Ehe es morgen Donnerstag beginnt, kann das Eidgenössische Turnfest in Biel bereits einen gewaltigen Erfolg feiern: Mit 17 000 Jugendlichen sind viereinhalb Mal mehr Kids und Teens mit von der Partie, als noch vor sechs Jahren in Frauenfeld.

«Wir haben auf 10 000 gehofft», räumt Wettkampfleiter Thomas Jäger ein. Dass das Ziel nun meilenweit übertroffen werden konnte, freut den 33-jährigen Aargauer natürlich. Es sei überwältigend, meint er.

Allerdings hat Jäger im Verlauf der letzten dreieinhalb Jahre auch viel zu diesem «Triomphe de la jeunesse» beigetragen.

«Ich bin fast 9000 Kilometer durch das Land gefahren, um bei Vereinen, an Versammlungen und bei Veranstaltungen für das Eidgenössische in Biel zu werben.»

Das «Marketing by Presenting» ist offenbar glänzend angekommen. «Ich hatte sehr viele sehr positive Echos», hält Jäger fest.

Die Basis habe es geschätzt, dass sie ihre Fragen bezüglich ETF-Wettkampf-Programm dem Gesamt-Wettkampfleiter persönlich stellen konnte.

Folglich resümiert Jäger: «Muss das der Weg für die Zukunft sein: vermehrt den Kontakt zur Basis pflegen.»

Persönlicher Kontakt geschätzt

Einmal, so erzählt der hauptberuflich als Finanzchef einer KMU tätige Jäger, seien an einer Veranstaltung statt der erwarteten 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fast 100 im Saal gesessen.

«Man hat quasi ein Happening aus meinem Besuch gemacht», so der Turner vom TV Herznach, der in Villigen lebt.

Oft habe er während seines «Wahlkampfes pro Turnfest» auch gehört, dass Vereine allein der Tatsache wegen nach Biel reisen würden, um dem Einsatz des Wettkampfleiters Anerkennung zu zollen.

Allein, es gibt noch einen anderen, triftigen Grund dafür, dass die 6- bis 16-Jährigen heuer in Biel rekordmässig vertreten sind und so den Altersdurchschnitt der rund 60 000-köpfigen Turnerschar gegenüber den letzten Eidgenössischen massiv herunterschrauben. Statt drei gibt es in Biel neu fünf Jugendkategorien (U8, U10, U12, U14, U17).

Die jüngsten zwei Kategorien sind neu. «Damit kann der 7-Jährige im Vereinswettkampf Jugend genau gleich viel zum Gesamtresultat beitragen wie der 16-Jährige», erklärt Jäger.

Dies, da etwa seine 2,50 m im Weitsprung dank eines adaptierten Umrechnungsschlüssel genau gleich viel oder noch mehr Punkte liefern können wie die 5,30 vom 16-Jährigen.

Kommt hinzu, dass gewisse Disziplinen wie der Unihockey-Parcours, der Spieltest Allround oder der Hindernisparcours in sich aufgepeppt worden sind.

So wurden da und dort Bälle eingebaut oder die Umrundung eines Hindernisses durch eine Unter- oder Überquerung ersetzt.

Früher haben viele Vereine ihre jüngsten Mitglieder oft zuhause gelassen, weil sie den Notendurchschnitt nach unten gezogen hätten. Diesmal sieht das ganz anders aus.

Die Wichtigsten eingebunden

Warum das mit dieser Einbindung der Jugend – der wichtigsten Zielgruppe des Schweizerischen Turnverbandes im Hinblick auf die Erhaltung der Gattung Turner – so lange gedauert hat, kann Jäger nicht erklären.

«Wir kennen dieses Model im Kanton Aargau schon seit zehn Jahren und konnten es jetzt glücklicherweise auf Stufe STV übernehmen.»

Gerade für die Kleinsten kann ein frühes Erfolgserlebnis bekanntlich prägend für den Rest des Lebens sein. «Mir hat es am ETF 1996 in Bern den Ärmel reingezogen», erinnert sich Jäger.

Ganz nach der Devise: Einmal Turner, immer Turner. In diesem Sinn darf man davon ausgehen, dass in den nächsten Tagen in Biel so manch ein Piccolo oder eine Piccola ebenfalls für immer vom packenden und faszinierenden Turnvirus infiziert werden wird.