Dieser zweite Auftritt auf der Basler Schützenmatt sorgte bei Alex Wilson für Glücksgefühle. Das hatte mehrere Gründe – sportliche und emotionale. Der EM-Dritte des letzten Jahres über 200 m und Schweizer Rekordhalter über die beiden Sprint-Distanzen steigerte sich zum Vormittag um 15 Hundertstel. Zudem revanchierte er sich im Final über 100 beim Chinesen Jinsheng Liang für die Niederlage im ersten Rennen. Und er freute sich über die Zeit. Mit den 10,38 Sekunden steigerte er sich um acht Hundertstel im Vergleich zum Saisonauftakt zwei Tage zuvor in Zofingen – bei deutlich günstigeren Bedingungen notabene. Dort hatte er noch festgehalten: «Endlich habe ich dieses Saisondebüt hinter mir, es machte mich derart nervös.»

Herausragend ist die Zeit noch immer nicht. Die Bedingungen mit tiefen Temperaturen, Regen und minimem Gegenwind waren keineswegs vorzüglich. Dass es nun rasch aufwärtsgehen könnte, hat Wilson in Basel angedeutet. Er unterstrich dieses Gefühl mit markigen Worten: «Jetzt kann ich auf die grosse Bühne wechseln.» Sofort wird es hingegen nicht so weit sein. Eine dreiwöchige Trainingsperiode ohne Wettkämpfe hat ihm sein englischer Coach verordnet.

Wilson mag das Gefühl des Heimrennens. Nach dem Sprint lief er auf der Zielgeraden zurück und liess sich feiern. Dabei kündigte er an: «Das war ein Vorgeschmack für die SM.» Auf die Schweizer Meisterschaften von Ende August in Basel spielte er an. Dann, so ist er sicher, wird er sich in einer ganz anderen Form präsentieren. Zur Erinnerung: Wilsons Bestleistungen stehen bei 10,11 und 20,04 Sekunden.

U23-EM-Limiten erreicht

Den Heimvorteil nutzten auch die Basler Nachwuchshoffnungen Michelle Müller und Ryan Wyss. Beide unterboten die Limiten für die U23-Europameisterschaften von Mitte Juli in Schweden. «Es gibt für mich kein schöneres Meeting», sagt die 400-m-Hürden-Läuferin aus Riehen. Sie nutzte dieses Wohlbefinden indem sie mit 59,05 Sekunden ihre bisherige Bestleistung um zwei Zehntel verbesserte und die EM-Limite um 15 unterbot.

«Wirklich cool, eine solche Leistung vor meiner Familie und meinen Freunden zu zeigen», sagte sie. Indes verdient die Leistung eine zusätzliche Einordnung: Müller brillierte vor fünf Jahren an den Youth Olympic Games mit einem fünften Rang. In der Folge wurde sie mehrmals massiv zurückgeworfen: 2015 durch einen Bänderriss, im Folgejahr durch das Pfeiffersche Drüsenfieber, 2017 durch Achillessehnenbeschwerden. Seither aber geht es kontinuierlich aufwärts.

Und mit dem Muttenzer Ryan Wyss realisierte auch über 400 m ein flach ein regionaler Langsprinter die Limite für Gävle. «Damit jetzt schon zu liebäugeln wagte ich nicht einmal», sagte der 20-Jährige. Er verbesserte mit seinen 47,82 Sekunden seine eigene Bestmarke um 35 Hundertstel und unterbot die Limite um 3 Hundertstel. Vergessen machte damit das international bereits erprobte Talent die vergangene Saison. Diese verpasste es wegen eines Muskelteilabrisses im Oberschenkel. «Nach anderthalb Jahren so zurückkehren, das beflügelt», sagte er.

Lang technisch vielversprechend

Schon Anfang Jahr hatte sich mit Hochspringerin Salome Lang eine andere hochtalentierte Athletin nach einem Bandscheibenvorfall und über einjähriger Pause zurückgemeldet. Mit ihrem U23-Schweizer Rekord von 1,91 m vom Vorwochenende meldete die 21-Jährige ihre Ambitionen auf eine Medaille an der U23-EM an.

Gestern musste sie sich mit übersprungenen 1,85 m begnügen. «Die Bedingungen will ich nicht als Grund für diese Höhe nennen», suchte sie keine Ausflüchte. Nur, «der technisch gute Sprung erfolgte über ihre Siegeshöhe und nicht auf den anschliessenden 1,89 m. Zwei Punkte strich sie heraus: «Erstens bin ich noch nicht so weit, dass ich jedes Mal 1,90 m meistere und zweitens ist alles auf die EM ausgerichtet, so dass ich die Tophöhen nicht jetzt springen muss.»

Ebenfalls für einen bemerkenswerten Disziplinsieg sorgte über 100 m Hürden Julia Schneider. In 13,70 Sekunden wurde die bereits 27-Jährige OB-Athletin aus Riehen gestoppt – eine neue persönliche Bestmarke und eine Steigerung um 19 Hundertstel. «Diese Zeit bereitet enorme Freude», sagte sie. Zurück führt sie diese primär auf die kontinuierliche Trainingsarbeit sowie «dass ich verletzungsfrei durch den Winter kam».

Die Entwicklung will sie fortsetzen. Eine zusätzliche Hürde sieht sie allerdings vor sich: Im Sommer sieht sie sich zusätzlich mit den Anwaltsprüfungen gefordert. Ihr Kommentar dazu. «Schade, dass sich der Termin mit der SM überschneidet, aber hindern soll mich das nicht.»