Handball
Präsident des RTV Basel: «Die Mannschaft hat ihre Tugenden verloren»

Der RTV Basel steigt nach der Niederlage gegen Gossau in die NLB ab. Für den Präsidenten des RTV Basel Alex Ebi ist der Abstieg enttäuschend – er sieht ihn aber auch als Chance.

Céline Feller
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Die Wut hinausschreien: Nikola Cvijetic und der RTV Basel können mit ihrer Leistung nicht zufrieden sein.

Die Wut hinausschreien: Nikola Cvijetic und der RTV Basel können mit ihrer Leistung nicht zufrieden sein.

Juri Junkov

Herr Ebi, der RTV Basel ist am Mittwochabend abgestiegen. Sagen Sie uns, wie Sie sich fühlen.

Alex Ebi: Dieser Abstieg ist enttäuschend, vor allem auch, weil wir im Vergleich zum letzten Abstieg dieses Mal auf dem Papier nicht die schlechteste Mannschaft waren. Aber solche Dinge sind Bestandteil des Sports und machen dessen Faszination auch aus. Ich denke jetzt aber an die nächste Saison und wie wir schnellstmöglich wieder aufsteigen.

Ihre Mannschaft war individuell so stark besetzt wie seit Jahren nicht mehr. Wie erklären Sie sich, dass es trotzdem nicht gereicht hat?

Ich bin zwar nicht der Zuständige für das Sportliche, aber ich habe selber auch Handball gespielt und kann daher meine Meinung kundtun. Wir sind mit Joop Fiege mit einem tollen Trainer in die Saison gestartet, der der Mannschaft gutgetan hat und sie spielerisch weitergebracht hat. Aber in gleichem Masse, wie die Mannschaft sich spielerisch entwickelt hat, hat sie ihre Tugenden verloren. Jene, um jeden Ball zu kämpfen, und zwar mit ganzem RTV-Herzen. Das ist in meinen Augen des Pudels Kern.

Alex Ebi Alex Ebi ist seit 2002 Präsident des RTV Basel. Als Spieler erlebte er die grossen Zeiten des Vereins mit und wurde 1984 Schweizer Meister.

Alex Ebi Alex Ebi ist seit 2002 Präsident des RTV Basel. Als Spieler erlebte er die grossen Zeiten des Vereins mit und wurde 1984 Schweizer Meister.

Juri Junkov

Wie konnte das verloren gehen?

Wir haben früher immer kämpfen müssen. In dieser Saison haben wir die Tore auf einmal gemacht. Es ging einfacher. Dadurch haben wir in der Defensive vergessen zu kämpfen. Anfangs haben wir das übertüncht, dachten, dass das nur ein paar Spiele so sein wird. Und dann waren wir auf einmal unten drin. Dort gelten andere Gesetze – und plötzlich bist du in der Nati B.

Was sind die nächsten Schritte? Geht der Grossteil der Spieler?

Spieler und Trainer waren immer komplett fokussiert auf das nächste Spiel, wie das eben so ist. Wir im Vorstand haben natürlich etwas weiter schauen müssen, weil wir den Weg und die Strategie aufzeigen müssen. Daher haben wir uns mit dem möglichen Szenario eines Abstiegs befasst. Nicht erst seit Mittwoch. Wie die genauen Pläne aussehen, verrate ich nicht. Zuerst müssen wir schauen, ob diese umsetzbar sind. Wir wissen genau, was wir wollen, aber sind natürlich nicht alleine Herr der Lage. Die Sponsoren und Spieler haben auch Vorstellungen. Diese Gespräche stehen jetzt an. Was fix ist, dass Samir Sarac ab der neuen Saison unser Trainer ist.

Werden Sie Präsident bleiben?

Ich werde mich sicher zur Wiederwahl stellen. In meinen Augen muss man, wenn man so einen Posten bekleidet, eine funktionierende Geschichte übergeben, wenn man irgendwann abtreten will, und nicht ein sinkendes Schiff. Zumindest machen das jene so, die Charakter haben. Ich will das Schiff jetzt wieder auf Erfolgskurs bringen.

Wie verändert sich die Nachwuchsförderung nach dem Abstieg?

In die werden wir jetzt umso mehr investieren. Wir haben tolle Nachwuchsgefässe, aber das hilft nur, wenn man dann auch ein Aushängeschild hat in der Nati A. Das braucht es genauso wie die Juniorenförderung. Natürlich ist ein Abstieg ein Mist, und wir wollen unbedingt wieder rauf. Weil es in der Nati A so eng ist, hatten wir kaum Chancen, jungen Spielern eine Chance zu geben. In der Nati B wird dies eher möglich sein. Das ist das Positive, das man auch sehen muss. Schliesslich ist es nicht unser Ziel, eine Söldnertruppe zu haben. Sondern wir hätten am liebsten 14 Basler im Kader.