Das vermeintliche Entscheidungsspiel um den letzten verfügbaren Cup-Platz fand unter besonderen Umständen statt: Die Old Boys konnten nicht wie gewohnt in der heimischen Schützenmatte spielen, sondern mussten wegen des „Bebbi-Sprint“ ins Leichtathletikstadion St. Jakob ausweichen. Ausser ein paar Lachern von Interims-Stadionspeaker Andy war jedoch nicht viel anders als in der angestammten Heimstätte der Gelbschwarzen – Glück brachte der Ortswechsel dem Quartierklub auf jeden Fall nicht. „Es ist schade, dass es wieder spannend“, meinte OB-Trainer Samir Tabakovic nach der bitteren 0:1-Niederlage gegen den FC Rapperswil-Jona. Die mit ex-Super League-Spielern wie Jonas Elmer oder Remo Staubli angetretenen St. Galler haben somit den Rückstand auf die Old Boys von sechs auf drei Punkte verkürzt und können noch von der direkten Cup-Qualifikation träumen. Für diese muss man unter die Top vier kommen, für die restlichen Promotion-League-Teams gilt es noch eine Qualifikationsrunde zu absolvieren, um in die erste Runde des Schweizer Cups zu gelangen. Vor zwei Wochen hatte OB noch sieben Punkte Vorsprung auf Rapperswil, nun sind es also noch drei. „Es fehlte wieder der Wille bei meinen Spielern, Chancen hatten wir eigentlich genug“, erklärte Tabakovic. Tatsächlich war die erste Hälfte von beiden Teams etwas träge, auch wegen den hohen Temperaturen. Erst nach der Halbzeitpause ging mehr bei beiden Mannschaften.

«Gegentor praktisch von der Grundlinie»

Die Old Boys traten mit einer etwas unkonventionellen Aufstellung auf: Der sonst torgefährliche Flügelspieler Mergim Ahmeti spielte auf der rechten Abwehrseite, Muhamed Demiri – sonst im zentralen Mittelfeld aktiv – bildete zusammen mit Loic Limanaj die Innenverteidigung und Valentin Mbarga durfte im linken Mittelfeld ran. Das klappte eigentlich ganz ordentlich, vor allem Ahmeti machte ein sehr gutes Spiel. Auch offensiv ging etwas. Mickaël Feghoul und vor allem Pascal Rietmann hätten OB in Führung bringen können. Doch wenige Minuten vor Schluss dann der Schock: Ex-FCZ-Spieler Remo Staubli lancierte bei einem Konter Pecci auf der rechten Seite, der sich den Ball etwas gar weit vorlegte und „praktisch von der Grundlinie ins Tor traf“, wie es einige Zuschauer auf der Tribüne monierten. Auch Tabakovic ärgerte sich: „Da seht unsere Abwehr und auch der Torhüter nicht ganz glücklich aus.“ Es bleibt zu hoffen, dass die Old Boys diese Cup-Qualifikation nächste Woche bei Brühl St. Gallen schaffen. Dazu braucht es einen Punkt oder zumindest die Bewahrung des besseren Torverhältnisses gegenüber Rapperswil (+10 gegenüber +6). Ansonsten wäre dieser Abschluss in einer Saison, in der auch schon vom Aufstieg gesprochen wurde, eine herbe Enttäuschung. JWE

BSC Old Boys – FC Rapperswil Jona 0:1 (0:0)

LA-Stadion – 150 Zuschauer - SR Cibelli – Tor: 87. Pecci 0:1

OB: Keller; Ahmeti, Limanaj, Demiri, Tiago Lopes; Müller, Sevinc, Sahin (46. Akbulut), Mbarga (64. Rietmann); Barry, Feghoul (78. Bartlomé).

Rapperswil-Jona: Yanz; Fischer, Kllokoqi, Simani, Elmer; Pecci; Schwizer (81. Junuzi), Texeira (84. Gavric), Rohrbach, Le Bigonsan (73. Yesilcayir); Staubli.


Bemerkungen: OB ohne Leuthard (verletzt) und Gutierrez (gesperrt). Rapperswil unter anderem ohne die Nordwestschweizer Carlos Da Silva und Florent Pepsi (beide verletzt).