Volley in der Kirche

Passspiel mit Gott: Die wundersame Freundschaft zweier Konkurrentinnen

Annalea Maeder und Katie Oleksak posieren in der St.Josef Kirche in Aesch für das passende Foto zu ihrer Geschichte.

Annalea Maeder und Katie Oleksak posieren in der St.Josef Kirche in Aesch für das passende Foto zu ihrer Geschichte.

Nur eine von beiden kann für Sm’Aesch Pfeffingen auf der Position der Passeuse spielen. Trotzdem gehen die beiden Konkurrentinnen Annalea Maeder und Katie Oleksak in der Freizeit gemeinsam in die Kirche. Das hilft am Ende sogar dem Team.

Annalea Maeder und Katie Oleksak sitzen in der St.Josef Kirche in Aesch und lassen sich fotografieren. Ein ungewöhnliches Bild, wie sie da mit Volleyball und rosa Schlabberpulli posieren. Doch tatsächlich kommt es häufiger vor, dass die beiden Passeusen von Sm’Aesch Pfeffingen ihre Freizeit in einem Gotteshaus verbringen. Der starke Glaube verbindet die beiden Frauen. Durch den Volleyball und das gemeinsame Hobby sind die beiden Konkurrentinnen zu guten Freundinnen geworden.

Beide Familien waren zwar christlich geprägt – Oleksaks Familie methodistisch, was dem Evangelischen nahe ist, Maeders reformiert. Regelmässige Kirchengänge waren aber Fehlanzeige. «Wir sind, wie die meisten es hier machen, zu den Feiertagen in die Kirche oder mit den Grosseltern. Aber es kam nie von uns selbst», erzählt Maeder. Beide haben sie aber auch ihren Weg zum Christentum erst im jugendlichen Alter gefunden, Oleksak während ihrer Zeit am College in den USA, Maeder vor eineinhalb Jahren durch die ehemalige Teamkollegin Megan Cyr.

Hier stehen die beiden vor der Kirche in Aesch.

Hier stehen die beiden vor der Kirche in Aesch.

Jetzt gehen sie zusammen zu «Celebrations». So heissen Gottesdienste bei der sogenannten «International Christian Fellowship», oder kurz: ICF. Eine überkonfessionelle Freikirche, die ihren Ursprung in Amerika hat und hierzulande oft zwiespältig beäugt wird. Infosekta, die Fachstelle für Sekten schätzt die Kirche als problematisch ein. Andere Experten wie Religionswissenschaftler Georg Schmid, sehen das wiederum weniger drastisch. Für die beiden Volleyballerinnen ist sie aber ein Weg, ihren Glauben auszuüben. Eben abseits von der klassischen Kirche, wo sie sich zuvor fotografieren liessen.

Beim ICF gibt es mehr Musik, es kommen jüngere Leute, da die Gottesdienste moderner sind, wie die beiden erzählen. «Das ist ein komplett anderes Erlebnis als ein Gottesdienst in einer anderen Kirche», beschreibt Maeder die «Celebrations». Den beiden Volleyballerinnen ist aber gleichzeitig bewusst, dass das Christentum mit seiner oft konservativen Weltsicht für junge Leute abschreckend wirken kann. Oleksak, die sich selbst als LGBTQ, also nicht heterosexuell, bezeichnet und damit nicht in das klassische christliche Rollenbild passt, erklärt: «Ich kann das aus erster Hand nachvollziehen. Und es war hart. Aber mein Glaube ist mir so wichtig, dass ich ihn weiterverfolge.»

Der Konkurrentin den Erfolg gönnen

Dieser starke Glaube verbindet beide Spielerinnen und das, obwohl beide eigentlich Konkurrentinnen auf dem Feld sind. Beide spielen auf der Position der Zuspielerin und wollen sich um möglichst viel Spielzeit bewerben. Trotzdem verstehen sie sich prächtig. «Es hilft, dass wir Freunde sind und zusammen in die Kirche gehen. Aber es ist auch unser gemeinsamer Glaube», findet Katie Oleksak eine Erklärung für die enge Bindung. Sie gönnen sich beide den Erfolg, verlieren aber nicht ihren Ehrgeiz. Bei Annalea Maeder war das nicht immer so. Sie sagt: «Bevor ich meinen Weg zu Gott fand, war ich nicht gut darin, mit Konkurrenz umzugehen.» Das habe sich nun geändert. Maeder meint: «Ich will nicht mehr, dass die andere Person schlechter ist als ich. Ich will, dass ich mein Bestes gebe. Dieses falsche Mindset ist mit dem Glauben ein bisschen weggegangen.»

Eine Mischung aus Glauben und Freundschaft, aber auch die Philosophie des Trainers Andreas Vollmer spielt dabei eine Rolle. Dass Spielerinnen spielen wollen, sei für ihn klar, aber statt zu konkurrieren, sollen sie aneinanderwachsen. «Es ist mehr ein Miteinander», stellt Vollmer klar. Dass Oleksak und Maeder gute Freundinnen sind, ist dem Trainer nicht entgangen. «Das ganze Team passt menschlich gut zusammen», meint Vollmer.

Aus seiner langen Erfahrung als Trainer in Deutschland und der Schweiz weiss er aber auch, dass das nicht bei allen Teams so ist. Vor allem, je höher das Niveau wird und je mehr Geld und die eigene Karriere auf dem Spiel stehen. «Konkurrenz kann auch mal gut sein, aber es muss immer auf einer Ebene sein, dass man sich unterstützt und dem anderen nicht das Unglück wünscht», sagt Vollmer.

Der Trainer profitiert auch vom göttlichen Beistand

Dass bei Annalea Maeder und Katie Oleksak der gemeinsame Glaube ein wichtiges Puzzleteil in Entwicklung und Beziehung ist, ist auch Vollmer aufgefallen. Doch das spielt für ihn keine grosse Rolle. Das sei vor allem Privatsache der Spielerinnen, auch wenn er die Vorteile davon natürlich gerne sieht. Die folgenden Worte von Maeder wird auch Vollmer gerne hören: «Das Team ist ein spezieller Teil der Gemeinschaft, in der ich lebe. Und es wäre egoistisch, nur glücklich zu sein, wenn ich selbst spiele.»

Der Glaube hat noch einen weiteren positiven Nebeneffekt. Er hilft, mit dem Druck auf hoher Leistungsebene umzugehen und auch Rückschläge besser wegzustecken. Oleksak hat durch die Religion gelernt, dankbar zu sein. Auch neben dem Sport. «Mein Ziel ist es, meinen Wert und meinen Zweck ausserhalb des Berufs zu finden, ob das nun Sport oder etwas anderes ist», sagt sie.

Ob man nun das Christentum positiv oder negativ betrachtet, den Sm’Aesch-Spielerinnen scheint die Religion zu helfen. Im Umgang mit Druck und Konkurrenz auf dem Feld, aber auch in der Freundschaft und im Leben neben dem Platz. Und der sportliche Erfolg gibt den Volleyballerinnen aktuell recht. Denn das Team von Sm’Aesch Pfeffingen ist auf dem besten Weg, den ersten Meistertitel der Vereinsgeschichte zu gewinnen. Auch mit ein bisschen Unterstützung von oben.

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