mehr Widerstand, der FCB gewann 2:0 und zog nach einem Jahr Pause wieder in die Champions League ein.

Saison 2014/15, Gruppenphase Champions League:

Basel - Ludogorets 4-0 vom 4/11/2014

Die Highlights des Basler 4:0-Erfolgs gegen Rasgrad

In der Saison nach dem ersten Aufeinandertreffen führte das Los den FCB und Ludogorets wieder zusammen, dieses Mal in der Gruppe B mit Real Madrid und Liverpool. Der FCB startete mit einer Niederlage in Madrid und einem Heimsieg gegen die Engländer. Vor den zwei Spielen gegen Ludogorets war klar: Gewinnt der FCB nicht mindestens eines davon, ist der Traum von den Achtelfinals ausgeträumt.

In Bulgarien war Rot-Blau vom Pech verfolgt: erst die ungerechtfertigte rote Karte gegen Geoffroy Serey Die und in der Schlussminute nach langer Gegenwehr doch noch der Gegentreffer zum 0:1 – ein abgefälschter Weitschuss. Quintessenz: Das Heimspiel entscheidet aus FCB-Sicht über Sein oder Nichtsein. Der Druck war riesig – die Leistung des FCB danach auch. 4:0. Der höchste Champions-League-Sieg der Geschichte. Embolos erstes Tor in der Champions League. Aber vor allem: Die Basis für die Achtelfinal-Qualifikation, die anschliessend in Liverpool (1:1) perfekt gemacht wurde.

Saison 2016/17, Gruppenphase Champions League:

Wie der FCB nahm sich auch Ludogorets eine einjährige Champions-League-Auszeit – und nun beim Comeback in der Königsklasse gleich das Wiedersehen. Das 1:1 am ersten Spieltag war vor allem aus Basler Sicht eine Enttäuschung. Die Folge: Auch das sechste Duell heute Abend hat Schicksals-Charakter. Immerhin: Die Vergangenheit spricht schon mal für einen FCB-Sieg.

Highlights Basel gegen Ludogorets 1-1; 13/09/2016

Die Highlights des Basler Unentschiedens im ersten Spiel dieser Saison gegen Ludogorets.