«Die Kritik, dass unsere Preise für Übernachtungen und Tickets massiv überrissen sein sollen, lässt uns nicht kalt», sagt Francesco Rappa. Der 47-jährige Burgdorfer ist OK-Vizepräsident des Eidgenössischen Schwingfests (ESAF) in seinem Wohnort und als einstiger Präsident des Kandidatur-Komitees massgeblich dafür verantwortlich, dass der grösste Sportanlass des Landes Ende August in der Emmestadt stattfindet.

Man habe sich die Kritik von Schwingfreunden landauf, landab zu Herzen genommen und nachgerechnet. «Aber», führt Rappa aus, «wir kalkulieren nicht mit einem Riesengewinn, sondern mit einer schwarzen Null. Darum sind wir auf die so ausgerechneten Einnahmen punkto Ticketing und Hosting angewiesen.»

Schliesslich werde die gesamte Infrastruktur auf einer grünen Wiese von Grund auf- und nach dem Fest wieder abgebaut. «Da gehört ein kompletter Campingplatz auf dem Festgelände dazu, wie er sonst irgendwo fix installiert ist.»

Hin- und Rückreise inbegriffen

Als Abzocker fühlten er und seine OK-Kollegen sich darum ganz und gar nicht. «Auch wenn ich verstehen kann, dass die Preisaufschläge gegenüber dem letzten ESAF in Frauenfeld von rund 16 Prozent fürs Ticket und rund 40 Prozent für die Übernachtung Unmut auslösen können.» Missstimmung, die das OK auch via Telefon oder Mail vernimmt. «Allerdings», relativiert Rappa, «reden wir da nicht von Tausenden von Mails, sondern von einigen Dutzend.»

Der OK-Vizepräsident verweist in dem Zusammenhang darauf, dass im Ticketpreis auch die Hin- und Rückreise mit dem ÖV sowie das gesamte Unterhaltungsangebot auf dem Festgelände – etwa mit Auftritten von Francine Jordi oder Oeschs die Dritten – inbegriffen sei. «Wo kriegt man das sonst zu dem Preis?» Ein allfälliger Gewinn im Übrigen ginge zu 75 Prozent an die Helfer, sprich Vereine. Und: «Es ist uns ein grosses Anliegen», so Rappa, «dass wir diese 8 Franken pro Helferstunde letztlich auch ausbezahlen können.»

Zusätzlicher Meteorologe im Team

Rappa ist guter Dinge mit Blick auf die weitere Vorbereitung auf das erstmals im Emmental stattfindende Grossereignis: «Alles läuft plangemäss.» Während der letzten Vorbereitungsphase lege man jetzt das Augenmerk vorab auf die Einhaltung der Kosten.

Darauf also, dass nicht plötzlicher Aktionismus den Rahmen des 25-Millionen-Budgets noch sprengen könnte. Was die Geschehnisse rund ums Eidgenössische Turnfest vor wenigen Wochen in Biel angeht, sagt der Burgdorfer, «haben uns diese zusätzlich sensibilisiert.»

In der Abteilung Sicherheit seien zwar schon von Anfang an Naturgefahrenspezialisten dabei, jetzt aber «haben wir noch zusätzlich einen Meteorologen im Team.» Selbst wenn ohne Jura und ohne See die Gefahr von derart heftigen Stürmen, wie sie in Biel zweimal übers Festgelände donnerten und beim zweiten Mal mehr als 90 Verletzte forderten, in der Ey zu Burgdorf deutlich geringer sei. «Trotzdem legen wir grossen Wert auf die Sicherheit», hält Rappa fest. Auch dies verursache nebst der grösseren Arena gegenüber Frauenfeld und gestiegenen Kosten im öffentlichen Verkehr zusätzliche Kosten, die gedeckt sein wollen.

500 Tiere am Umzug mit dabei

Stolze Preise hin oder her – das Interesse am ESAF in Burgdorf ist gewaltig. Kommunikationschef Raphael Wild ist derzeit einer der meist beschäftigten Leute im 240-köpfigen Ok. Medienvertreter wachsen wie Pilze aus dem Boden und an Anfragen aus der Bevölkerung, «richtiger» Medien und anderer, involvierter Parteien mangelt es an keinem Tag. «Wir sind ausserdem überrascht, wie enorm die Nachfrage an Baustellenbesichtigungen ist», sagt Rappa.

Apropos Baustelle: Was die derzeit einzige, riesige Baustelle in Burgdorf angeht, die auch ohne das Eidgenössische für erhebliche Verkehrsengpässe sorgt, sagt der OK-Vizepräsident: «Während des Schwingfests wird Burgdorf schon wegen des Umzugs, der am Freitag und Samstag stattfindet und an dem 500 Tiere dabei sein werden, frei von Baustellen sein.» Der Verkehr sollte dann also bestmöglich rollen und die Kühe, Pferde, Geissen und sonstigen Landviecher freie Bahn vorfinden.

Und was die Rinder und Schweine auf dem Grill und die Trauben und Gerste in Flaschen, Gläser und Büchsen angeht, prophezeit Rappa, dass diese «nicht teurer sein werden, als man sich dies von früheren Festen gewohnt ist.»