Oliver Kurmanns Schachkarriere stehe am Scheideweg. «Ich muss mich nun entscheiden. Ich möchte weiter Schach spielen, aber fange jetzt dann mit Arbeiten an und werde somit Prioritäten setzen», erläutert der Innerschweizer. Wieso nicht die Profikarriere anstreben? «Ich träumte als Kind von einer Karriere als Profispieler. Heutzutage ist es zwar möglich, aber es sehr schwierig und man muss ziemlich erfinderisch sein. Mit einer Familie wäre dies noch schwieriger», denkt Kurmann. Seine Karriere habe der Schweizer Nationalspieler erst spät gestartet.

Mit zwölf Jahren habe er bei einem ausgeschriebenen Turnier teilgenommen und gleich gewonnen. «Ich wollte ehrlich gesagt zuerst immer Fussballprofi werden, musste mich aber dann zwischen Fussball und Schach entscheiden – der Denksport gewann», erinnert sich der Innerschweizer. «Schach ist ein unglaublich komplexer Sport, auch auf der mentalen Ebene. Es verlangt ständige Arbeit, das macht den Reiz aus», erklärt Kurmann. Durch die grosse mentale Anstrengung brauche der junge Spieler aber auch einen Ausgleich, welchen er im Bewegungssport fände, wie er erläutert: «Ich spiele oft Squash und Badminton, um mich auch physisch auszutoben. Das brauche ich einfach und es ist auch wichtig, damit man die Kondition hat um in einem Spiel über drei bis vier Stunden oder noch länger die Aufmerksamkeit aufrecht zu erhalten.»

Ansonsten müsse er mit Bananen, Schokolade oder auch Kaffee nachhelfen, um die Konzentration nicht zu verlieren. Diese sei enorm wichtig beim Schach, wie der Luzerner sagt: «Man muss die volle Leistung erbringen und die psychologischen und mentalen Aspekte beachten. Man kennt als Spieler die Stärken und Schwächen des Gegners und muss somit seine nächsten Züge und Strategien abwägen. Da spielt die Konzentration eine wichtige Rolle.» Doch was macht einen guten Schachspieler aus? «Die perfekten Eigenschaften in ein paar wenigen Sätzen zu erläutern, ist wohl kaum möglich. Wichtig ist aber sicher, dass er alle Stellungstypen spielen kann und in jeder Ausgangslage richtig handeln.»

Der Jurastudent scheint die Vorzüge eines Profispielers auch zu geniessen. «Als Profi reist man viel und als junger Spieler sind dies unvergessliche Erfahrungen», erläutert er. Eine grosse Ehre sei für ihn auch, dass er in der Schweizer Schachnationalmannschaft spielen dürfe. Die Belastung sei aber zeitweise gross gewesen, was er während des Gymnasiums erleben musste. Während der Studienzeit habe er den Vorteil gehabt, dass er durch eine gute Planung an vielen Turnieren teilnahm und trotzdem sein Studium abschliessen konnte. In der Zukunft werde er kaum vollends auf Schach verzichten können.