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Radprofi Mathias Frank: «Kulinarisch ist der Giro die absolute Nummer 1»

Mathias Frank aus Lausen bestreitet seinen zweiten Giro d’Italia. Ein unglücklicher Tour-Start hat dazu geführt, dass der 25-Jährige seine Ziele bisher nicht erreichen konnte.

Rainer Sommerhalder
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Ein angeschlagener Mathias Frank. Bisher lief es nicht nach Wunsch. key

Ein angeschlagener Mathias Frank. Bisher lief es nicht nach Wunsch. key

Im Giro d’Italia war der Name Mathias Frank nie ein Thema. Wieso verschwanden Sie bisher in der Anonymität des Feldes?

Mathias Frank: Das ist hauptsächlich, weil ich zum Start in Dänemark krank war. Eine Erkältung machte mir einen Strich durch die Rechnung. Am Sonntag nahm ich zum letzten Mal Antibiotika. Ich bin deswegen wohl nur auf 90 Prozent meines Leistungsniveaus und kam bisher auf keinen grünen Zweig.

In den beiden Bergetappen am Wochenende kam beinahe eine Stunde Rückstand dazu. Tönt nicht nach ansteigender Form?

Die Form war vor dem Giro wirklich sehr gut. Doch eine dreiwöchige Rundfahrt ist die denkbar schlechteste Variante, um eine Krankheit auszukurieren. So gesehen, ist es bereits ein gutes Zeichen, dass ich die Erkältung losgeworden bin. Ob ich im Schlussklassement 40. oder 140. bin, interessiert niemanden.

In den letzten Tagen türmen sich die Hindernisse in Form von ultraschweren Etappen auf. Ein Exploit scheint da erst recht unrealistisch?

Aber es bleibt mein persönliches Ziel für die letzten Tage. Um die richtige Fluchtgruppe zu erwischen, braucht es immer auch Glück.

Zuvor genossen Sie den zweiten Ruhetag. Was macht ein Fahrer an einem solchen Tag?

Nicht viel. Es war richtig «grusiges» Wetter, sodass wir nicht einmal aufs Velo sassen. Ausschlafen, kurz auf die Rolle, Massage und das eine oder andere Interview geben. Die Etappentage sind oft elend lang, man kommt erst kurz vor Mitternacht ins Bett, dann darf man an einem Ruhetag schon mal die Beine hoch lagern.

Sie fuhren bereits im letzten Jahr am Giro. In welchen Punkten hilft Ihnen diese Erfahrung?

Ich wusste, dass es nicht mehr schlimmer kommen kann, denn was die Organisatoren den Fahrern vor einem Jahr zumuteten, war grenzwertig. Die Anforderungen waren extrem, die Fahrer waren einem unglaublichen Stress ausgesetzt. Ich weiss auch, dass ich mit meinen Kräften haushälterisch umgehen muss und nicht um jeden Blumentopf fahren darf. Ich will keine unnötigen Körner verschwenden.

Gibt es in diesen drei Wochen neben Velofahren eigentlich noch etwas anderes – zum Beispiel Hochzeitspartys im Hotel?

Man erlebt alles. Momentan residieren wir in einem Schloss mit riesigem Park. Ich habe als Veloprofi noch nie so feudal übernachtet. Aber dann gibt es auch Hotels, bei denen man nicht recht weiss, wieso sie noch nicht abgerissen wurden. Diesmal war in einem unserer Hotels tatsächlich eine Hochzeitsparty. Zum Glück habe ich immer Oropax dabei.

Haben Sie weitere Anekdoten aus dem «Tourleben»?

Mir fällt spontan nichts ein. Es passiert so viel, dass ich das Gefühl habe, der Tour-Start in Dänemark könnte auch schon ein Jahr zurückliegen. Die drei Wochen kommen einem so unglaublich lang vor. Von der Welt draussen nimmt man in dieser Zeit praktisch nichts wahr.

Wie sieht es kulinarisch aus: Gibt es beim Essen trotz dem täglichen Run auf möglichst viele Kohlenhydrate eigentlich noch eine Vielfalt?

Kulinarisch ist der Giro die klare Nummer 1. Wir sind hier halt in Italien. Das Essen ist selbst in den Bruchbuden-Hotels super. Das ist für einen Fahrer auch wichtig, denn irgendwann kommt der Moment, wo man keinen Hunger mehr verspürt. Dann ist es umso schöner, wenn das auf dem Teller auch schmeckt. Der Giro ist wohl die einzige Rundfahrt, für die man keinen eigenen Koch mitnehmen muss. Hätte man in der Tour de France keinen Koch dabei, man müsste spätestens nach zehn Tagen auf das halbe Team verzichten.

Was machen Sie am ersten freien Tag nach dem Giro?

Wenn ich es schaffe, packe ich den Koffer aus. Viel mehr plane ich nicht. Letztes Jahr kam ich kaum aus dem Sofa raus.

Dann folgt die Tour de Suisse. Ist der 6. Platz vom Vorjahr überhaupt noch zu toppen?

Der definitive Entscheid, ob ich fahre, fällt erst nach Ende des Giros. Aber ich bin zuversichtlich. Ich kann zwar momentan noch nicht an meine Grenzen gehen, ich fühle mich aber nach den Etappen auch nicht richtig kaputt. Wenn es wie im letzten Jahr läuft, als ich in der dritten Giro-Woche besser «zwäg» war als in der ersten, dann bin ich zuversichtlich für das schönste Rennen in meiner Saison.

Und danach? Ihre Saisonplanung ist noch nicht definiert. Wie sieht das Wunschprogramm aus?

Ein Traum wäre natürlich die Olympiateilnahme, das wird jedoch ziemlich schwierig. Aber bis London kann noch viel passieren. Über den Rest der Saison habe ich mir noch keine grossen Gedanken gemacht. Zuerst einmal den Giro heil überstehen.