«Der Goalie bin ig» – in der Birsfelder Sporthalle kam man sich am Samstagabend vor wie im Kino. Gezeigt wurde eine Baselbieter Version der Geschichte des Berners Pedro Lenz, die gerade an den Solothurner Filmtagen hochgelobt wurde. In der Hauptrolle: Florian Aerni. Mit fantastischen Paraden legte Prattelns Goalie die Basis zum 21:19-Sieg des Aussenseiters beim Leader Birsfelden. Aerni wurde im Derby zu einem scheinbar unüberwindbaren Giganten – nicht weniger als sechs Penaltys konnte Birsfelden nicht verwerten.

Oberlis tragischer Abgang

Auf der anderen Seite zeigte auch Sebastian Tränkner spektakuläre Paraden. So stand es nach sechs Minuten erst 1:1. Nach einer Viertelstunde lag Pratteln 6:4 vorne, aber auf mehr als zwei Tore wuchs die Differenz nie an. Als Birsfelden kurz nach der Pause die Wende zum 12:11 gelang, schien der Favorit die Sache in den Griff zu bekommen. Aber irgendwie war es wirklich nicht der Tag des Leaders der 1. Liga. Zehn Minuten vor Schluss schied Pascal Oberli mit Verdacht auf Kreuzbandriss verletzt aus, was bei Birsfelden einen erkennbaren Knick auslöste. Pratteln ging wieder in Führung. «Er ist ein Schlüsselspieler und sein Ausfall hat uns alle schockiert», erklärte Ramon Morf nach dem Match.

Das intensive Kampfspiel wogte weiter hin und her. Als noch fünf Minuten verblieben, glich Birsfelden auf 19:19 aus. Das Derby schien zum zweiten Mal zu kippen. Exakt in dieser kritischen Situation zeigte Aerni weitere Glanzparaden und wehrte einen Penalty ab. Er liess in der Schlussphase keinen einzigen Ball mehr passieren. Pratteln ging erneut in Führung und schaukelte den 21:19-Sieg über die Zeit.

Grosser Jubel

Der Jubel bei der Schlusssirene war gewaltig. «Meine Mannschaft hat das super gemacht», lobte Prattelns Trainer Kai Wetzel. «Wir laufen personell am Limit, aber obwohl der Gegner über die bessere Bank verfügt, sind wir in den letzten 10 Minuten nicht abgefallen.» Mit dem überraschenden Sieg konnte Pratteln den Abstand auf Willisau auf fünf Punkte erhöhen und die Barrage gegen den Abstieg sollte kein Thema mehr sein.

Nebenrolle für Steff la Cheffe

Birsfelden bleibt trotzdem Leader, muss sich aber trotz der grandiosen Goalieleistung des Gegners selber an der Nase nehmen. Der Frust mehrfach am Schiedsrichterduo ausgelassen, statt die Energie ins Spiel zu investieren. Das Umfeld schlug in dieselbe Kerbe: «Ha ke Ahnig, chume chume nid druus», spielte der Platzspeaker zweimal bei einem Spielunterbruch nach kritischen Schiedsrichterentscheiden den Hit von Steff la Cheffe. Was vielleicht einige TVB-Fans als witzig empfanden, sahen andere als eine freche Unsportlichkeit, die die Stimmung unnötig negativ anheizte.

Bei Birsfeldens Trainer Thomas Reichmuth kochte am Ende jedenfalls das Blut. «Zu diesem Spiel sage ich nichts», waren die einzigen Worte, die er sich entlocken liess. Dafür schickte er Ramon Morf zur Match-Analyse. «Wir haben nur 19 Tore geschossen, das ist skandalös schlecht», sagte der Routinier.