Es ist ein bitteres Erwachen aus dem Winterschlaf für den FC Basel. Im wegweisenden ersten Spiel nach der Winterpause verliert der Serienmeister im Joggeli gegen den FC Lugano mit 0:1. Anstatt den Druck auf YB zu erhöhen, ist der Abstand zum Leader auf fünf Punkte angewachsen.

Nie während der letzten acht Jahre lag Basel nach 20 Runden soweit hinter dem Führenden. 2010, als man mit sieben Punkten Rückstand in die Winterpause ging und soweit zurücklag wie nie mehr danach, gelang den Baslern gleich im ersten Spiel nach der Winterpause ein Coup: Man bezwang YB zu Hause mit 4:0, verringerte den Rückstand auf deren vier Punkte.

Mal davon abgesehen, dass der Hauptkonkurrent im Duell um den Meistertitel YB heisst und niemand so zuverlässig einen Vorsprung vergeigt wie die Berner, gibt es Gründe, welche die Basler Fans optimistisch stimmen dürfen. Und zwar mindestens deren fünf:

1 Die Reaktion von Trainer Raphael Wicky auf die Pleite

Das Schlimmste, was man im Fall eines Rückschlags machen kann, ist nach Ausreden suchen. Warum? Weil der erste Schritt zur Besserung darin besteht, dass man eine schwache Leistung anerkennt und auch benennt. Das tat allen voran Trainer Raphael Wicky, der ohne Umschweife sagte: «Das war ungenügend.» Vor allem in der Offensive. Denn der FCB hat zwar öfter als Lugano den Abschluss gesucht, aber letztlich nur vier Mal aufs Tor geschossen. Gleich wenig wie die Gäste aus dem Tessin. Bloss mit weniger Glück, Effizienz und Entschlossenheit.

2 Neue Leader sind gekommen – jetzt zeigen sie, was sie wert sind

Valentin Stocker und Fabian Frei spielten am Sonntag erstmals an alter Wirkungsstätte. Die Vorfreude in Basel auf die beiden verlorenen Söhne war gross, genauso wie jene der Spieler auf den ersten Auftritt im Joggeli. Sie war von kurzer Dauer. Schon in der 6. Minute schiesst Alexander Gerndt das für Lugano siegbringende Tor. Trotz der bitteren Pille zum Auftakt stehen sowohl Frei als auch Stocker danach vor die Mikrofone der Medienschaffenden. Gerade im Misserfolg zeigt sich, wer wirklich Leader-Qualitäten hat. Die bringen beide definitiv mit und sie werden das auch in den kommenden Partien bestätigen.

Frei

Fabian Frei nach der 0:1-Pleite gegen Lugano

3 Veränderungen brauchen Zeit – doch diesmal dürfte es wenig sein

Nach dem Umbruch ist vor dem Umbruch – so oder so ähnlich könnte man die letzten Monate des FC Basel kurz zusammenfassen. Denn nach dem Wechsel in der Führung kam es im Herbst und nun im Winter zum grossen Umbau der Mannschaft. Was zuversichtlich stimmt: Alle Neuzugänge kennen die Schweiz, die Super League und – ausser Léo Lacroix – gar den Verein. Ebenfalls mit der Ausnahme von Lacroix haben die Neuen die komplette Vorbereitung mitgemacht. Die Veränderungen werden schnell greifen.

4 Noch immer kann der FCB aus eigener Kraft Meister werden

Fünf Punkte sind in bis 19. Mai problemlos aufholbar. Noch werden in den ausstehenden 16 Partien 48 Punkte vergeben. Und zweimal treffen YB und Basel noch aufeinander. Der FCB ist also noch nicht einmal auf fremde Füsse angewiesen, um sich den neunten Meistertitel in Serie zu sichern.

5 Die Krise im Herbst und die Erfahrungen daraus sind Gold wert

Kaum im Amt musste FCB-Trainer Raphael Wicky die erste Krise meistern. Und er tat dies im Stile eines Routiniers. Mit Ruhe, Übersicht und dem Glauben an die eigenen Fähigkeiten. Oder in den Worten des Trainers: «Das war natürlich ein Rückschlag. Aber wir haben schon Zeiten durchlebt, die noch stürmischer waren. Ich bin überzeugt, dass wir uns von dieser Niederlage nicht aus dem Tritt bringen lassen und die Mannschaft den dazu nötigen Charakter hat.» Das kann sie schon am Samstag in Thun beweisen.