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Ob Valentin Stocker jemals der Alte wird? Drei Erkenntnisse aus dem YB-Spiel

Der FC Basel verpasst es in einem spektakulären Spiel YB zu bezwingen. Auch weil Rückkehrer Valentin Stocker gleich zwei Hochkaräter vergibt. Früher war er der YB-Schreck, jetzt ergiesst sich der Berner Spott über ihn. Was das Spiel sonst noch gezeigt hat.

Sébastian Lavoyer
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Keystone

Zuerst die nüchternen Fakten: Auch nach dem Spitzenkampf in Bern beträgt der Rückstand des FCB auf YB 16 Punkte. Die weiteren Erkenntnisse aus einem packenden Spitzekampf:

1. Valentin Stocker verkörpert das diesjährige Scheitern des FCB

Er kam im Winter nach dreieinhalb Jahren in der Bundesliga in Berlin zurück nach Basel. Und Basel frohlockte, als die Kunde von Valentin Stockers Rückkehr die Runde machte. Er ist einer jener Spieler, die in Basel geliebt und überall sonst wenigstens ein bisschen verabscheut werden. In Bern wurde er während dem ganzen Spiel mit Pfiffen eingedeckt. Zweimal war Stocker entscheidend daran beteiligt, dass der FCB YB auf der Zielgerade abfing (2008 und 2010). Doch Stocker bringt die Berner nicht mehr zum Zittern, er bekommt selbst wacklige Knie. Im ostermontäglichen Spitzenkampf vergibt er beim Stand von 2:2 gleich zwei riesen Gelegenheiten.

Es gibt Leute, die ihn nun zum Nostalgietransfer abstempeln. Es mag wohl sein, dass bei seiner Verpflichtung eine Portion Wehmut mitspielte. Aber man darf nicht vergessen: Stocker kam in Berlin in den Monaten vor seinem Wechsel kaum zum Zug, hatte keinen Rhythmus. In den ersten Spielen für Rotblau 2018 blieb er blass. Gegen YB kommt er erstmals wieder zu gefährlichen Szenen. Klar, er vergibt sie, aber es kommt nicht von ungefähr, dass Trainer Raphael Wicky sagt: «Vali ist in aufsteigender Form. Ich bin überzeugt, dass die Fans schon bald wieder den alten Vali sehen werden, der diese Tore dann auch macht.»

2. Die Meisterschaft ist gelaufen, aber das Team lebt

Damit sind wir bei der zweiten Erkenntnis: Obwohl der Meisterzug abgefahren ist, hat sich der FCB aufgerafft und gegen YB eine beherzte Leistung gezeigt. Obwohl anfänglich alles darauf hindeutete, dass die Rotblauen ähnlich unter die Räder kommen, wie Ende Februar im Cup-Halbfinal. So ängstlich, so verunsichert präsentierten sich die Basler zu Beginn des Spiels. Doch mit dem Traumtor von Hoarau fing sich der FCB, man nutzte die plötzlich vorhandenen Räume und brachte die Berner arg in Bedrängnis. Für die Klubführung ist das ein deutliches Zeichen: Trainer und Team funktionieren noch, da steckt noch Leben drin, da gibt es noch Hoffnung.

Allerdings im Hinblick auf nächste Saison. FCB-Trainer Raphael Wicky nannte das Spiel in Bern als Spiel der letzten Chance, zugleich aber wollte er nach dem verpassten Sieg nicht zum Titel gratulieren. Das hat seine Logik, denn gäbe ein Trainer auf, so lange rechnerisch noch alles möglich ist, wäre das eine Bankrott-Erklärung. Zugleich wirkt es aber auch ein bisschen schönfärberisch. Denn YB braucht noch 14 von 27 Punkten aus den letzten neun Spielen. Und das werden die Berner schaffen. Sie haben dieses Jahr von neun Spielen deren acht gewonnen und gestern das einzige Unentschieden gespielt.

3. Der Königstransfer verkommt zum Statisten

Im Sommer präsentierte Sportchef Marco Streller den Holländer Ricky van Wolfswinkel als Königstransfer. Und tatsächlich legte der neue Mann gleich ordentlich los, erzielte in den ersten sieben Meisterschaftsspielen sieben Tore. Dann verletzte er sich gegen Benfica Lissabon, bei jenem historischen 5:0-Triumph zu dem er ein Tor und einen Assist beisteuerte. Es sollte bis heute sein letztes Tor bleiben. Zwar meldete sich Van Wolfswinkel noch vor der Winterpause zurück und verkündete wenig später, dass er noch immer die Nummer 1 im Sturm sei.

Jetzt, drei Monate später, sieht freilich alles ganz anders aus. Albian Ajeti hat dem Holländer den Rang abgelaufen. Doch nicht nur das: Als Wicky Ajeti rausnimmt, bringt er nicht etwa Van Wolfswinkel, sondern Dimitri Oberlin zuerst. Van Wolfswinkel wird zwar wenig später auch noch eingewechselt, aber er ist zum Statisten verkommen.

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