703 Nationalliga-A-Spiele, dazu 125 in der NLB, verteilt auf 18 Jahre Profi-Eishockey. Eigentlich eine grossartige Zahl und eine Bestätigung für kontinuierlich gute Leistungen. Trotzdem zuckt Oliver Kamber nur mit der Schulter, wenn er zu dieser bemerkenswerten Statistik befragt wird: «Als Hockeyspieler macht man sich eigentlich nicht zu viel aus solchen Jubiläen. Höchstens bei 1000 Partien wird es etwas Spezielles – wenn überhaupt.»

Man merkt schnell, dass der 35-Jährige ein pragmatischer Denker ist. So legt Kamber mehr Wert auf Skorerpunkte, denn «diese sind es, die dir Argumente in einer Vertragsverhandlung liefern».

Europa erobert

Mit einem Qualifikationsschnitt von 0,54 Punkte pro Spiel muss sich der in Sissach geborene Kamber aber auch hier nicht vor grossen Namen, wie beispielsweise seinem Vorbild Patrick Sutter (0,48 Punkte pro Partie), verstecken.

Zwar bleibt der Gewinn eines Schweizer-Meister-Titels für Kamber bisher eine offene Rechnung, doch einen Titel für die Ewigkeit konnte sich der Flügelstürmer mit den ZSC Lions sichern: den Gewinn der Champions Hockey League 2009. An diesen Erfolg erinnert sich der Routinier gerne zurück. «Das ganze Turnier war grandios. Eigentlich sind wir ohne Kredit gestartet, die Russen waren haushohe Favoriten. Dennoch haben wir uns Runde für Runde weitergekämpft und konnten am Schluss den Pott in die Höhe stemmen», sagt Kamber und schiebt sogleich nach: «Es waren auch die vielen Reisen, die diesen Wettbewerb zu etwas Besonderem werden liessen.»

Ebenfalls unvergessen bleibt für den aktuellen EHC-Biel-Stürmer der Aufstieg 2001 mit dem HC Lausanne. «Aber auch der Abstieg mit den Westschweizern werde ich nie vergessen. Das Publikum hat uns Spielern mit allen möglichen Gegenständen beworfen», erzählt der 703-fache NLA-Spieler.

Zukunft ungewiss

Mit seinem Karriereverlauf ist der Baselbieter aber grundsätzlich zufrieden. «Ich durfte in vielen schönen Städten spielen, habe durch meine Stationen in der Westschweiz und im Tessin zwei weitere Sprachen gelernt und sowieso durfte ich mein Hobby zum Beruf machen», so der 35-Jährige.

Wo er nächste Saison auflaufen wird, weiss der Wandervogel, der in seiner Laufbahn für acht verschiedene Vereine gespielt hat, nicht. An ein Karriereende denkt Kamber jedoch noch nicht: «Solange ich Spass am Eishockey habe und gesund bin, höre ich bestimmt noch nicht auf. Ich habe schon meine Idee, was ich kommende Saison mache. Konkret ist aber noch nichts.»

Immer noch heiss

Gut möglich, dass also noch eine neunte Station folgen wird – bevor die Schlittschuhe an den Nagel gehängt werden. «Über mein Leben nach dem Eishockey mache ich mir immer mehr Gedanken», erklärt Kamber – was dies sein soll, behält er aber noch für sich.

Dieses Leben scheint aber noch in weiter Ferne. Besonders deutlich wird dies bei folgender Aussage des Wahl-Bielers: «Trotz meiner mehr als 700 Nationalliga-Spiele freue ich mich über jede gelungene Aktion, über jede tolle Vorlage. Es ist noch dasselbe Feuer und dieselbe Leidenschaft wie vor
15 Jahren.»