Eishockey

Olivier Schäublin und der EHC Basel: Eine ganz besondere Beziehung

Olivier Schäublin ist der letzte Spieler, der beim EHC Basel jemals die Nummer 55 getragen hat. Sein Trikot wurde feierlich unter das Arena-Dach gehängt.

Olivier Schäublin ist der letzte Spieler, der beim EHC Basel jemals die Nummer 55 getragen hat. Sein Trikot wurde feierlich unter das Arena-Dach gehängt.

Bis 2016 stand der heutige Sportchef Olivier Schäublin 428 Mal für den EHC Basel auf dem Eis. Jetzt erweist ihm der Verein eine besondere Ehre.

Als Olivier Schäublin kurz vor Weihnachten zum Heimspiel seines EHC Basel gegen den EHC Seewen fährt, erwartet er ein Spiel wie jedes andere. Doch es kommt anders. Der langjährige Spieler und heutige Sportchef der Basler wird von Präsident Daniel Schnellmann unter einem Vorwand zum Eis gelockt – und muss dann vor die Zuschauer treten.

Dort erblickt er erstmals den Anlass für die Aufregung: Unter dem Tribünendach der St. Jakob-Arena prangt sein Trikot mit der Nummer 55. Der EHC Basel vergibt diese fortan nicht mehr und macht Schäublin damit offiziell zur Vereinslegende. Nach Stefan Voegele ist er erst der zweite, dem diese Ehre zuteil wird. «Das war eine wunderschöne Überraschung. Meine Eltern waren da und durften den Moment miterleben. Es war für mich ein toller Rahmen. um doch noch einen Schlussstrich unter meine Spielerkarriere zu ziehen», sagt Schäublin.

Dieser blieb ihm bei seinem Rücktritt 2016 nämlich verwehrt. Nach 428 Spielen – allein für den EHC Basel – und weiteren Stationen in Genf, Visp, Biel, Chur, Lausanne, Sierre, Fribourg und Langenthal sowie drei NLB-Titeln und einer NLA-Silbermedaille endete Schäublins Karriere fast schon klammheimlich nach einer Playoff-Niederlage in Thun.

Vom Junioren-Goalie zum NLA-Verteidiger

Die Karriere des heute 42-jährigen Berners begann kurios. «Bei den Junioren des EHC Burgdorf war ich zuerst Goalie. Weil wir aber zu viele hatten und uns abwechselten, begann ich, auch draussen zu spielen. Erst mit 14 war ich fix Feldspieler», erinnert sich Schäublin. Er begann seine Karriere in einer Zeit, in der im Eishockey vieles noch anders lief. So machte er nebenbei gleich zwei Ausbildungen, eine zum Elektriker und eine zum Kaufmann. Bei seiner ersten NLB-Station in Genf schuftete er parallel als Hotelelektriker. Bald schon konnte er sich aber voll auf den Sport fokussieren. «Ich wüsste heute aber noch, wo der Sicherungskasten in der Arena steht, falls einmal Not am Mann sein sollte», sagt er lachend. Ohnehin scheint Schäublin mit seinem Werdegang zufrieden zu sein. «Ich bereue eigentlich nur etwas: Den verlorenen NLA-Playoff-Final mit Fribourg.»

Eine Beziehung zwischen Liebe und Scherben

2000 heuert Schäublin erstmals in Basel an. Es ist der Beginn einer besonderen Beziehung, die nur von einem Abstecher nach Lausanne und Sierre unterbrochen wird. 2014 verlässt Schäublin den Verein aber wegen Diskrepanzen mit der damaligen Führung in Richtung Langenthal. Ein halbes Jahr später meldet der EHC plötzlich Konkurs an. «Ich war natürlich geschockt und traurig für den Verein, die Menschen dahinter und alles, was wir aufgebaut hatten», erinnert sich Schäublin. «In dieser Zeit habe ich gemerkt, wie speziell die Verbindung zwischen mir und dem EHC ist. Das hat mich dazu bewogen, zurückzukommen und zu helfen, den Scherbenhaufen aufzukehren.»

Im Folgejahr kehrt Schäublin zurück, übernimmt neben seiner Rolle auf dem Eis auch Management-Aufgaben. Den Rückschritt auf das Niveau der 1. Liga nimmt er für diese Aufgabe hin. «Ich bin grundsätzlich einer, der sich enorm von Projekten und Challenges motivieren lässt. Wenn ich etwas mache, will ich daran glauben.»

Der Wechsel ermöglicht ihm zudem einen graduellen Rückzug. «Das hat mir bei der Umstellung vom Profi zum Bürojob sehr geholfen. Ich war enorm froh, als sich 2016 die Chance bot, voll ins Amt des Sportchefs überzutreten. Der Wechsel kam zum richtigen Zeitpunkt, ich konnte aufhören ohne Altlasten aus Verletzungen mitzunehmen, es war wortwörtlich ein schmerzfreier Übergang», sagt er. Und trotzdem brauchte der Entscheid für einen neuen Lebensabschnitt Überwindung: «Für mich war wichtig, dass nach der Karriere keine Leere entsteht. Andere brauchen vielleicht Abstand, um alles zu verarbeiten. Ich hingegen war froh, in der Materie zu sein. Die Leidenschaft ist geblieben.»

Als Sportchef erledigt Schäublin diverse Aufgaben um die 1. Mannschaft, betreut Sponsoring, Marketing sowie Nachwuchsförderung und leitet die Transfergeschicke des Clubs. Aufgaben, die bei NLA-Vereinen jeweils einen eigenen Verantwortlichen haben. «Logisch hat man wenig Zeit, um alles perfekt zu machen. Das stört mich manchmal, da ich hohe Ansprüche habe», so der Perfektionist. Doch Schäublin macht er seinen Job trotzdem mehr als gern. «Wir machen beständig kleine Schritte in die richtige Richtung. Das ist nach der Konkurs-Vergangenheit enorm viel wert.»

Mit dem EHC will Schäublin noch einige Kapitel Vereinsgeschichte schreiben. Zu dieser hat er als Spieler schon viel beigetragen: «Die zwei Aufstiege und die anschliessenden Feiern mit dem Team sind meine schönsten Erinnerungen. Die Velofahrt in voller Ausrüstung den Spalenberg hinunter werde ich nie mehr vergessen.» Natürlich gäbe es aus fast vierzehn EHC-Jahren noch so manche Anekdote zu erzählen. «Aber das Schöne an solchen Geschichten ist ja, dass man sie mit den Kollegen im Kopf hat und sie nicht immer in die Welt hinaus trägt. Es wurde nie zu knapp gefeiert früher, sagen wir es so», sagt Schäublin, grinst und macht sich wieder an die Arbeit.

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