Therwil Flyers

Noch ein Sieg zum Meistertitel und der Schnauz kann weg

Der Fokus von Stefan Koller liegt voll auf dem dritten Spiel gegen die Zürich Challengers.

Der Fokus von Stefan Koller liegt voll auf dem dritten Spiel gegen die Zürich Challengers.

Die Baseballer der Therwil Flyers führen im Final gegen die Zürich Challengers mit 2:0. Am Samstag können sie Schweizermeister werden. Trotz der komfortablen Führung wird dies nicht einfach. Neben dem Titel geht es für die Flyers auch um die Zukunft ihrer temporären Gesichtsbehaarung.

«Come on», hallt es in schallender Lautstärke durch die Turnhalle in Therwil. Mit krachenden Schlägen donnern die Baseball-Spieler der Therwil Flyers den Ball an die gegenüberliegende Wand - oder versuchen es zumindest. Ab und zu knallt ein verunglückter Abschlag an die bröckelnde Hallendecke. «Out», rufen dann die Verteidiger, die sich in jeden Schlag werfen, um den Ball abzufangen.

Die lauten Zwischenrufe werden zusätzlich verstärkt, da die Baseballer ihr Training drinnen absolvieren müssen. Das Wetter macht ihnen bei der Hauptprobe vor dem entscheidenden Finalspiel gegen die Zürich Challengers am Samstag einen Strich durch die Rechnung. Der strömende Regen plätschert unablässig auf den grünen Rasen des Sportplatzes Känelmatt, wo das Training der Therwil Flyers normalerweise stattfindet. Der guten Stimmung in der Mannschaft tut das Wetter keinen Abbruch, auch wenn das Hallentraining «nicht die perfekte Situation ist», wie es John Baum, Trainer der Flyers, in der Teamansprache formuliert.

Die Mannschaft des Amerikaners hat auch keinen Grund, schlecht gelaunt zu sein. Im Gegenteil: In der Finalserie gegen die Rivalen aus Zürich führen sie dank zwei knappen Heimsiegen vom vergangenen Wochenende mit 2:0. Es fehlt noch ein Sieg, um sich nach einem Jahr Unterbruch wieder zum Schweizer Baseball-Champion zu küren. Drei Möglichkeiten haben die Therwiler, die erste diesen Samstag in Zürich.

Trotz der komfortablen Ausgangslage warnt Stefan Koller, Spieler und Veteran der Flyers: «Die Challengers haben zwar einen Berg zu besteigen, haben aber nichts mehr zu verlieren.» Das mache sie umso gefährlicher. «Sie werden uns nochmals mit dem Mute der Verzweiflung herausfordern.» Auf die Frage, ob die Flyers aufgrund der 2:0-Führung bereits mit einem Bein Meister sind, folgt ein deutliches Nein. «Wir sind noch nicht einmal mit einem Zeh Schweizermeister», fügt Koller an, der mit den Flyers bereits fünf Mal den
Pokal in die Höhe stemmen konnte.

Die Rivalität Basel - Zürich zeigt sich auch im Baseball

Das Finalduell gegen die Challengers ist zusätzlich brisant. Gegen die Zürcher konnte Kollr mit seinen Flyers noch nie einen Final für sich entscheiden. Das will etwas heissen: Seit über 20 Jahren fängt der 39-Jährige für die Therwiler Bälle und pfeffert sie durch die Luft.

Auch im letzten Jahr behielten die Zürcher im entscheidenden fünften Finalspiel die Oberhand. Ein Sieg in diesem Jahr wäre deshalb eine besondere Genugtuung. «Es wäre für uns das Grösste, wenn wir sie mit 3:0 nach Hause schicken könnten», sagt Koller. Es wäre ein «Sweep», wie im Fachjargon ein Finalsieg ohne Niederlage genannt wird. Die Flyers, die bereits den Halbfinal souverän mit 3:0 gegen die Zürich Barracudas gewannen, wollen gegen die Challengers mit einem dritten Sieg makellos bleiben.

Stefan Koller hat den bauschigsten Schnauz seiner Mannschaft.

Stefan Koller hat den bauschigsten Schnauz seiner Mannschaft.

   

Ein Triumph auswärts in Zürich wäre für die Therwiler doppelt speziell. Die Rivalität Basel gegen Zürich kommt auch im Baseball deutlich zum Vorschein. Die Wogen gehen hoch, Provokationen werden auf und neben dem Platz ausgetauscht. «Ein Zürcher Fan hat einem Spieler von uns beim Heimspiel von vergangener Woche sogar eine Verletzung gewünscht», sagt Koller.

Bauschiger Schnauz als Markenzeichen im Final

Stefan Koller nimmt aufgrund seiner Erfahrung eine wichtige Rolle bei den Flyers ein. Er bezeichnet sich als «den verschlissenen Veteran». Vor allem im mentalen Bereich unterstützt er die anderen Spieler. Als Leader geht er auch bei einem optischen Markenzeichen mit gutem Beispiel voran. Mit seinem ausgeprägten Schnauz erinnert er an einen amerikanischen «Südstaaten-General», wie er es selbst formuliert.

Der Grund für die ausgefallene Gesichtsbehaarung ist nicht optischer, sondern sportlicher Natur. Für den Halbfinal lassen sich die Baseball-Spieler einen Bart wachsen, den sie bei einem Finaleinzug auf einen Schnauz reduzieren. Nicht alle Teamkollegen von Koller weisen einen derart bauschigen Schnauz auf wie er. Aber auch Koller hofft, ihn sobald wie möglich zu entfernen. Denn je schneller der Schnauz weg ist, desto eher ist er mit den Flyers Schweizermeister. Am liebsten schon diesen Samstag.

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