Die Konstellation vor dem siebten und letzten Rennen des BMC Racing Cup in Basel hätte man sich kaum besser ausdenken können. Lukas Flückiger führt das Klassement an, einen einzigen Zähler vor seinem BMC-Teamkollegen Ralph Näf. Selbst wenn man die Liste durch das zweite Streichergebnis bereinigt, so sind es auch nur vier Zähler, die Lukas Flückiger von Ralph Näf voneinander trennen.

Doch sind Flückiger und Näf nicht nur Teamkollegen. Sie sind auch dicke Kumpel und bewohnen auf Reisen immer ein Doppelzimmer. Insofern wird es ein ganz besonderes Duell um Tages- und Gesamtsieg.

«Es werden keine Geschenke gemacht», sagt Näf. Auch keine Abschiedsgeschenke. Auf die Idee könnte man ja kommen, denn der aus Andwil im Thurgau stammende Näf fährt in Muttenz sein letztes Rennen im BMC Racing Cup. Vor kurzem hat er seinen Abschied vom Leistungssport verkündet.

Als 15-Jähriger hat er in der nationalen Schweizer Cross-Country-Serie in der Fun-Kategorie seine ersten Gehversuche gemacht, als 18-Jähriger dort sein erstes Lizenzrennen bestritten. 17 Jahre später könnte er sich mit seinem ersten Gesamtsieg verabschieden. Aber auch für Lukas Flückiger wäre es die Premiere.

«Der Stärkere gewinnt»

Tages- und Gesamtsieg lässt sich nicht aufteilen. Wer das eine gewinnt, gewinnt auch das andere. «Wir müssen erst mal schauen, dass wir zusammenarbeiten. Dann werden wir schon eine Lösung finden, wie wir die Entscheidung suchen. Der Stärkere gewinnt und wir werden es uns gegenseitig gönnen», erklärt Näf. Es herrscht also Einigkeit in Konkurrenz.

«Ich freue mich jedenfalls auf das Rennen. Muttenz ist eines meiner Lieblingsrennen», fügt Näf noch an. Und weiss wie man es gewinnt: 2013 und 2014 stand er in der Bike-Arena im Schänzli jeweils ganz oben.

Weil sich hinter ihm und Flückiger im Klassement mit Julien Absalon und Martin Fanger (Schlüsselbeinbruch) zwei Fahrer befinden, die nicht dabei sein können, ist es nur noch der zweifache U23-Weltcup-Sieger Lars Forster (Wheeler-iXS) der den beiden BMC-Piloten noch in die Suppe spucken kann. Dafür müsste er allerdings gewinnen und das Duo Näf-Flückiger dürfte nicht in die Top drei fahren.  

Im Kampf um das Podium in der Tageswertung können Matthias Stirnemann (Möbel Märki), Martin Gujan (Novus-OMX), der Pole Marek Konwa, oder auch der Neuseeländer Samuel Gaze eine Rolle spielen.

Jolanda Neff und ihre Serie

Mit Platz 1 in Basel könnte Jolanda Neff (Stöckli Pro Team) bei den Frauen nicht nur ihren 61. Sieg in der Schweizer Serie verbuchen, sondern sie würde auch das zweite Jahr komplett machen, in dem sie ungeschlagen bleibt. Seit Anfang 2014 ist sie in zehn Rennen des BMC Racing Cup gestartet und hat alle zehn gewonnen.

«Die 60 sind ja jetzt voll», sagt Neff mit einem Grinsen. Ein Ziel ist also erreicht. Und der 61.? «Nun, ich fahre das Rennen gerne, aber es ist schwer einzuschätzen so zwischen zwei Weltcups», meint die Thalerin vorsichtig.

Von den Übersee-Weltcups brachte sie einen Sieg und einen zweiten Platz mit nach Hause. Ihren erneuten Sieg im BMC Racing Cup hat sie bereits in der Tasche, zum Gesamtweltcup fehlt nicht mehr viel.

Wer könnte den sechsten Saisonsieg der Weltranglisten-Ersten verhindern? Esther Süss (Wheeler-iXS) hat die Übersee-Weltcups ausgelassen und im Engadin trainiert. Sie hat in Muttenz 2013 gewinnen können.

Kathrin Stirnemann (Haibike-Ötztal) laboriert an einer allergischen Lungenproblematik. Wenn sie das nicht beeinträchtigt, gehört die Eliminator-Weltmeisterin aus Gränichen am Sonntag auch zu den Sieganwärterinnen.

Und dann ist da noch Katrin Leumann (Ghost Factory Racing) bei ihrem Heim-Rennen. Auch wenn es die Saison bisher nicht gut mit der 33-Jährigen aus Riehen meinte, in heimischen Gefilden ist sie besonders motiviert. «Ich freue mich wieder einmal vor Heimpublikum Rennen zu fahren und auf all die bekannten Gesichter am Streckenrand», sagt Leumann.

Marathon-Spezialistin Ariane Kleinhans (RECM), die dreifache Deutsche Marathon-Meisterin Elisabeth Brandau (Radon-EBE Racing) und die Polin Aleksandra Dawidowicz sind weitere Kandidatinnen für das Podest inmitten des Baseler Bike-Festivals.

Das erlebt am Wochenende seine 20. Auflage und hat noch mehr zu bieten als interessanten Rennsport. Eine Dirtjump-Show mit Größen wie Pascal Hunziker und Xavier Passamonte, sowie Radball inklusive eines 1.-Liga-Duells, Pumptrack und natürlich viele Aussteller machen die Bike-Arena zu einem bunten Tummelplatz für die ganze Familie.

In Muttenz wird auch eine vierjährige, erfolgreiche Phase des BMC Racing Cups zu Ende gehen, BMC wird als Hauptsponsor zurücktreten. «Das ist natürlich sehr Schade, BMC hat den Cup und den Bike Sport in den letzten Jahren extrem unterstützt, es wird schwierig werden, einen ähnlich starken Partner für die Zukunft zu finden», sagt Andi Seeli, der Gesamtkoardinator der Serie.