Radsport
Radrennen in Möhlin: Die Talentschmiede im Nirgendwo

Die Abendrennen in Möhlin befinden sich in ihrer elften Saison auf Rekordkurs. Vor einer Woche, als die Sonne schien, nahmen 92 Fahrerinnen und Fahrer am Rennen teil. Die Dienstagabendrennen in Möhlin stehen somit vor einer Rekord-Saison.

Rainer Sommerhalder
Merken
Drucken
Teilen
Trotz garstigem Wetter starteten rund 60 Fahrerinnen und Fahrer beim Dienstag-Abendrennen in Möhlin. Rainer Sommerhalder

Trotz garstigem Wetter starteten rund 60 Fahrerinnen und Fahrer beim Dienstag-Abendrennen in Möhlin. Rainer Sommerhalder

Rainer Sommerhalder

Ein regnerischer Abend am Dorfrand von Möhlin. Von Chilli geht es zum Bäumlihof, Delligrabe und Birkenhof, danach zurück via Langacher und Lerchenhübel zum Start und Ziel beim Chilli. Dort wo sich am Abend Fuchs und Hase gute Nacht sagen, jagen Velofahrer während 45 Minuten mit 40 km/h über die 3,4 Kilometer lange Rundstrecke. Ein Dutzend treuer Streckenposten vom örtlichen Veloclub VMC Helvetia Möhlin sorgt dafür, dass unterwegs niemand vom Traktor überfahren wird. Irgendwo im Nirgendwo, wo die treusten Zuschauer die grasenden Kühe sind, wird im Frühling jeden Dienstagabend Nachwuchsarbeit in Reinkultur geleistet, werden Talente geschmiedet, ja sogar Olympiamedaillen vorbereitet.

Die Abendrennen in Möhlin befinden sich in ihrer elften Saison auf Rekordkurs. Vor einer Woche, als die Sonne schien, nahmen 92 Fahrerinnen und Fahrer am Rennen teil. So viele wie nie zuvor. Auch diesmal, wo es doch ohne Unterbruch regnet und ein unangenehm kalter Wind bläst, sind 57 Gümmeler am Start. So viele wie beim bisherigen Rekorddurchschnitt. Die Gelegenheit, sich in rennmässigem Rahmen miteinander zu messen, ist beliebt wie noch nie. Mountainbike-Olympiasiegerin Sabine Spitz ist da, die regionale London-Hoffnung Katrin Leumann und die Strassen-Spitzenfahrerin Emilie Aubry. Sieger des Abends allerdings wird Junior David Trachsel, der von der Handicap-Formel profitiert und den Vorsprung von einer Minute beim Start z ausnützt.

Prominente «Schirmfraktion»

Fast ebenso prominent ist die «Schirmfraktion» am Strassenrand. Andreas Wild, Präsident von Swiss Cycling beider Basel, amtet als Cheforganisator. Seine Frau Graziella kümmert sich im Sekretariat unkompliziert um die Anmeldungen. Wild ist stolz auf dieses Rennen. Er lobt die interkantonale Zusammenarbeit zwischen den beiden Basel und dem Aargau und schwärmt von der speziellen Rennatmosphäre, wenn vom Anfänger bis hin zur Olympiasiegerin alle gemeinsam unterwegs sind. Die Talente können ihren Vorbildern im wahrsten Sinne des Wortes nacheifern.

Am Strassenrand steht auch Sportchef Beat Vogel. Er wird das Nordwestschweizer Team für das grosse Junioren-Etappenrennen GP Rüebliland zusammenstellen. In Möhlin kann er seine Kandidaten unter die Lupe nehmen. Thomas Rentsch, der Leiter des Regionalen Radsportzentrums Nordwestschweiz, freut sich über den Sieg seines Schützlings David Trachsel. Ein Grossteil der Kaderathleten ist bei der dritten von fünf Austragungen unterwegs. Rentsch würde sich noch mehr Teilnehmer bei den Anfängern und Schülern wünschen. Nachwuchsförderung im Strassenradsport ist und bleibt ein hartes Pflaster. Mit dem Regionalzentrum wurde 2007 ein wichtiger Pflock dafür eingeschlagen.

Und da wäre noch Hubert Schwab. Der ehemalige Profi und heutige U23-Nationaltrainer nimmt eine bemerkenswert aktive Zuschauerrolle ein. Er fährt hinter den zwei Schützlingen, die er als persönlicher Trainer betreut, im Feld. «Wenn ich am Strassenrand stehe, dann bekomme ich nicht mit, wie sie sich im Rennen verhalten.» Auch das ist möglich beim Abendrennen in Möhlin. Schwab hebt die Gelegenheit hervor, dass die Nachwuchsfahrer bei diesen Rennen viel eher ausprobieren könnten, «was unterwegs funktioniert und was nicht. Bei den nationalen Rennen müssen sie gemeinsam mit den Allerbesten ran und werden oft schnell abgehängt.»

Am 8. und 15. Mai gibt es im unteren Fricktal die letzten beiden Startgelegenheiten. Eine Lizenz braucht es dafür nicht. Bereits am 16. Mai geht es mit den traditionellen Brugger Abendrennen nahtlos weiter. Gleiches Prinzip, gleicher Effekt.