FC Basel
Pro und Kontra: Ist das extreme Rotieren von Paulo Sousa sinnvoll?

Unter dem neuen FCB-Trainer steht nie dieselbe Startelf auf dem Platz. Jüngst im Cup gegen Italien Genf (4:0) setzte er sogar auf eine komplett neue Mannschaft im Vergleich zur Meisterschaft. Insgesamt kamen schon 25 Akteure zum Einsatz.

Raphael Biermayr
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Paulo Sousa zeigt sich wechselfreudig.

Paulo Sousa zeigt sich wechselfreudig.

Keystone
Pro: Georges Küng

Pro: Georges Küng

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Pro von Georges Küng: "Paolo Sousa hat nicht die Qual der Wahl"

Die Frage, ob die Homogenität mit den steten Wechseln nicht leidet, muss entschieden mit einem „Nein“ beantwortet werden. Meisterschaften werden in der Regel im Frühjahr gewonnen. Der Cup-Titel im Mai. Bis dahin wird noch der Herbst und Winter ins Land ziehen. Auf europäischem Parkett wird der FC Basel, ohne aufwändige Qualifikationspartien (verbunden mit Reisen in teils exotische Gebiete), erst im September im Einsatz stehen.

Neuer Trainer, neuer Technikerstab und einige neue Spieler. Da ist es logisch, dass der Übungsleiter sich in den ersten Monaten ein Gesamtbild von den ihm zur Verfügung stehenden Personal machen will. Denn einige Zuzüge wurden getätigt, als längst nicht sicher war, ob Paolo Sousa der Nachfolger von Murat Yakin würde. Auch wenn dies heute niemand aus der rot-blauen Chefetage explizit bestätigen möchte.

Sousa, eine frühere internationale Grösse aus der „goldenen Ära des portugiesischen Fussballes“, hat in Weltklubs (namentlich Borussia Dortmund, Juventus Turin, Inter Mailand) gespielt. Und dort standen nicht 27 Profispieler unter Vertrag, sondern bis zu 40 Akteure, die allesamt auf Einsätze respektive den Durchbruch hofften.

Auch wenn bis dato in jedem Spiel drei bis sechs (im Cupspiel gegen CS Italien Genf sogar mehr) neue Akteure aufliefen, so zeichnet sich ein Grundgerüst ab. Beim Lusitaner wird es aber nie eine A-Elf und B-Equipe geben.

Es wird auch kein Team für die Super League und für die Champions League geben, sondern „wir Trainer nominieren jene elf Akteure, von denen wir glauben und hoffen, dass sie die bestmöglichste Formation sind. Und auf der Bank sind sieben weitere Akteure bereit, die ebenfalls fähig sind, der Mannschaft Dynamik, Elan und Schwung zu geben“, so Sousa in einer kleineren Runde. Und fügt in seiner Muttersprache an, dass „jede Partie neue Überlegungen und oft eine andere taktische Ausrichtung erfordert.

Daher gibt es, zumindest bei mir, keine Stammplatz-Garantie. Für keinen Spieler. Das wissen sie – sie sind Profi und verhalten sich auch dementsprechend“, so Paolo Sousa, der in seiner Muttersprache oder auf Spanisch warm, vertrauensvoll und locker ist.

Kontra: Patrick Hunziker

Kontra: Patrick Hunziker

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Kontra von Patrick Hunziker: "Sousa muss sich entscheiden"

Der FC Basel hat in dieser Saison bisher munter rotiert. Spätestens wenn in dreieinhalb Wochen die Champions League beginnt, sollte sich Paulo Sousa aber für eine Stammformation entschieden haben.

Sieben Pflichtspiele hat der FC Basel inklusive der samstäglichen Cuppartie gegen den CS Italien in der Saison 2014/15 schon bestritten, sieben Mal ist der FC Basel dabei mit einer anderen Startformation angetreten. Mit den ersten Saisoneinsätzen von Vailati, Gonçalves, Samuel und Hamoudi sind nun schon 25 verschiedene Spieler zum Einsatz gelangt, zehn davon haben schon mindestens einen Treffer erzielt. Das muntere Wechselspiel mag den Zuschauer unterhalten und der Erfolg gibt Trainer Sousa bisher auch Recht. Trotzdem birgt diese Taktik auch Gefahren.

Ausser Skelzhen Gashi hat sich bisher noch kein Feldspieler nachhaltig in den Vordergrund gespielt. Insbesondere im zentralen Mittelfeld scheint die Hierarchie völlig unklar: Mit Serey Die, Elneny, Frei, Zuffi, Delgado und Diaz stehen für maximal drei Startelfpositionen sechs qualitativ nahezu gleichwertige Spieler und potenzielle Leaderfiguren zur Verfügung. Alle haben bisher schon die Chance in der Startelf bekommen, jeder hat aber auch schon mindestens zweimal nicht von Beginn weg gespielt. Das ständige Rotieren birgt zwei Negativeffekte: Einerseits fehlender Rhythmus, andrerseits eine unklare Aufgabenverteilung. Wie kann man Führungsqualitäten entwickeln, wenn man ein Drittel der Spiele auf der Ersatzbank beginnt?

Bisher hält sich der Schaden noch in Grenzen; bis auf das Heimspiel gegen St. Gallen ging der FCB immer als Sieger vom Feld. Spätestens wenn aber in dreieinhalb Wochen die Champions League beginnt, sollte sich eine Stammformation herauskristallisiert haben. Diese muss nicht in Stein gemeisselt sein, doch sollte den Spielern zumindest tendenziell klar sein, wohin sich ihre Rolle im Team entwickelt: Eher Richtung Stammkraft und Leistungsträger oder eher Richtung Ergänzungsspieler. Es obliegt der Aufgabe von Sousa, dass er dies seinen Spielern in einer Weise kommuniziert, welche die Unzufriedenheit in Grenzen hält. Der Portugiese wird in den kommenden Wochen also nicht nur in taktischer, sondern auch in psychologischer Hinsicht gefordert sein.