Radsport
Rausch und Schmutz: Der Rückzug von zwei Radsport-Talenten

Mit dem 20-jährigen Biel-Benkemer Tizian Rausch und dem 26-jährigen Pascal Schmutz beenden gleich zwei talentierte Athleten ihre Sportler-Karriere.

Carla Stampfli
Merken
Drucken
Teilen
Tizian Rausch gewinnt 2010 die SM-Silbermedaille im Zeitfahren. ZVG

Tizian Rausch gewinnt 2010 die SM-Silbermedaille im Zeitfahren. ZVG

ZVG

Er ist jung, talentiert und erfolgreich. Tizian Rausch aus Biel-Benken stand als Junior nicht nur an der U19-Schweizer-Meisterschaft im Berg- und Zeitfahren mehrmals auf dem Podest, sondern war auch auf bestem Wege, sich in der Elite einen Namen zu verschaffen: 2013 unterschrieb der 20-Jährige zum ersten Mal in seiner Karriere einen Profivertrag beim Schweizer Rennstall Continental Team Atlas Personal-Jakroo.

Rausch feierte etliche Erfolge

Unter seinem neuen Team, das aus 17 nationalen und internationalen Fahrern besteht, fuhr Rausch die Tour de Azerbaijan, Eintagesrennen in Frankreich und Holland, verschiedene nationale Grand-Prix sowie die U23-Schweizer-Meisterschaft auf der Strasse. «Zu Beginn des Jahres lief es eigentlich gut. Da ich jedoch den Trainingsaufwand seit letztem Jahr zunehmend gesteigert habe, wurde es für mich immer schwieriger Schule und Sport unter einen Hut zu bringen», erklärt der Zweite der Swiss-Cycling-Jahreswertung 2012.

So kam es nicht selten vor, dass Rausch nach einem Auslandeinsatz Sonntagnachts um 2 Uhr zurückkehrte und wenige Stunden später wieder auf der Schulbank sass. «Gegen Ende der Saison haben mir einfach die Kräfte und die Motivation gefehlt. Ich musste mich entscheiden, ob ich Profi werden oder eine gute Schulausbildung machen wollte», sagt der Wirtschaftsmittelschüler. Weil im Sommer 2014 der Abschluss bevorsteht, zog er die Schlussprüfungen dem Profi-Sport vor.

«Der Schritt ist mir nicht leichtgefallen. Auch, weil meine Eltern stets an meiner Seite waren und ich von der Leistungssportförderung Baselland über die Jahre hinweg super unterstützt wurde», erklärt der Biel-Benkemer.

U23-Nati-Trainer bedauert Entscheid

Hubert Schwab, U23-Strassen-Nationaltrainer und ehemaliger Radprofi, bedauert, dass talentierte Fahrer wie Rausch ihre Karrieren in jungen Jahren beenden: «In diesem Alter ist es schwierig, die Ausbildung mit dem Sport zu vereinbaren. Es liegen zwar Projekte und Konzepte vor, wie man die Situation verbessern könnte, jedoch ist es auch immer eine Kostenfrage», weiss der 31-Jährige und fügt an: «Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren kontinuierlich Teams eingegangen und dadurch weniger Profiplätze vorhanden sind. Das hat Einfluss auf die Karriereplanung der jungen Radfahrer.»

Dies ist auch der Fall bei Atlas Personal-Jakroo, der Profi-Mannschaft von Tizian Rausch, die sich im nächsten Jahr auflösen wird. «Falls es 2014 weitergegangen wäre, hätte ich es vielleicht weitergezogen», sagt der Junioren-WM-Teilnehmer von 2010. Doch nun will sich Rausch auf das letzte Schuljahr konzentrieren und nach dem Abschluss den Wehrdienst als Durchdiener absolvieren.

Vom Entscheid überzeugt

«Auch wenn mir das Rennfeeling bestimmt fehlen wird, habe ich schlussendlich die richtige Entscheidung getroffen», ist er sich sicher. Und in dieser kalten Jahreszeit fällt es Rausch vielleicht etwas leichter, sich nicht auf den Sattel zu schwingen und, ohne speziell auf die Ernährung achten zu müssen, an Weihnachten einige «Gutzis» zu geniessen.

Schmutz: «Habe mein Potenzial nie ausgeschöpft»

Obwohl Pascal Schmutz an der diesjährigen Europameisterschaft im Eliminator-Rennen den Sprung in die Top 15 schaffte und an der Schweizer Meisterschaft im Sprint Fünfter wurde, hat sich der Riehener Mountainbiker ebenfalls dazu entschlossen, seine Karriere zu beenden. «Es war eine schwere Entscheidung, denn der Mountainbike-Sport hat mein ganzes Leben ausgefüllt. Aber während der letzten drei Jahre hatte ich immer wieder mit Problemen an meinem rechten Bein zu kämpfen. Ich hatte das Gefühl, dass ich mein Potenzial nie richtig ausschöpfen konnte. Mental war das hart», erklärt der sechsfache Argovia-Cup-Gesamtsieger. Der 26-jährige Schmutz, der seit 2005 den Sport professionell betrieben und die Ausbildung sowie die Arbeit darauf abgestimmt hatte, wird sich nun auf seinen Beruf konzentrieren.

Ohne Mountainbike gehts nicht

Jedoch wird der mehrfache Weltcup-Teilnehmer sein Gefährt nicht einfach in den Keller verstauen: «Ich werde weiterhin auf dem Mountainbike unterwegs sein, mit Freunden auf Touren gehen oder auf dem Wettkampfareal als Berater anzutreffen sein.» Bereut hat Schmutz seine Entscheidung nicht. «Obwohl mir die Emotionen mit Sicherheit fehlen werden, bin ich mit der jetzigen Situation glücklich.» Dass er eines Tages vielleicht doch auf den Rennplatz zurückkehren wird, um das Gefühl der Zieldurchfahrt zu erleben, hält er jedenfalls nicht für ausgeschlossen.