«Nein», kontert Raphael Wicky ohne auch nur eine Sekunde zu zögern. Er sagt es bestimmt. Direkt. Und ohne Fragen offen zu lassen. Nein, er hege aufgrund des Spiels vom Samstag gegen den FC Sion keine sentimentalen Gefühle. Auch wenn es ein Wiedersehen mit seinem ehemaligen Arbeitgeber und jenem Klub ist, in dem er sein Debüt in der Nati A feierte und bei welchem er die ersten Schritte seiner grossen Karriere machte.

«Aber ich bin seit 20 Jahren weg. Vor 27 Jahren habe ich in die Jugend des FC Sion gewechselt.» Das sei eine lange Zeit. Und auch wenn er seine kurzzeitige, halbjährige Rückkehr im Sommer 2007 unterschlägt, hat er Recht damit. «Ich bin Walliser und ich bleibe Walliser. Aber es sind keine ehemaligen Mitspieler von mir mehr da, und auch sonst kenne ich niemanden mehr im Verein. Es ist nichts Spezielles mehr.»

Serey Die rückt in Startelf

Dafür war die Vorbereitung auf dieses Duell eher speziell. Gleich 15 Spieler plus der interimistische dritte Torwart Gion Fadri Chande fehlten Wicky im Training, allesamt waren sie zu ihren Nationalmannschaften gereist, überall auf der Welt verteilt. Zeitweise hatte Wicky gerade mal drei Spieler zu Verfügung. Erst seit Donnerstag sind sie alle wieder zurück. Taktik-Training sei daher wie gewohnt in den Nati-Pausen unmöglich gewesen, vielmehr standen polysportive Einheiten und Erholung auf dem Programm.

Immerhin, so Wicky, sind alle gesund von ihren Landesauswahlen zurückgekehrt. Auch Geoffroy Serey Die, über den in ivorischen Medien berichtete worden war, dass er sich eine schwere Knieverletzung zugezogen und daher das letzte und entscheidende Spiel gegen Marokko verpasst habe. «Seit er zurück ist hat er normal trainiert. Von Kniebeschwerden hat er nichts gesagt.» Dies ist umso wichtiger, als dass der Ivorer in den Überlegungen Wickys betreffend der nächsten zwei Spiele eine zentrale Rolle spielt. Weil Taulant Xhaka gegen Manchester United am Mittwoch gesperrt zuschauen muss, wird Serey Die seine Position einnehmen.

Und genau deshalb wird dies auch am Samstag gegen die Walliser schon so sein. Darüber hinaus wollte der FCB-Trainer nicht an das bevorstehende Champions-League-Spiel denken geschweige denn davon reden. «Das Spiel gegen Manchester wird ab Sonntag vorbereitet. Jetzt geht es nur um Sion.»

FCB vor entscheidenden Wochen

Von seinem Jugendverein erwartet Wicky ein anderes Auftreten als noch Ende August, als die Basler zuerst dominant waren, führten, und nach dem 1:1-Ausgleich am Ende noch Glück hatten, überhaupt Punkte aus dem Tourbillon zu entführen. Mittlerweile hat Sion einen neuen Trainer. Gabri statt Tramezzani. Und Ersterer entstammt der berühmten Fussballschule Barcelonas. «Seine Art Fussball spielen zu lassen und die Art Tramezzanis entsprechen zwei verschiedenen Philosophien. Ohne dies wertend zu meinen», erklärte Wicky. Daher stellt er sich auf eine komplett andere Mannschaft ein.

Für die Basler ist ungeachtet des anders auftretenden Gegners ein Sieg Pflicht. Vor allem, weil am Sonntag das Spitzenspiel YB gegen den FC Zürich ansteht und bei einem Ausrutscher der Berner zu diesen aufgeschlossen werden könnte. Aber auch, weil das Spiel gegen Sion die Weichen für drei englischen Wochen stellen wird, in denen es um alles geht: Das Überwintern in der Champions League, den Halbfinal-Einzug im Cup und darum, in der Liga den Anschluss nicht zu verlieren.