Karate
Ramona Brüderlin – die Frau mit den zwei Gesichtern

Die Prattlerin hat an den Junioren-EM in Zürich grosses vor – sie will endlich eine Medaille gewinnen.

Pascal Del Negro
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Ramona Brüderlin, Karate
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Ramona Brüderlin, Karate
Mentale und physische Stärke sind im Karate gefordert.
Energie pur.
Die junge Frau will hoch hinaus.
Auf in den Kampf!
Zögern darf man im Karatesport nie.

Ramona Brüderlin, Karate

Zur Verfügung gestellt

Ausserhalb vom Training fällt Ramona Brüderlin nicht besonders auf. Spricht man mit ihr, wirkt sie ruhig, sachlich, unaufgeregt – schon beinahe schüchtern. Doch die 20-Jährige hat zwei Gesichter. Sie ist eine der talentiertesten Karatekas der Schweiz, in den Trainingshallen vom Budo Sport Center Liestal wird sie zum Tier. Sie gehörte in ihren Kategorien (momentan U21/Kumite -61kg) seit jeher zu den Allerbesten, kämpft stets um den Sieg – und dies nicht nur auf nationaler Stufe.

In diesem Jahr kann sie in Zürich noch ein letztes Mal an den Junioren-Europameisterschaften auf höchster Stufe teilnehmen. Ihr bisheriges Bestresultat bei jenen Wettkämpfen erreichte sie im letzten Jahr in Lissabon mit dem fünften Schlussrang. Und dieser soll in Zürich übertroffen werden: «Mein Ziel ist ganz klar ein Podestplatz.» Nur logisch, dass Brüderlin bei dieser Zielsetzung auch ein bisschen auf die Goldmedaille schielt. «Natürlich wäre Gold schön, aber mein Fokus liegt auf einer Platzierung unter den Top drei.»

Hohe Erwartungen – kein Problem

Durch ihre vielen bisherigen Erfolge bei den Juniorinnen blieben nicht unbemerkt. Die Erwartungen an die Ausnahmeathletin sind gross. Für sie selbst kein Problem: «Ich fühle mich bereit, wir haben gezielt auf diesen Event hingearbeitet. Vor allem mein Trainer Giuseppe Puglisi hat mich dabei tatkräftig unterstützt. Ich bin ihm extrem dankbar für sein Engagement.»

Für Brüderlin wird es der erste Grossanlass im eigenen Land sein. Daher wird es ein besonderer Moment sein, wenn erstmals die Verwandten und Bekannten vor Ort anwesend sein werden. «Meine Familie wird da sein, daneben der fast ganze Klub sowie viele andere Schweizer Karate-Athleten – das wird schon speziell.»

Die Heim-EM soll ihr bisheriger Höhepunkt werden – doch danach hat die 20-Jährige noch Grosses vor. Nach ihrer letzten EM auf Junioren-Stufe, will sie sich bei der Elite etablieren. «Ich will zeigen, dass ich auch auf dieser Stufe bestehen und internationale Erfolge feiern kann. Ein weiteres grosses Ziel sind die Teilnahmen an Grossanlässen», fährt die Prattlerin fort.

Einst als Profi Geld verdienen

Das sind hochgesteckte Ziele, vor allem wenn man bedenkt, dass die Schweiz nicht gerade als Karate-Hochburg gilt. Das will Brüderlin ändern: «Es wäre toll, wenn ich mit meinen Leistungen zeigen könnte, dass unser Land zwar klein ist, man uns aber nicht unterschätzen darf. Man soll sehen, dass wir auch in der Schweiz gut trainieren und hart an uns arbeiten.» Ferner ist der grosse Traum, Vollprofi zu werden und vom Sport leben zu können. Dass das jedoch nur ganz wenigen gelingt und die Chancen dazu ziemlich gering sind, ist ihr voll und ganz bewusst. Nicht zuletzt deshalb absolviert sie momentan eine KV-Sportlehre bei der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion des Kantons Basel.

Damit Brüderlin neben der Arbeit zu genügend trainieren kann, hat sie mit ihrem Arbeitgeber spezielle Abmachungen getroffen. Zeitweise wird sie von ihren Pflichten dispensiert, damit sie sich ihrer Leidenschaft widmen kann. Im Gegenzug dauert ihre Lehre ein Jahr länger als normal. «Ich werde vom Betrieb super unterstützt, wir haben eine gute Lösung gefunden, die für beide Seiten stimmt. Allerdings braucht es eine sehr gute Planung, damit ich den Sport und die Arbeit unter einen Hut bekomme.» Und wer weiss, vielleicht zahlt sich die gute Planung und das harte Training schon bald aus – mit einer Medaille an der Heim-EM.