FCB-Generalversammlung

Nicht-Gewählt: Die FCB-Mitglieder erteilen Jean-Paul Brigger eine deutliche Absage

Bernhard Burgener wird zum neuen FCB-Präsidenten gewählt. Jean-Paul Brigger, den Burgener als neuen starken Mann installieren will, wird von den Mitgliedern aber für seine Fifa-Tätigkeit abgestraft. Ein Schuss vor den Bug.

Plötzlich ist es still im Joggeli. Dann beginnt das Gemurmel. Was hat diese Zahl zu bedeuten? 726 Stimmen hat Jean-Paul Brigger (59) von den FCB-Vereinsmitgliedern erhalten. 726 Personen würden ihn gerne im Vereinsvorstand des FCB sehen. «Damit erreicht Jean-Paul Brigger das einfache Mehr von 751 Stimmen (bei 1501 Stimmberechtigten, Anm. d. Red) nicht», sagt Noch-Präsident Bernhard Heusler. Es ist ein Schock – vor allem für den knappe fünf Minuten zuvor souverän zum Präsidenten gewählten Bernhard Burgener (1241 von 1512 Stimmen). Später wird er sagen: «Ich bin erschüttert, aber muss dieses Votum so entgegennehmen und akzeptieren.»

Enttäuschte Gesichter bei Heusler und Co. Jean-Paul Brigger wurde nicht gewählt.

Enttäuschte Gesichter bei Heusler und Co. Jean-Paul Brigger wurde nicht gewählt.

Was ist geschehen? Am Tag vor der 123. ordentlichen Generalversammlung gibt Burgener bekannt, dass Jean-Paul Brigger Verwaltungsratsdelegierter des FC Basel werden soll. Der neue starke Mann. Ein Walliser, ein Mann der Fifa. Beim Weltfussballverband ist Brigger Leiter des Bereichs Technische Entwicklung. Derzeit weilt er im Rahmen seiner Funktion an der U20-WM in Südkorea, analysiert das Turnier zusammen mit Marco van Basten und Pablo Aimar in technischer Hinsicht. Diese Tätigkeit wird ihm am Freitagabend zum Verhängnis. Kurz vor der Wahl verlangt ein Vereinsmitglied das Votum, sagt: «Gegen die Fifa wurde ermittelt, er hat dort ein wichtiges Amt besetzt. Zudem war er ein sehr enger Vertrauter von Sepp Blatter. Ich werde ihn mit Bestimmtheit und gutem Gewissen nicht wählen.»

«Ein Schuss aus dem Off»

Sein Wort fand Gehör. Zwar stimmen 726 Personen für Brigger und nur 460 gegen ihn. Aber weil sich 315 Mitglieder enthalten, erreicht er das notwendige Mehr von 751 Stimmen nicht. Burgener ist sichtlich geschockt, als Heusler verkündet, dass Brigger die Wahl nicht geschafft hat. Derweil das Publikum applaudiert. Ein Fan-Aufstand gegen Brigger.
Dabei hatte Burgener ihn eigentlich gar nicht vorgesehen als Mitglied des Vereinsvorstands. Diese Idee entstand am Donnerstag im Gespräch mit scheidenden Finanzchef Stephan Werthmüller und dem neuen Ehrenpräsidenten Bernhard Heusler. «Mir hat die Idee gefallen», sagt Burgener. Die Verantwortung für diesen ersten ordentlichen Dämpfer will er nicht abschieben. Er gesteht sogar ein, dass er die Situation nach dem kritischen Votum wohl ein bisschen unterschätzt habe.

Jean-Paul Brigger und Sepp Blatter (rechts).

Jean-Paul Brigger und Sepp Blatter (rechts).

Als es später darum geht, ob der Vereinsdelegierte bei der Wahl von Brigger in den Verwaltungsrat (VR)der FC Basel 1893 AG Ja stimmen soll, wendet sich das Blatt. 983 Mitglieder finden, dass Brigger im VR Einsitz nehmen muss. Warum dieser Stimmungswandel? Weil Burgener nach dem Schock kurz das Votum ergreift, hervorhebt, dass Brigger einen guten Job gemacht habe, nie gegen ihn ermittelt wurde, ein hervorragendes Netzwerk habe und er nicht viel davon halte, dass man Menschen aufgrund von Freundschaften (jene zu Sepp Blatter) vorverurteilt. Als der Kritiker darauf ein paar Sätze entgegnet, erntet er Pfiffe. So schnell kann die Stimmung kippen.

Die ersten Worte von Bernhard Burgener als Präsident im Video:

Bernhard Burgener nach der Stabsübergabe an die neue Führung, die er präsidiert.

Bernhard Burgener nach der Stabsübergabe an die neue Führung, die er präsidiert.

Es ändert nichts daran: Brigger bleibt umstritten. «Er muss sich das Vertrauen erarbeiten», sagt Bernhard Heusler. Und Burgener meint: «Das ist eine Herausforderung für ihn. Aber es war wichtig, dass er in den Verwaltungsrat gewählt wurde.» Wie er Brigger über diese Nicht-Wahl informieren will, weiss er noch nicht. Sicher ist, dass die neuen und alten Führungskräfte nach Ende der GV mehr als zehn Minuten auf der Bühne stehen und sich beraten. Krisensitzung im Rampenlicht.

Bis auf den Brigger-Schock lief die Stabübergabe wie am Schnürchen, perfekt durchdacht. Alles ging auf. Marco Streller, Massimo Ceccaroni und Alex Frei werden mit Glanzresultaten in den Verwaltungsrat gewählt. Auch der wenig bekannte Patrick Jost kriegt das Vertrauen der Vereinsmitglieder. Ebenso Karl Odermatt und Peter von Büren für ihre Tätigkeit im Verwaltungsrat der Holding. Kritik gibt es kaum. Warum auch? Der FCB ist ein Vorzeigeklub. Die Finanzen sind top, die sportlichen Resultate glänzend.
Es war eine Machtdemonstration der Fans, ein Zeichen. Alles ist toll, aber trotzdem kann man mit uns nicht alles machen «Das war ein Schuss aus dem Off. Das müssen wir ernstnehmen», sagt Burgener.

Die Chronologie des denkwürdigen Abends zum Nachlesen im Liveticker:

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