Vor drei Jahren hatten Simon Niepmann, Lucas Tramèr (beide vom Basler Ruder-Club), Simon Schürch und Mario Gyr an den Olympischen Spielen in London den starken 5. Rang belegt. Nachdem es in den letzten beiden Saisons in nicht-olympischen Klassen und in kleineren Booten zahlreiche WM- und EM-Medaillen gesammelt hatte, vereinigte sich das Quartett im Hinblick auf Rio 2016 wieder in seiner angestammten Bootsklasse.

Vor drei Wochen feierte der Vierer ohne Steuermann an der ersten Weltcup-Regatta in Bled (Sln) prompt den ersten Sieg. In Poznan gilt es für die Aushängeschilder des Schweizerischen Ruderverbandes (SRV), das gute Resultat zu bestätigen. Im Vergleich zu Bled ist die Konkurrenz an der EM jedoch deutlich stärker. So waren etwa vor drei Wochen die starken Boote aus Frankreich, Dänemark und Grossbritannien nicht am Start.

Christian Stofer, der Direktor des SRV, ist aber dennoch zuversichtlich: "Nach ihrem guten Saisonstart und dem Ausrufezeichen in Bled warten nun mit den zusätzlichen Konkurrenten neue Herausforderungen auf die vier. Nach ihrem Sieg werden sie von der Konkurrenz sicher nicht mehr unterschätzt."

Nicht nur wegen ihres ersten Weltcup-Sieges zählen die Schweizer derzeit zu den "heissesten" Booten im leichten Vierer. In den vergangenen beiden Jahren hatten Niepmann/Tramèr im Zweier ohne je zweimal WM- und EM-Gold gewonnen, Schürch/Gyr feierten 2013 zudem den Gewinn von EM-Bronze und WM-Silber im leichten Doppelzweier.

In Bled war das Quartett mit Trainingsrückstand zur Weltcup-Regatta gestartet, nachdem Gyr im Frühling wegen einer Operation ausgefallen war und auch Tramèr mit einer leichten Verletzung zu kämpfen hatte. "Seit Bled haben sie aber gut trainiert, und es sind auch alle gesund", so Stofer. Wie das gesamte Schweizer Nationalteam bereiteten sich Schürch, Gyr, Tramèr und Niepmann bis am Pfingstwochenende in einem Trainingslager in Varese (It) auf die EM vor.

Nebst dem Vierer ohne starten in Poznan fünf weitere Schweizer Boote. Weil Michael Schmid wegen eines Bruchs des Mittelhandknochens kurzfristig ausfällt, musste der neue Schweizer Nationaltrainer Ian Wright kurzfristig umdisponieren. Statt Schmid rudert nun Ersatzmann Silvan Zehnder, der ursprünglich für den Einer vorgesehen war, zusammen mit Daniel Wiederkehr im leichten Doppelzweier.

In der offenen Bootsklasse startet Skiffier Markus Kessler, der in Bled in einem allerdings wenig aussagekräftigen Feld überraschend Platz 3 erreicht hatte, und der Doppelvierer mit Roman Röösli, Augustin Maillefer, Nico Stahlberg und Barnabé Delarze. Der Doppelvierer möchte in Rio ebenfalls glänzen. In Bled verpasste das Boot das Podest nur um 6 Hundertstel. Mit dem Resultat war das Quartett aber nicht zufrieden.

Für die EM ändern die vier die Sitzordnung im Boot. Neu wird wie an der WM 2014 Röösli die Position des Takt gebenden Schlagmanns einnehmen. Bisher hatte in dieser Saison Delarze diesen Platz eingenommen. "Manchmal ist es gut, einen neuen Impuls zu geben", sagte Stofer zu diesem Wechsel.

Die Schweizer Delegation wird komplettiert mit zwei Frauenbooten: Jeannine Gmelin im schweren Skiff sowie Patricia Merz/Frédérique Rol im leichten Doppelzweier. Insgesamt setzt sich der SRV fünf Top-10-Plätze inklusive zweier Finaleinzüge (Top sechs) und einer Medaille zum Ziel.

Für den Grossteil der Schweizer bedeutet die Bahn in Poznan Neuland. Letztmals fand auf der polnischen Anlage, auf der am Wochenende viel Wind erwartet wird, vor sechs Jahren ein bedeutender Wettkampf (WM) statt. Für die EM, die allgemein sehr gut besetzt ist, sind 231 Boote mit knapp 600 Athleten aus 36 Nationen gemeldet. Einzig Italien bleibt von den grossen europäischen Nationen den Titelkämpfen fern.